Gadow (Wittstock/Dosse)
Gadow Stadt Wittstock/Dosse
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| Koordinaten: | 53° 7′ N, 12° 37′ O | |
| Höhe: | 70 m | |
| Fläche: | 60,64 km² | |
| Einwohner: | 168 (31. Dez. 2022)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 3 Einwohner/km² | |
| Eingemeindung: | 26. Oktober 2003 | |
| Postleitzahl: | 16909 | |
| Vorwahl: | 033964 | |
Lage von Gadow in Brandenburg
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Gadow ist seit dem 26. Oktober 2003 ein eingemeindeter Ortsteil der Stadt Wittstock/Dosse[2] im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg. Das Dorf hat 168 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2022).
Geschichte
Gadow wurde im Jahr 1374 das erste Mal urkundlich erwähnt. Es ist der Ursprungsort des gleichnamigen Adelsgeschlechts von Gadow, welches bereits 1333 urkundlich erscheint. Die Gegend wurde bis zum 12. Jahrhundert überwiegend von Slawen bewohnt. Zum Anfang des 14. Jahrhunderts erfolgte eine Einwanderung aus Westfalen, Thüringen und Franken in das damals noch zwischen Mecklenburg, Brandenburg und der Herrschaft Ruppin umstrittene Gebiet, Gadow wurde zusammen mit der Burg Goldbeck vom Bischof von Havelberg den Grafen von Lindow-Ruppin zu Lehen gegeben und gehörte von da an zur Burg bzw. zum Amt Goldbeck und somit bis 1817 zum Kreis Ruppin und kam dann an den neuen Kreis Ostprignitz.
Das wüst gewordene mittelalterliche Gadow wurde noch unter den Grafen von Lindow-Ruppin wieder aufgebaut. Beim Übergang des Ruppiner Landes zur Mark Brandenburg 1525 gab es im Ort 19 Erben, darunter den Schulzen, 2 Kossäten und einen Krug. Der Lehnschulze hatte 1530 4 freie Hufen. 1541 war Gadow ein Pfarrdorf mit den Tochtergemeinden Goldbeck und Zootzen. Zur Pfarre gehörten zwei Hufen Ackerland und zwei Wiesen, außerdem – genau wie bei den Bauern – das Recht auf freie Hütung und freies Brennholz. 1581 gab es zudem einen Küster, dem Abgaben von jedem Bauernhof zustanden.
Zählte der Ort 1624 noch 19 Hüfner und 4 Kossäten sowie einen Hirten, so waren 1652 nur noch zwei Höfe besetzt, 16 Hüfner- und 5 Kossätenstellen waren wüst. 1687 waren von 18 Zweihüfnerstellen immer noch 14 wüst.
Im Jahre 1820 wurde die Glashütte in der mecklenburgischen Exklave Rossow auf die brandenburgische Seite der Grenze verlegt, weil aufgrund der neu eingeführten Zollgrenze deren Betrieb unrentabel zu werden drohte. Zur Siedlung, die direkt am Weg Rossow-Gadow an der heute noch bestehenden Gemarkungsgrenze lag, gehörten neben der Glashütte im Jahre 1871 24 Wohngebäude. Carl von Randow, der diese Glashütte begründet hatte und auf Hof Rossow bis 1832 lebte, verkaufte sie an Karl Eduard Balzer aus Jüterbog und dieser an Christian Friedrich Herrmann Strecker aus Satower Höhe. Durch Erbschaft gelangte sie ab 1849 an Gustav Georg Wilhelm von Dadelsen, der am Ostrand der Siedlung ein Herrenhaus errichten ließ. 1876 verkaufte er den gesamten Betrieb an den Fretzdorfer Gutsbesitzer Achim von Karstedt für 60 000 Taler. Dieser verpachtete den Betrieb weiter an den Glasmacher August Ebert. Hergestellt wurden grünes und weißes Hohlglas, besonders Flaschen, Medizingläser, zuletzt besonders Behälter und Zylinder für Petroleumlampen sowie Einkochgläser. Zunehmende Konkurrenz und Probleme bei der Brennholzbeschaffung führten 1909 zur Einstellung der Produktion. Die Glasarbeiter blieben z. T. vor Ort und wurden Land- oder Forstarbeiter. Die von Karstedt waren noch 1931 Eigentümer der Glashütte, obwohl sie Fretzdorf zu dieser Zeit bereits verkauft hatten. Die Siedlung blieb weiter bewohnt und hatte im Hüttenkrug sogar eine beliebte Tanzgaststätte (bis etwa 1938/39). Nach 1945 wurde die Siedlung nach Gadow eingemeindet. Sie war nun vor allem von Flüchtlingen bewohnt. Ab etwa 1952 wurde ein sowjetisches Militärgelände angelegt und die Siedlung nach und nach einbezogen, aber noch 1975 sollen Deutsche hier gewohnt haben. Die Siedlung existiert noch, ist aber unbewohnt und im Verfall begriffen.
Im Ort befindet sich eine Kirche aus den 1860er Jahren nach dem Entwurf des Baumeisters Wedeke. Die erste der Vorgängerkirchen wurde vermutlich im 12.–13. Jahrhundert gebaut, die nächste am Ende des 17. Jahrhunderts.
Siehe auch
Literatur
- Gisela Masurowski, Dieter Mimbour: Die Glashütten Rossow und Gadow in der Ostprignitz. In Ostprignitz-Ruppin-Jahrbuch 2010, Kreisverwaltung Ostprignitz-Ruppin, S. 144–168
- Enders, Lieselott: Gadow, In: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil I Prignitz; Verlag Hermann Böhlhaus Nachfolger, Weimar 1997
Einzelnachweise
- ↑ Wittstock/Dosse – Einwohnerentwicklung. (PDF) Stadt Wittstock/Dosse, abgerufen am 19. April 2023.
- ↑ StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
Weblinks
- www.splitterbach.de
- Gadow in der Reihe „Landschleicher“ des Rundfunks Berlin-Brandenburg vom 20. November 2005
- Kieler-Nachrichten online: Kirche nach 33 Jahren wiedereröffnet.