GCR-Klasse 8B
| GCR 8B LNER C4 | |
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GCR-Klasse 8A Nr. 361 als LNER-Klasse 8B Nr. 2923
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| Nummerierung: | GCR: 192, 194, 263–267, 1083–1094, 260–262, 358, 360–363 LNER: 6090–6120 BR: 62900…62917 |
| Anzahl: | 27 |
| Hersteller: | Beyer, Peacock (7) NBL (8) Gorton Works (12) |
| Baujahr(e): | 1903–1906 |
| Ausmusterung: | 1939–1950 |
| Bauart: | 2’B1’ n2 Umbau 1912–1936: 2’B1’ h2 |
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) |
| Länge: | 15.800 mm |
| Höhe: | 4090 mm für das GNR-Profil angepasste: 3962 mm |
| Radstand mit Tender: | 15.800 mm mit 4000-Gallonen-Tender |
| Dienstmasse: | 73,1 t |
| Dienstmasse mit Tender: | 122,1 t |
| Radsatzfahrmasse: | 18,8 t |
| Anfahrzugkraft: | 95 kN |
| Kuppelraddurchmesser: | 2057 mm (6 ft 9 in) |
| Laufraddurchmesser vorn: | 1067 mm (3 ft 6 in) |
| Laufraddurchmesser hinten: | 1295 mm (4 ft 3 in) |
| Laufraddurchmesser: | 2057 mm (6 ft 9 in) |
| Steuerungsart: | Stephenson mit Flach- oder Kolbenschieber |
| Zylinderanzahl: | 2 Außenzylinder |
| Zylinderdurchmesser: | 483 mm (19 in) mit Kolbenschieber: 533 mm (21 in) |
| Kolbenhub: | 660 mm (26 in) |
| Kessel: | LNER-Standard-kessel Nr. 15 |
| Kessellänge: | 4600 mm |
| Kesselüberdruck: | 12,4 (180 psi) |
| Rostfläche: | 2,44 m² |
| Strahlungsheizfläche: | 14,3 m² |
| Rohrheizfläche: | 82,2 m² |
| Überhitzerfläche: | 22,5 m² |
| Verdampfungsheizfläche: | 162,1 m² |
| Leermasse des Tenders: | 49,1 t |
| Wasservorrat: | 18,0 m³ |
| Brennstoffvorrat: | 6,1 t |
| Konstrukteur: John G. Robinson Technische Daten der LNER-Heißdampfversion. Quelle:[1] | |
Die Klasse 8B, auch Jersey Lilies genannt, umfasste 27 zwischen 1903 und 1906 gebaute Atlantic für den Schnellzugverkehr der Great Central Railway (GCR). Die von John G. Robinson entworfenen Maschinen entstanden zunächst als Vergleichsbaureihe zu den gleichzeitig bestellten Ten-Wheeler-Lokomotiven der GCR-Klasse 8C und nutzten zahlreiche gemeinsame Komponenten. Spätere Serien erhielten eine tiefere Feuerbüchse, nachdem die ursprünglich vorgesehene Möglichkeit eines Umbaus zu Ten-Wheeler-Lokomotiven nicht weiter verfolgt wurde.
Mehrere Lokomotiven wurden im Laufe ihrer Einsatzzeit mit Überhitzer, Kolbenschiebern und vergrößerten Zylindern ausgerüstet. Unter der London and North Eastern Railway (LNER) wurden die Maschinen als LNER-Klasse C4 geführt. Die Ausmusterung erfolgte zwischen 1939 und 1950; keine Lokomotive blieb erhalten.
Geschichte
In Erwartung eines steigenden Verkehrsvolumens bestellte die GCR 1903 bei Beyer, Peacock and Company vier Schnellzuglokomotiven. Zwei davon wurden als Ten-Wheeler-Lokomotiven der GCR-Klasse 8C gebaut und die anderen beiden als Atlantic-Lokomotiven der GCR-Klasse 8B gebaut. Da sich der Verkehr sich dann doch nicht so schnell entwickelte, wurden die kleineren Atlantic-Lokomotiven weiter beschafft. Es folgten in drei weiteren Lieferungen 25 Lokomotiven: 1904 lieferte Beyer, Peacock fünf weitere Maschinen, 1905 lieferte die North British Locomotive Company (NBL) zwölf Lokomotiven und 1906 lieferte die bahneigenen Gorton Works acht Lokomotiven im Jahr 1906. Die Lokomotiven erhielten den Spitznamen Jersey Lilies nach der auf der Kanalinsel Jersey geborenen Schauspielerin Lillie Langtry.
Die ersten Maschinen kamen vor den hochwertigen Schnellzügen zwischen Manchester und London zum Einsatz und führten auch Ausflugszüge von Manchester nach Weymouth, Weston-super-Mare und Plymouth. In diesem Zusammenhang hatte eine 8C-Lokomotive den längsten Durchlauf einer Lokomotive in Großbritannien. Er führte von Manchester über Banbury und Bristol nach Plymouth und bestand 20 Jahre lang bis die direkten Schnellzüge von London über die West Coast Main Line und die East Coast Main Line nach Schottland eingeführt wurden.[1]
Bei der Zusammenlegung der britischen Bahnen zu vier großen Gesellschaften mit dem Railways Act 1921 kamen die Lokomotiven 1923 zur LNER und wurden dort in die Klasse C4 eingeteilt, wobei sich das C auf die Achsfolge 2’B1 bezieht.
Ab etwa 1932 waren die C4 den wachsenden Zuglängen nicht mehr gewachsen. 1936 wurden sie im Schnellzugdienst durch die stärkeren Lokomotiven der LNER-Klasse B17 ersetzt und kamen anschließend in leichteren Diensten zum Einsatz. In dieser Phase wurde der Großteil der Baureihe auf das kleinere Fahrzeugumgrenzungsprofil der Strecken der ehemaligen Great Northern Railway (GNR) umgebaut, damit sie auf dem gesamten Netz der LNER frei einsetzbar waren. Sie wurden unter anderem in den Depots von Cambridge, Colwick bei Nottingham, Immingham, Lincoln und Ipswich stationiert. Neben langsameren Personenzügen übernahmen sie gelegentlich auch Fischzüge. Diese gemischten Einsätze auf Strecken der ehemaligen GCR und GNR setzten sich während des Zweiten Weltkriegs fort.[1]
Die erste Ausmusterung erfolgte 1939 nach einem Unfall von Nr. 6090, doch aufgrund des Lokmangels blieben die übrigen Maschinen bis Kriegsende weitgehend im Dienst. Mit dem LNER-Standardisierungsprogramm war jedoch ab 1945 klar, dass für die inzwischen rund vierzig Jahre alten Atlantics kein Platz mehr war. Zwanzig Loks gelangten noch zu British Railways (BR); die letzten sechs wurden 1950 ausgemustert.[2.1]
Technik
Die Lokomotiven verfügten über zwei Kuppelachsen, ein vorderes Laufdrehgestell sowie eine Nachlaufachse. Die Kuppelräder hatten einen Durchmesser von 2057 mm (6 ft 9 in). Die beiden Außenzylinder wirkten auf die hintere Kuppelachse.
Die Konstruktion leitete sich von der GCR-Klasse 8 ab. Die Feuerbüchse wurde wie bei der Ten-Wheeler-Version der Klasse 8C ausgebildet. Dadurch sollte einerseits ein direkter Vergleich zwischen den beiden Varianten möglich sein und andererseits ein Umbau der Klasse 8B in die Klasse 8C offenbleiben.
Zwischen 1912 und 1936 wurden die Lokomotiven mit Heißdampfkesseln ausgerüstet. Ab diesem Jahr wurden sie zudem im Rahmen eines separaten Umbauprogramms zudem mit größeren Zylindern ausgestattet. Diese wiesen einen Durchmesser von 533 mm (21 in) statt 483 mm (19 in) auf und waren mit Kolbenschiebern versehen, die baugleich zu denen der 4-6-0-Lokomotiven der Railway Operating Division (ROD) waren.
Unterklassen
Ab 1929 führte die LNER für die Baureihe C4 Unterklassen ein, um die verschiedenen Bauzustände der Lokomotiven zu unterscheiden:
- C4/1: Lokomotiven mit Nassdampfkessel,
- C4/2: Heißdampfmaschinen mit Flachschieber,
- C4/3: Heißdampfmaschinen mit Kolbenschiebern,
- C4/4: Heißdampfmaschinen mit Kolbenschiebern und reduzierter Höhe
Die Unterklasse C4/4 wurde erst 1932 eingeführt. Ihr wurden die Heißdampfmaschinen zugeteilt, deren Höhe reduziert wurde, damit sie auf den Strecken der ehemaligen GNR verkehren konnten. Dabei wurde der GCR-Schornstein durch den Standard-„Blumentopf“-Schornstein der LNER ersetzt. Die Heißdampfmaschinen mit reduzierter Höhe wurden in die Unterklasse C4/4 eingeteilt. Lokomotiven mit Flachschieber und reduzierter Höhe verblieben in der Unterklasse C4/2. Nachdem 1936 die letzte Nassdampfmaschine mit einem Heißdampfkessel versehen worden war, verschwand die Unterklasse C4/1. Bis 1939 wurde die Höhe aller C4s reduziert, womit nur noch die Unterklassen und wurden nur noch als C4/2 und C4/4 weitergeführt wurden.[1]
Dreizylinder-Lokomotive
1908 baute Robinson versuchsweise die Lokomotive Nr. 1080 in eine Dreizylinder-Maschine um. Es wurde ein de-Glehn-Antrieb gewählt, bei dem der Mittelzylinder arbeitete auf die erste Kuppelachse, die Außenzylinder auf die zweite. Die Steuerung für alle Zylinder war von der Bauart Walschearts, die normalerweise bei der GCR nicht für Lokomotiven verwendet wurde. Die Lokomotive wurde 1922 wieder der Serie angepasst.[1]
Weblinks
- 4-4-2 Steam Locomotives in Great Britain: Great Central – Class 8B Jersey Lilies / C4 (Locobase 2289). In: steamlocomotive.com. Wes Barris, abgerufen am 17. November 2025 (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e The Robinson C4 (GCR Class 8B) 4-4-2 Atlantics. In: LNER Encyclopedia. Abgerufen am 24. Dezember 2025.
- ↑ GCR/LNER Robinson "C4" Class 4-4-2. In: BRDatabase. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
- ↑ Stats