Fronhofen (Rittergeschlecht)

Die Herren von Fronhofen, zunächst Fronhofer genannt, waren ein ursprünglich fränkisches Rittergeschlecht, das sich auch in Brandenburg entfaltete.[1]

Geschichte

Im Jahr 1405 ist ein Fronhof bei Lauf an der Pegnitz als bambergisches Lehen genannt. Wahrscheinlich vor dem Jahr 1470 gelangten die von Fronhofer (in Norddeutschland oft auch Fronhöfer genannt) in die Mark Brandenburg. Ein Lehen erhielten sie in Brandenburg aber erst im 16. Jahrhundert.[1]

Der älteste Stammherr der Familie war „Thezer Frowenhauer“,[1] im Jahr 1373 als Zeuge des Markgrafen Ottos belegt. Sein Sohn Hans hatte drei Kinder Jörg, Elisabeth (⚭ Heinz von Wiesenfelden) und Hans (⚭ Christina Seiboth von Rambach). Letzterer hatte eine Tochter Margarete (⚭¹ Weiprecht Virnheim von Gamberg; ⚭² Albrecht Zobel von Giebelstadt zu Guttenberg) einen Sohn Hans.[1]

Hans (Urenkel des ältesten Stammvaters Thezer) hatte zwei Söhne Martin († 1513) und Wollbrecht, von denen ersterer Stammvater des „fränkische[n] Haus[es]“[1] (fränkische Linie) ist und zweiterer Stammvater des „brandenburgische[n] Haus[es]“.[1] Eine um das 16. und 17. Jahrhundert im oberösterreichischen Walkering (vergleiche: Schloss Walkering) bei Vöklamarkt blühende Linie der Fronhofer mit dem Lilienwappen soll es laut Alois Weiß von Starkenfels gegeben haben.[2]

Wollbrecht heiratete vor 1467 Jutta Clara von der Liesch. Im Jahr 1486 war er mit seinem Sohn Hans im Kloster Heilsbronn bei der „Ehrenwachse“[1] bei der Beisetzung des Kurfürsten Albert Achilles von Brandenburg. Wollbrecht war kurbrandenburgischer Rat und 1. Hauptmann zu Oderberg.[1]

Sein Sohn Hans (* vor 1462; † 1515) war ebenfalls kurbrandenburgischer Rat. Er heiratete im Jahr 1481 Catharina, Tochter des Hans Joachim von Barnewitz auf Groß-Ziethen.[1] Sie hatten zwei Töchter Margarete und Catharina, und einen Sohn Christoph.[3]

  • Margarethe (* vor 1500 in Oderberg; † November 1566 in Badingen) war mit dem kurbrandenburgischen Rat und Hofmarschall Adam dem Älteren von Trott, unter anderem Erwerber von Badingen und Himmelpfort, verheiratet.[3]
  • Catharina heiratete den markgräflichen Rat und Hauptmann zu Saarmund, Jacob Schilling von Lahnstein auf Falkenberg, Sohn des Daniel Schilling von Lahnstein auf Nickenich, und einer geborenen von der Leyen.[3]
  • Christoph († vor 1536) war im Jahr 1505 kurbrandenburgischer Hauptmann zu Oderberg und hatte vor dem Jahr 1499 Clara Herrin zu Schwarzenberg (* vor 1485; † 1534), Hofjungfer der Kurfürstin Margarethe von Brandenburg, geheiratet.[3]
    • Er hatte einen Sohn Wollbrecht (* vor 1500; † um 1542), der im Jahr 1536 mit Stolzenhagen und Lunow belehnt wurde. 1536 bis 1540 ist er als Hauptmann zu Oderberg belegt, wo er im Jahr 1540 in Besitz „des alten Hofes zu Oderberg und des Kietz[3] kam. Er heiratete Magdalene, geborene von Falkenhagen. Wollbrecht hatte zwei Töchter Magdalena und Sofie, und einen Sohn Hans Christoph.[3]
      • Sofie (* vor 1540; † nach 1584) heiratete vor dem Jahr 1562 Arndt von Pfuel auf Löwenberg, Dannenberg und Steinbeck.[3]
      • Magdalena (* 1525) heiratete vor dem Jahr 1539 Hans von Sparr auf Trampe und Prenden.[3]
      • Hans Christoph (* vor 1519) war zwischen 1543 und 1593 kurbrandenburgischer Hauptmann zu Oderberg. Seine Ablösung in diesem Amt durch die Herren von Oppen verschafften ihm wahrscheinlich die Mittel zu seinen Bauten und der Errichtung zweier Rittersitze. Einen davon errichtete er widerrechtlich aus dem Schulzenhof in Stolzenhagen. Vor dem Jahr 1563 heiratete er Catharina Sophie von Sparr auf Tornow und Anna von Ramin. Sie hatten eine Tochter Magdalene und zwei Söhne Wilhelm und Hans Christoph.[3]
        • Magdalene (* um 1564; † vor 1580) heiratete im Jahr 1578 Joachim von Holzendorff auf Strehlow und Pinnow. Aus der jeweiligen Anzahl der Nachkommenschaft Wilhelms und Hans Christophs ergeben sich zwei neue Linien:[3]

1. Linie (Nachkommen Wilhelms)

Hans Christophs Sohn Wilhelm (* um 1566) war in den Jahren 1608 bzw. 1611 Herr auf Lunow und Stolzenhagen. Lunow verkaufte er 1613. Seit 1595 oder schon vorher war er verheiratet mit einer Tochter des Hans von Aschersleben auf Crussow.[3]

Er hatte zwei Töchter Sofie und Anna Margarethe, und drei Söhne Wilhelm, Anton und Heinrich.[4]

  • Sofie (* vor 1596; † 1640 in Cremmen) war in erster Ehe mit Joachim von Berg († vor 1611 auf Kleptov) verheiratet, in zweiter Ehe mit Joachim von Bredow (* um 1583; † 1639), Sohn des Alexander von Bredow und der Ilse von Arnim.[4]
  • Anna Margarethe (* vor 1606); heiratete Adam von Aschersleben auf Crussow und Polsen (Angermünde), Sohn des Ernst von Aschersleben und Elisabeth von Greifenberg.[4]
  • Wilhelm, genannt der Jüngere (* vor 1610; † vor 1675) heiratete eine Tochter des Mathias von Greifenberg und der Anna von Dewitz. Sie hatten eine Tochter Elisabeth und zwei Söhne Joachim Friedrich und Hans Christoph.[4]
    • Elisabeth heiratete Gebhard von Bredow, Sohn des Hans von Bredow des Älteren und der Barbara Sofia von Falkenberg.[4]
    • Joachim Friedrich, der mit Barbara Agnes von Redern, Tochter des Joachim von Redern und Barbara von Fabian, verheiratet war, erbte im Jahr 1697 von seinem Schwager Adam von Redern das Allodgut Beetz. Kinder sind keine überliefert.[4]
    • Hans Christoph (* um 1670; 8. September 1709) wurde „im Duell erstochen“.[4] Er war königlich preußischer Garde-Leutnant und verheiratet mit Judith Juliane von Redern (* 1684; † 1708). Sie hatten zwei Söhne Hans Christoph, der als Kleinkind verstarb, und Ludwig Friedrich (* 1706; † 1732), der im Jahr 1730 aufgrund von Kränklichkeit zugunsten von Erasmus Wilhelm von Redern sein Testament machte.[4]
  • Anton (* 1619; † 1679) heiratete im Jahr 1652 in Berlin Dorothea Tugendreich von Holzendorff. Sie hatten zwei Töchter Dorothea Hedwig (* 1653; ⚭ Hans Georg von Holzendorff) und Sophie Tugendreich (* 1676 auf Stolzenhagen; † 1728 auf Flemsdorf; ⚭ Hans Sigismund von Greifenberg, königlich preußischer Landesdirektor).[4]
  • Heinrichs Quellenlage ist inkonsistent, seine Zugehörigkeit zur Familie wohl nicht widerspruchsfrei. Er war kurbrandenburgischer Offizier in Wesel und hatte mit Catharina von Hell drei Kinder. Die zwei Töchter Adelheidis und Mechthildis waren nacheinander mit Wilhelm von Venediger verheiratet. Von Peter (* 25. Juni 1658 in Wesel) sind nur die Geburtsdaten überliefert.[4]

2. Linie (Nachkommen Hans Christophs)

Wilhelms Bruder Hans Christoph begründete das Haus Wolletz. Er heiratete Dorothea von Arnsdorf, die nachdem ihr einziger Bruder im Jahr 1641 in Polen verschollen war, Wolletz in die Ehe mitbrachte. Sie hatten eine Tochter Elisabeth und einen Sohn Anton.[3]

  • Elisabeth (* um 1650) war verheiratet mit Balthasar von Falkenberg, kurbrandenburgischen Hauptmann zu Liebenwalde (Zehdenick) auf Schönermark, Kuhweide und Glambeck.[4]
  • Anton (* vor 1467; † vor 1707) auf Wolletz war mindestens seit 1473 verheiratet mit einer Tochter des Hans Jürgen von Gloeden.[4] Sie hatten eine Tochter Luise Marie und zwei Söhne Hans Christoph und Carl Christoph.[5]
    • Luise Marie (* vor 1675) heiratete vor 1690 den Leutnant der Generalstaaten Christoph Friedrich von Wedel.[5]
    • Hans Christoph (* vor 1674; † nach 1737), seit 1708 auf Wolletz, das er 1737 in Abstimmung mit seiner Mutter und den Herren von Arnsdorf, verkaufte. Er erwarb 1709 Ferbitz (Osthavelland) und 1730 Karzov, im Jahr 1732 trat er seine Lehensrechte auf Stolzenhagen zugunsten derer von Holtzendorff ab. Aus seiner vor dem Jahr 1695 geschlossenen Ehe mit Ilsabe Agnes, Tochter des dänischen Generals Carl von Arnsdorf und der Ilsabe Agnes von Küssow sind keine Kinder bekannt.[5]
    • Carl Christoph (* um 1680; † nach 1736), saß bis 1737 auf Wolletz und um das Jahr 1732 auf Kerzow. Anno 1736 erwarb er auf Parmen (Boitzenburg) 1.200 Hektar Land von den Herren von Raven. Er war königlich preußischer Leutnant. Im Jahr 1726 heiratete er Sophie Amalie, Tochter des Balthasar von Sydow und der Sophie von Holtzendorff. Sie hatten zwei Kinder Hans und Sophie Elisabeth.[5]
      • Sophie Elisabeth (* um 1735; † 1790 in Prenzlau) heiratete den königlich preußischen Kapitän der 1. Infanterie.[5]
      • Hans (* vor 1730; † 1782) fiel als königlich preußischer Oberst im Infanterie Regiment Rothkirch. Zwischen 1774 und 1781 saß er auf Stegelitz (bei Tellow) und verkaufte im Jahr 1765 Parmen. Mit ihm erlosch sein Geschlecht im Mannesstamm. Er hatte mit Christiane Luise von Holtzendorff eine Tochter Amalie (* um 1766; † 1789), die dem königlich preußischen Rittmeister und Landrat Georg Ludwig von Sydow heiratete.[5]

In den letzten drei Generationen soll es noch einige in militärischen Diensten früh verstorbene Söhne derer von Fronhofen gegeben haben.[5]

Die Darstellung des Geschlechts in Siebmachers Wappenbuch von Gustav Adelbert Seyler (1906), weist keinen personellen Bezugspunkt zur Genealogie von Wolf Lüdeke von Weltzien (1991) auf. Lüdeke von Weltzien nannte lediglich den Stammvater Martin des fränkischen Hauses und dessen Vorfahren. Dieser Martin fehlt bei Seyler einschließlich seiner Vorfahren, stattdessen sind andere Personen der Familie von Fronhofen aus dieser Zeit genannt. Das Wappen wurde aber übereinstimmend dargestellt.[6]

Wappen

Blasonierung nach von Weltzien: Im von Silber und Schwarz gespaltenen Schild eine Lilie in gewechselten Farben.[1] Nach von Mülverstedt ist das Wappenbild ein „Rochen (Halblilie oder Turnierlanzenspitze) in verwechselten Tinkturen“.[7] Helmzier nach von Weltzien: die gespaltene Lilie (Wappenbild) „mit je einer Fauenfeder an der Spitze und den Seitenstücken“.[1] In der entsprechenden Abbildung bei Weltzien sind die Pfauenfedern im Widerspruch zum Text allerdings zu je dreien abgebildet (insgesamt 9).[1] So beschrieb auch von Mülverstedt die Helmzier: „die Spitze und die beiden Seitenstücke jedes mit 3 Pfauenfedern besteckt“.[7]

Gustav Adelbert Seyler zitierte aus verschiedenen Wappenbüchern (Weißbecker, Bassenheimer, Brentel) modifizierte Versionen dieses Wappens,[8] auch Alois Weiß von Starkenfels beschrieb ein individuelles Wappen (z. B. Schachmuster, Federbusch, Schrägstellung).[9] Johann Siebmacher,[10] Paul Fürst[11] und Horst Appuhn,[12] wobei letztere zwei die Abbildung des ersteren verwendeten, zeigten ein Wappen mit einer zwei- statt dreiblättrigen Lilie. Alle Abbildungen (auch die Vorherigen) haben einen „Fuß“ (Podest) unter der Lilie gemeinsam.

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l von Fronhofer 1421–1782 in: Wolf Lüdeke von Weltzien: Familien aus Mecklenburg und Vorpommern. Genealogien erloschener und lebender Geschlechter. Band 2. 1991. S. 123
  2. Fronhofer. In: Alois Weiß von Starkenfels, Johann Kirnbauer von Erzstätt: J. Siebmachers großes und allgemeines Wappenbuch: Oberösterreichischet Adel. Nürnberg 1904. S. 52
  3. a b c d e f g h i j k l von Fronhofer 1421–1782 in: Wolf Lüdeke von Weltzien: Familien aus Mecklenburg und Vorpommern. Genealogien erloschener und lebender Geschlechter. Band 2. 1991. S. 125
  4. a b c d e f g h i j k l von Fronhofer 1421–1782 in: Wolf Lüdeke von Weltzien: Familien aus Mecklenburg und Vorpommern. Genealogien erloschener und lebender Geschlechter. Band 2. 1991. S. 127
  5. a b c d e f g von Fronhofer 1421–1782 in: Wolf Lüdeke von Weltzien: Familien aus Mecklenburg und Vorpommern. Genealogien erloschener und lebender Geschlechter. Band 2. 1991. S. 129
  6. Fronhofer, v. Fronhofen. In: Gustav Adelbert Seyler: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch: Abgestorbener Bayerischer Adel, Teil 2. Nürnberg 1906. S. 42–43
  7. a b Fronhöfer in: Georg Adalbert von Mülverstedt, Adolf Matthias Hildebrandt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch: Der abgestorbene Adel der Provinz und Mark Brandenburg. Nürnberg 1880. S. 29, Tfl. 16
  8. Fronhofer, v. Fronhofen. In: Gustav Adelbert Seyler: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch: Abgestorbener Bayerischer Adel, Teil 2. Nürnberg 1906. S. 42–43; Tfl. 27.
  9. Fronhofer. In: Alois Weiß von Starkenfels, Johann Kirnbauer von Erzstätt: J. Siebmachers großes und allgemeines Wappenbuch: Oberösterreichischet Adel. Nürnberg 1904. S. 52, Tfl. 23
  10. v. Fronhofen in: Johann Siebmacher: New Wappenbuch. Nürnberg 1605. Tafel 114.
  11. v. Fronhofen in: Paul Fürst (Hrsg.): Deß Heiligen Römischen Reichs Erneuertes und vermehrtes Wappenbuch. Nürnberg 1657. Tafel 114.
  12. v. Fronhofen in: Horst Appuhn (Hrsg.): Johann Siebmachers Wappenbuch. (= Die bibliophilen Taschenbücher 538.), 2. verbesserte Auflage. Dortmund 1989. Tafel 114