GCR-Klasse 8A

GCR 8A
LNER Q4
GCR-Klasse 8A Nr. 1133 als LNER-Klasse Q4 Nr. 3224 (1947)
Nummerierung: GCR: 39…1182
LNER: 5000 + GCR-Nr.
ab 1946: 3200…3243, 9925–9937
BR: 63200…63243, 69925–69937
Anzahl: 89
Hersteller: Gorton Works (35)
Kitson (51)
Neilson (3)
Baujahr(e): 1902–1911
Ausmusterung: 1954
Bauart: D n2, später
teilweise D h2
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 17.748 mm
Länge: 19.507 mm
Höhe: 3962 mm (für das GNR-Profil angepasste Maschinen)
Gesamtradstand: 5207 mm
Radstand mit Tender: 12.967 mm
Dienstmasse: 63,4 t
Radsatzfahrmasse: 17,3 t
Anfahrzugkraft: 115 kN
Kuppelraddurchmesser: 1422 mm (4 ft 8 in)
Steuerungsart: Stephenson mit Flachschieber oder Kolbenschieber
Zylinderanzahl: 2
Zylinderdurchmesser: 483 mm (19 in), LNER: teilweise
533 mm (21 in)
Kolbenhub: 660 mm (26 in)
Kessel: GCR-Standard Nr. 17
Kesselüberdruck: 12,4 bar (180 psi)
Anzahl der Heizrohre: 207
Heizrohrlänge: 4527 mm
Rostfläche: 2,5 m²
Strahlungsheizfläche: 13 m²
Rohrheizfläche: 154,7 m²
Verdampfungsheizfläche: 167,7 m²
Tender: 4000-gal-Tender od. 3250-gal-Tender
Wasservorrat: 4000-gal-Tender: 15,1 m³
3250-gal-Tender: 12,3 m³
Brennstoffvorrat: 6,1 t Kohle
Konstrukteur: John G. Robinson
Technische Daten der Nassdampfversion mit 4000-Gallonen-Tender. Quelle der technischen Daten:[1.1]

Die Klasse 8A war eine Baureihe von 89 Güterzug-Dampflokomotiven der Achsfolge D (Vier Kuppelachsen), die zwischen 1902 und 1911 für die Great Central Railway (GCR) gebaut wurden. Der Entwurf stammte von John G. Robinson. Die Maschinen gehörten zu den leistungsfähigsten Güterzuglokomotiven ihrer Zeit im GCR-Netz und bildeten über Jahrzehnte das Rückgrat des schweren Kohle- und Erzverkehrs in den Midlands und im Nordosten Englands. Nach der Übernahme der GCR durch die London and North Eastern Railway (LNER) im Rahmen des Groupings wurden die Maschinen als LNER-Klasse Q4 eingereiht, davon 13 zu Tenderlokomotiven der LNER-Klasse Q1 umgebaut und 13 an die 1948 gegründete British Railways (BR) übergeben. Die als Tinies ‚Kleine‘ bekannten Lokomotiven blieben bis in die 1950er Jahre im Einsatz.

Geschichte

Bau

Die Lokomotiven wurden von drei Herstellern gebaut: die ersten drei stammten von Neilson, Reid & Company, darauf folgten 51 Maschinen von Kitson and Company und die letzten 35 stammten aus den bahneigenen Gorton Works in Manchester. Die ersten 41 Lokomotiven, die zwischen 1902 und 1905 gebaut wurden, erhielten 3250-Gallonen-Schlepptender, die restlichen 48 Maschinen, die zwischen 1908 und 1911 gebaut wurden, hatte 4000-Gallonen-Schlepptender.

Hersteller Bestellung Nr. Werk-Nr. Anzahl Baujahr GCR-Nr. Tender:

Wasser-menge [imp gal]

Neilson E886 6251–6253 3 Nov. 1902 1052–10544 3250
Kitson 273A 4202–4234 33 Sept. 1903–Mai 1904 56–59, 64–65, 67–68, 70–71, 85–87, 91–92, 135–140, 142–153 3250
Kitson 306L 4335–4339 5 Juli–August 1905 1073–1077 3250
Kitson 333T 4475–4487 13 Feb.–April 1907 1132–1144 4000
Gorton Works 15 Feb.–Dez. 1909 39, 44, 48–49, 62–63, 212–213, 356, 159–164 4000
Gorton Works 20 Juni 1910 – Feb. 1911 401, 1174–1177, 956–960, 1178–1179, 961–965, 1180–1182 4000

Betrieb

Great Central Railway (GCR)

Die Lokomotiven kamen vor schweren Kohlezügen zum Einsatz, die von den Kohlenfeldern im Süden von Yorkshire über die Pennines nach Westen in Richtung Manchester und Liverpool verkehrten, sowie nach Osten zu den Häfen von Grimsby und Immingham verkehrten. Viele Lokomotiven waren in Mexborough stationiert. Nach der Fusion der Lancashire, Derbyshire and East Coast Railway (LD&ECR) mit der GCR im Jahr 1907 wurden einige Lokomotiven zu den ehemaligen LD&ECR-Depots in Langwith und Tuxford verlegt. Während des Ersten Weltkriegs wurden fünfzehn Lokomotiven im Zeitraum 1917 bis 1919 an die Railway Operating Division (ROD) ausgeliehen und in Frankreich eingesetzt.

London and North Eastern Railway (LNER)

Anfang 1923 wurde beim Zusammenschluss der britischen Bahnen die GCR in die LNER integriert. Alle Lokomotiven wurden von der LNER übernommen und in die Klasse Q4 eingeteilt. Die Maschinen erhielten LNER-Nummern, die sich aus der GCR-Nummer durch addieren der Zahl 5000 ergaben.

Nachdem die LNER große Mengen 2-8-0-Lokomotiven von der der Railway Operating Division (ROD), übernehmen konnte, wurden die Q4 in die Gebiete der ehemaligen Great Northern Railway (GNR) und nach West Riding verlegt, wo sie im Güterverkehr die ehemalige GNR-Klasse K1 Long Tom ersetzten, die bei der LNER in den Klassen Q1 bis Q3 eingeteilt waren. Der Einsatz der Q4 in West Riding ergab sich, weil die längeren Lokomotiven der Klasse O4, die leistungsfähigeren ehemaligen ROD-Lokomotiven, auf der Drehscheibe in Ardsley nicht gewendet werden konnten. Die Q4 blieben jedoch auch in West Riding, nachdem die Drehscheibe ersetzt worden war.

Die Ausmusterung begann 1934, wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg wegen Mangels an schweren Güterzuglokomotiven Ende 1939 eingestellt. Von den verbliebenen 48 Maschinen wurden von Edward Thompson 13 zu Tenderlokomotiven der LNER-Klasse Q1 umgebaut.[2]

British Railways (BR)

Nach der Gründung von British Railways 1948 erhielten diese noch 17 Lokomotiven Q4 von der LNER. Die große Zahl der Austerity 2-8-0, die die LNER nach Kriegsende vom War Department abgekauft hatte, machte die Q4 endgültig überflüssig. Die letzten in den Depots Ardsley und Barnsley stationierten Lokomotiven wurden 1951 ausgemustert.[1]

Technik

Die Maschinen besaßen vier Kuppelradsätze mit einem Durchmesser von 1422 mm (4 ft 8 in). Der Antrieb geschah über zwei außenliegende Zylinder mit den Massen 483 × 660 mm (19 × 26 in), die auf die dritte Kuppelachse wirkten. Der Kessel war ein GCR-Standard-Nassdampfkessel Nr. 17 mit einem Durchmesser von 1448 mm (4 ft 9 in), der mit einer Belpaire-Feuerbüchse ausgestattet war.

Ab 1914 rüstete die GCR die Lokomotiven mit Heißdampfkessel aus, was später von der LNER fortgeführt wurde. Acht Lokomotiven blieben jedoch bis zu ihrer Ausmusterung Nassdampflokomotiven.[3] Außerdem stattete die LNER die Maschinen mit 21-Zoll-Zylindern und Kolbenschiebern aus. Bis 1930 wurden alle Schlepptender mit einem Wasservorrat von 3250 Gallonen durch solche mit einem Fassungsvermögen von 4000 Gallonen aus ehemaligen GCR-Lokomotiven ersetzt.

Die Lokomotiven waren für das Netz der ehemaligen Great Northern Railway (GNR) zu hoch, sodass sie von der LNER erst nach entsprechenden Anpassungen auf diesen Strecken genutzt werden konnten. Die Maschinen erhielten niedrigere Schornsteine und Dampfdome, und die Dampfpfeife wurde weiter unten angebracht, um die Gesamthöhe auf unter 13 Fuß (3962 mm) zu reduzieren.

Um die verschiedenen Umbauvarianten zu unterscheiden, nutzte die LNER bis zu vier Unterklassen, deren Bedeutung sich je nach Priorität mehrfach änderte. Anfangs bezogen sie sich nur auf die Größe der Schlepptender, später auf die Höhe der Lok, dann auf beide Merkmale zusammen und schließlich nur noch auf den Unterschied zwischen Heiß- und Nassdampflokomotiven.

Unterklassen der Q4
Zeitraum Klasse Q4/1 Klasse Q4/2 Klasse Q4/3 Klasse Q4/4
1923 – Dez.1924 3250-gal-Tender 4000-gal-Tender
Dez. 1924 – Dez. 1928 Über
13 Fuß (3962 mm)
Unter
13 Fuß (3962 mm)
Dez. 1928 – Dez. 1943 Über
13 Fuß (3962 mm),
4000-gal-Tender
Unter
13 Fuß (3962 mm),
4000-gal-Tender
Über
13 Fuß (3962 mm),
3250-gal-Tender
Unter
13 Fuß (3962 mm),
3250-gal-Tender
ab Dez 1943 Nassdampfkessel Heißdampfkessel
Commons: GCR-Klasse 8A / LNER-Klasse Q4 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. GCR/LNER Robinson "Q4" Class 0-8-0. In: BRDatabase. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
    1. Summary
  2. 0-8-0 Steam Locomotives in Great Britain: Great Central. In: steamlocomotive.com. Wes Barris, abgerufen am 17. November 2025 (englisch).
  3. The Robinson Q4 (GCR Class 8A) 0-8-0 Locomotives. In: LNER Encyclopedia. Abgerufen am 24. Dezember 2025.