Dranse (Wittstock/Dosse)
Dranse Stadt Wittstock/Dosse
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| Koordinaten: | 53° 12′ N, 12° 37′ O | |
| Einwohner: | 308 (31. Dez. 2022)[1] | |
| Eingemeindung: | 26. Oktober 2003 | |
| Postleitzahl: | 16909 | |
| Vorwahl: | 03394 | |
Lage von Dranse in Brandenburg
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Dorfkirche
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Dranse ist ein Ortsteil der Stadt Wittstock/Dosse im Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Nordwesten des Landes Brandenburg.
Lage
Dranse liegt nordöstlich der Altstadt Wittstock. Nordöstlich des Ortes erstreckt sich der Große Baalsee und südöstlich der Dranser See. Zu Dranse gehören die Wohnplätze Kuhlmühle und Walkmühle.
Geschichte
Der Ort wurde erstmals 1233 als „Drans“ urkundlich erwähnt und gilt damit als das älteste Dorf im Altkreis Wittstock. Anlass war die Schenkung des Dranser Sees mit 60 Hufen Land und Nutzungsrechten durch die Herren von Mecklenburg an das Kloster Amelungsborn zwecks Gründung einer Niederlassung und Ansiedlung von Kolonisten „jeglicher Nationalität“. Der Bischof von Schwerin überließ dem Kloster dazu noch die Zehntrechte in seinen Besitztümern. Der Klosterhof lag am Nordostufer des Dranser Sees. 1247 verlieh zusätzlich auch der Bischof von Havelberg weitere Zehntrechte in der Gegend. Der Klosterhof wurde in der Folgezeit mit weiteren Orten und Rechten ausgestattet. Allerdings lag der Mönchshof Dranse doch recht entfernt vom Stammkloster, zudem hatten 1423/24 Ritter aus der Prignitz und Ruppin Schäden „im Land zu Wredenhagen“ und Dranse angerichtet. Daher verkaufte das Kloster 1431 Dranse und die zugehörigen Dörfer und Feldmarken an den Bischof von Havelberg. Dies führte im 15. und 16. Jahrhundert zu Streitigkeiten zwischen Mecklenburg und Havelberg bzw. später Brandenburg. So forderte Mecklenburg 1583 die Bede ein. Bis 1829 bestand hier ein Mecklenburger Zollrecht, die Zollstelle wurde erstmals 1494 erwähnt.
Das Dorf Dranse selbst zählte in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts insgesamt 24 Bauern- und Kossätenhöfe mit 36 Hufen Land, wovon drei Hufen dem Pfarrer zustanden. Die Bauern dienten 8 Tage jährlich dem Mönchshof, die Kossäten 2 Tage in der Ernte. Die Frauen einschließlich der Witwen mussten 4 Tage Getreide binden. Zudem gab es einen Krug und eine Schmiede. Zur Nutzung des Waldes benötigten die Bauern eine Erlaubnis des Klosters. Zu einer bislang nicht bekannten Zeit entstand im Ort eine Feldsteinkirche.
Nach der Reformation wurde die Burg Zechlin mitsamt den zugehörigen Orten, darunter Dranse, vom Kurfürsten Brandenburgs eingezogen und zum Amt Zechlin zusammengefasst. 1574 wurden erfasst: Der Schulze mit 2 Freihufen und Land u. a. auf dem Mönchhof, auf Grieben, „auf Hingstberge“, „auf Steinberge“ und auf Groß und Klein Raderang sowie Fischereirechten, daneben 13 Zweihüfner und einen Einhüfner, alle mit mehreren Stück Heueracker „wie der Schulze“ und auf Bale und Klein Bale (Wüstungen nördlich von Dranse), in der Mönchheide und auf Bockelberg, einer hat auch Land auf Tuchsdorf; und ein Büdner. Die Bauern müssen einige Tage Dienst zum Amt Wredenhagen (Mecklenburg) leisten. Dem Pfarrhof gehören drei Hufen, ihm steht auch der Kornzehnt von den wüsten Feldmarken Groß und Klein Bale zu.
Nach den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges lebten 1652 nur noch 12 Personen in Dranse, darunter zwei Bauern und zwei Kossäten. 1686 waren das Lehnschulzengut (zwei Hufen), 11 von 13 Zweihüfnern und ein Halbhüfnerhof wieder besetzt. Zwei Hirten hüteten einmal Rinder und Schafe, der andere die Schweine. Zudem gab es einen Schneider und die Kuhlmühle. Insgesamt wurden 29 Hufen Land genutzt. Gegen Abgabe durfte „notdürftig Brennholz“ entnommen werden.
Die alte Kirche wurde 1861 durch einen Nachfolgerbau ersetzt. 1898 erhielt der Ort einen Anschluss an die Bahnstrecke Wittenberge–Strasburg. Seit den 1950er Jahren pflegt die evangelische Gemeinde in Dranse eine Partnerschaft mit der Markus-Kirchengemeinde in Jestetten. 1998 wurde der Bahnbetrieb eingestellt. 2003 erfolgte die Eingemeindung von Dranse sowie seiner Wohnplätze nach Wittstock/Dosse.
Sehenswürdigkeiten und Kultur
- Die Dorfkirche Dranse wurde im Jahr 1861 an Stelle eines Vorgängerbaus im Rundbogenstil errichtet. Im Innern steht unter anderem eine Anna selbdritt aus dem Ende des 15. Jahrhunderts sowie ein Salvator mundi aus dem 16. Jahrhundert.
- Das ehemalige Bahnhofsgebäude sowie das Wohnhaus in der Dorfstraße 40/42 stehen unter Denkmalschutz. Im Wohnplatz Walkmühle befindet sich weiterhin eine denkmalgeschützte Walkmühle mit Hauptgebäude mit Turbinenhaus und Mühlentechnik sowie den wasserbaulichen Anlagen am Kleinen Baalsee.
- Im Bürgerhaus finden zahlreiche Veranstaltungen statt.
Infrastruktur und Verkehr
Die A 19 verläuft westlich. Sie mündet beim südwestlich gelegenen Autobahndreieck Wittstock/Dosse in die nordwestlich und südöstlich verlaufende A 24.
Siehe auch
Literatur
- Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil 1 – Prignitz – A–M. Bearbeitet von Lieselott Enders. In: Klaus Neitmann (Hrsg.): Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Staatsarchiv Potsdam) – Band 3. Begründet von Friedrich Beck. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2012, ISBN 978-3-88372-032-6, S. 172 ff.
Weblinks
- Dranse auf wittstock.de
- Kirchen im Dranser Land
Einzelnachweise
- ↑ Wittstock/Dosse – Einwohnerentwicklung. (PDF) Stadt Wittstock/Dosse, abgerufen am 19. April 2023.