Gaby Pas-Van Riet

Gaby Pas-Van Riet (* 1959 in Essen, Belgien) ist eine belgische Flötistin und Professorin an der Hochschule für Musik Saar.

Berufliche Laufbahn

Gaby Pas-Van Riet absolvierte ihre Ausbildung am Königlich Flämischen Musikkonservatorium in Antwerpen und an der Musikhochschule Köln in der Konzertklasse von Wilhelm Schwegler sowie am Konservatorium Basel in der Meisterklasse von Peter-Lukas Graf. Sie schloss ihr Solisten- und Meisterdiplom 1979 bzw. 1982 ab. Sie war von 1978 bis 1983 Soloflötistin im Orchester der Europäischen Gemeinschaft unter der Leitung von Herbert von Karajan, Daniel Barenboim, Claudio Abbado und anderen. Von 1983 bis 2016 war sie Soloflötistin des SWR Symphonieorchester. Seit der Spielzeit 2000/01 ist sie regelmäßiger Gast als Soloflötistin der Berliner Philharmoniker. Ebenso ist sie als Soloflötistin Mitglied des Bayreuther Festspielorchesters.

Lehrtätigkeit

Seit 1996 ist sie als Gastprofessorin in Antwerpen tätig. 2000 wurde sie als Professorin für Flöte an die Musikhochschule des Saarlandes berufen. Seit 1984 gibt sie außerdem regelmäßig Meisterkurse in Europa, Japan, China und Korea. Darüber hinaus ist sie Gastdozentin am Royal College of Music in Stockholm.[1] Zu ihren Schülern zählen Preisträger nationaler und internationaler Wettbewerbe.

Sie ist Jurymitglied bei nationalen und internationalen Wettbewerben, darunter dem Kuhlau-Wettbewerb für Flöte in Uelzen, dem Wettbewerb Adams in Ittervoort/Niederlande, dem Internationalen Flötenwettbewerb der ARD in München und dem Internationalen Nicolet-Wettbewerb in Guangzhou/China. Seit 2018 ist sie Jurymitglied des DAAD-Stipendienwettbewerbs in Bonn.

Auftritte

Sie gibt Solokonzerte mit Orchester und tritt als Kammermusikerin in Europa, den USA, Japan und dem Nahen Osten auf. Sie war unter anderem zu Gast beim Casals Festival mit dem ECYO Jugendorchester unter der Leitung von Claudio Abbado. Beim Tibor Varga Festival spielte sie mit dem Festivalorchester das 5. Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach mit Claudio Paradiso und dem Violinisten Tibor Varga. Bei den Berliner Festwochen trat sie gemeinsam mit fünf Solo-Flötistinnen des Deutschen Rundfunkorchesters mit dem Quintett für fünf Flöten von Isang Yung auf. Bei den Salzburger Festspielen spielte sie mit dem ECYO U.L.V Orchester unter Claudio Abbado und Herbert von Karajan. Beim Festival in Flandern trat sie mit dem I Fiamminghi -Kammerorchester unter der Leitung von Rudolf Werthen auf. Bei den Musiktagen Mondsee trat sie im Rahmen des Mondsee Festival mit dem Violinisten Matthias Lingenfelder und beim Oberstdorfer Musiksommer mit dem Kammerorchester arcata stuttgart unter der Leitung von Patrick Strub auf.[2]

Preise und Auszeichnungen

Sie erhielt mehrere Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben. Unter anderem gewann sie 1973 den Trompconcours in Eindhoven, Niederlande, 1983 die Goldene Medaille beim György-Cziffra-Wettbewerb in Paris, sowie 1985 den ARD-Wettbewerb in München.[3]

Aufnahmen

Ihr Repertoire umfasst das gesamte Spektrum der Flötenliteratur, darunter auch Uraufführungen, von denen einige Werke der Moderne ihr gewidmet sind, beispielsweise von Helmut Lachenmann oder Manfred Trojahn. Zudem hat sie zur Wiederentdeckung romantischer Flötenkonzerte von Hendrik Waelput und Peter Benoit beigetragen.[4] Über 272 Studio- und Rundfunkaufnahmen mit ihr sind als Kammermusikerin sowie als Solistin mit dem SWR Symphonieorchester entstanden. Sie hat zahlreiche CD-Aufnahmen mit verschiedenen Kammermusikbesetzungen eingespielt, darunter mit dem Linos Harfenquintett, dem Pianisten Paul Gulda, dem Pianisten Bruno Canino, dem Flötisten Peter-Lukas Graf, der Harfenistin Renie Yamahata, dem Violinisten Gunter Teuffel und dem Harfenisten Xavier de Maistre und dem Gitarristen Yves Storms.

Mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn spielte sie als Solistin alle Mozart Flötenkonzerten ein. Zusammen mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, dem Royal Flandern Philharmonic Orchestra und dem New Flemish Symphony Orchestra entstanden die Ersteinspielungen der Flötenkonzerte von Peter Benoit, Hendrik Waelput und François-Joseph Fétis. Die Einspielungen der Flötenkonzerte von Christian Wilhelm Westerhoff entstanden mit dem Symphonieorchester Osnabrück. Gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim spielte sie die Ersteinspielungen der Flötenkonzerte von Friedrich Hartmann Graf ein.[5]

Ihre Aufnahmen wurden mehrfach in verschiedenen Rundfunksendern ausgestrahlt, ebenso ein Portrait Gespräch zur Erinnerung an den Dirigenten Georges Prêtre über ihre Zusammenarbeit mit dem Dirigenten und dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR mit Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“.[6]

Literatur

  • Michael Wessel: Üben-Proben-Karriere. Die Disziplinierte: Gaby Pas-Van Riet, Querflöte. Bärenreiter, Kassel 2012.

Einzelnachweise

  1. European Masterclasses & Akademifestivalen – Stockholm 2025
  2. Wandelkonzert bietet in Oberstdorf einen Abend voller Überraschungen Allgäuer Anzeigenblatt, 10. August 2022, abgerufen am 15. Oktober 2025
  3. Gaby Pas-Van Riet, 3. Preis Archiv Internationaler Musikwettbewerb 1985
  4. Trojahn, Manfred: Épitaphe for four Flutes
  5. Radio Swiss Classic
  6. Zum Tod des Dirigenten Georges Prêtre, Internationaler Pultstar Deutschlandfunk, abgerufen am 15. Oktober 2025