St. Georg (Oberriexingen)
Die evangelische Pfarrkirche St. Georg steht in Oberriexingen, einer kleinen Stadt im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Vaihingen-Ditzingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte und Architektur
Im Jahre 1339 wurde die früher als romanische Wehrkirche mit starkem Ostturm erbaute Georgskirche in den Speyerer Bischofsmatrikeln erstmals erwähnt. Spätestens 1392, nachdem die letzte Erbin der Vaihinger Grafen gestorben war, kam Oberriexingen unter württembergische Herrschaft und wurde 1420 im Güterverzeichnis Württembergs unter der ehemaligen Grafschaft Vaihingen mit aufgeführt. 1439 wurde unter württembergischer Regie an den massigen Chorturm aus dem 13. Jahrhundert nordöstlich der dreiseitig geschlossene, von zwei Strebepfeilern gestützte Chor und südwestlich das Langhaus der Saalkirche angebaut.[1] Dabei wurde die Ostwand des Turmes aufgebrochen, was in der Folgezeit zu schweren statischen Problemen führen wird. Der Chorturm wurde dabei wohl nach Südost mit einem gotischen Maßwerkfenster versehen.
Am 13. Juli 1693 plünderten im Pfälzischen Erbfolgekrieg französische Truppen unter General Mélac die zuvor zum Amtsflecken degradierte Kleinstadt und brannten 72 Gebäude und die Kirche ab.[2] Nach dem Brand von 1693 wurde der Kirchturm wiederhergestellt und mit einem achteckigen Geschoss aufgestockt, das die Turmuhr und den Glockenstuhl beherbergt. Auch das Langhaus musste 1694–1707 neu errichtet werden und wurde später nach Südwesten verlängert. Die drei Rundbogenfenster an der Südseite markieren die Länge des ursprünglichen Schiffes. Das Gelände zwischen Pfarrhaus und Kirche wird mit Brandschutt aufgefüllt, in der Folge gelangt nun mehr Feuchtigkeit an die Grundmauern des Turmes, und dieser neigt sich nach Nordwesten. Mit dem Wiederaufbau einher ging eine grundlegende Umgestaltung der Kirche im Zeitgeschmack des Barock. Die Kanzel fand ihren Platz auf der Südseite des Kirchenschiffs zwischen den beiden vorderen Fenstern.
1743 wurde eine Orgel eingebaut, wofür das spätgotische Kreuzgewölbe entfernt wurde, um Platz nach oben zu schaffen. Auch der Chorbogen wurde zum Kirchenschiff hin erhöht. 1748 musste der östliche Chorbogen zwischen dem romanische Turmchor und dem spätgotischen Choranbau wegen folgender statischer Probleme massiv abgestützt werden. 1842 wurde die Sakristei im neugotischen Stil angebaut.
1887/89 wurde der Turm mit einer Glockenhaube bedeckt. Sowohl der damalige Ulmer Münsterbaumeister 1889 als dann 1896 der Architekt Heinrich Dolmetsch legten Pläne zur Turmsicherung vor, dessen letzterer dann erst 1910, zusammen mit der Renovierung und dem Umbau der Kirche und des Ostchores wegen mangelnder Standfestigkeit, ausgeführt wurde.[3]
1964 fand eine gründliche Erneuerung statt, bei der der Innenraum die heutige Form erhielt. Der Chorboden mit der Orgel wurde abgesenkt, um die Akustik zu verbessern. Das hintere Drittel der Kirche wurde durch eine Faltwand abgetrennt und dient als Gemeindesaal. 1969 bekam der Turm einen neuen Hahn aus vergoldetem Kupfer; die Dächer wurden neu gelattet und gedeckt.
2003 entstand ein neuer Jugendraum auf der Kirchenbühne mit vielen Eigenleistungen und der Unterstützung örtlicher Handwerker.
Ausstattung
Bei der 1889 notwendigen Standsicherung des kleinen spätgotischen Chores waren drei Maßwerk-Chorfenster von Glasmaler Wilhelm Jahn aus Heilbronn mit Glasgemälden versehen worden, eines davon als Stiftung von Schultheiß Oßwald. Sie sind nicht mehr erhalten.
Die Kanzel, seit 1707 auf der Südwand, wird 1910 in die südöstliche Raumecke versetzt. An ihrer bisherigen Position wurde 1910 von den Stuttgarter Künstlern Walter Schöllkopf und Gustav Bürkler ein großes Wandbild mit den Emmausjüngern vor dem Hintergrund von Oberriexingen geschaffen.
Der Taufstein stammt aus dem Jahr 1753. Zur Renovierung im Jahr 1910 wurde der Stein außen neu bearbeitet und trägt seitdem zeitgenössische Ornamente mit Girlanden und Quasten, ähnlich den Girlanden an den beiden die Westempore tragenden Steinpfeilern.
Orgel
Die 1743 von Johann Christoph Herzer gebaute Orgel mit Barockprospekt stand zunächst auf einer Empore im Chor, wozu das Chorgewölbe entfernt wurde und wurde 1910 bei der Renovierung dort auf den Fußboden gestellt. 1951 wurde sie durch eine neue Schleifladenorgel der Firma Weigle im historischen Barockgehäuse ersetzt, die 1998/99 durch Orgelbaumeister Reinhart Tzschöckel restauriert und erweitert wurde und seither 18 Register auf zwei Manualen und Pedal besitzt.[4]
Glocken
1733 wurden zwei neue Glocken angeschafft, nachdem die alten von den französischen Truppen geraubt worden waren. 1816 wurde eine dritte Glocke angeschafft. 1902 müssen zwei Glocken wegen Sprüngen ersetzt werden. 1917 müssen zwei Glocken als Metallspende abgeliefert werden. 1922 wurden sie durch zwei neue Glocken ersetzt, die jedoch 1942 schon wieder als Metallspende abgegeben werden mussten.
1951 konnte eine neue Glocke angeschafft werden, 1957 wurden dann noch zwei weitere angeschafft, sodass das Geläut nun aus vier Glocken besteht.
| Name | Schlagton | Glockengießer | Jahr | Gewicht | Inschrift |
|---|---|---|---|---|---|
| Totenglocke | c" | Fa. Kiesel, Heilbronn | 1902 | 168 kg | Ehre sei Gott in der Höhe |
| Friedensglocke | as' | Fa. Kurtz, Stuttgart | 1951 | 565 kg | Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott |
| Taufglocke | b' | Fa. Bachert, Heilbronn | 1958 | 390 kg | Dienet dem Herrn - Symbol Taube |
| Betglocke (Herrenglocke) | f' | Fa. Bachert, Heilbronn | 1958 | 955 kg | So euch der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei |
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I, Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. Deutscher Kunstverlag, München 1993, S. 600.
- Ein kleiner Führer durch die Georgskirche in Oberriexingen; Faltblatt, (Hg.) Ev. Pfarramt Oberriexingen, o. J. [nach 2007]
- Die Orgel der Georgskirche in Oberriexingen; Faltblatt, (Hg.) Ev. Pfarramt Oberriexingen, o. J. [nach 2007]
Weblinks
- Geschichte der Kirche auf der Website der Kirchengemeinde
- Informationen zur Orgel auf OrganIndex
- Mehr Bilder und Informationen zur Geschichte der Kirche und der Orgel auf kirchen-online.com
Einzelnachweise
- ↑ Datierung 1439 und Baumeisterzeichen im Chorschluss, siehe Eduard Paulus: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Neckarkreis – Inventar; Stuttgart 1889, S. 482
- ↑ Elsbeth Sieb, Grete Werner-Wesner u. Thomas Faltin: Oberriexingen im Wandel der Zeit. Die Geschichte der Stadt zum 1200jährigen Jubiläum. Hrsg. von der Stadt Oberriexingen. Bietigheim-Bissingen 1992, S. 169.
- ↑ Ellen Pietrus: Heinrich Dolmetsch. Die Kirchenrestaurierungen des württembergischen Baumeisters; Stuttgart 2008, Seite 282 f
- ↑ Oberriexingen, Georgskirche – Organ index, die freie Orgeldatenbank. Abgerufen am 5. Januar 2026.
Koordinaten: 48° 55′ 32,5″ N, 9° 1′ 41,1″ O