Bornaische Straße

Bornaische Straße
Straße in Leipzig und Markkleeberg
Bornaische Straße in Connewitz (2025)
Basisdaten
Ort Leipzig und Markkleeberg
Ortsteil Connewitz, Lößnig, Dölitz-Dösen, Markkleeberg-Ost
Angelegt 1284 (Ersterwähnung)[1]
Neugestaltet 1770 (Ausbau zur Chaussee)[2]
Hist. Namen Fritz-Austel-Straße (1950–1991)
Anschluss­straßen Karl-Liebknecht-Straße, Franz-Etzold-/Auenhainer Straße
Querstraßen Bernhard-Göring-Straße, Prinz-Eugen-Straße, Liechtensteinstraße, Siegfriedstraße, Goethesteig, Leinestraße, Seenallee, Wachauer Straße und 30 weitere Straßen
Plätze Rembrandtplatz (Lößnig), Schillerplatz (Markkleeberg)
Bauwerke Connewitzer Kreuz, Österreicher-Denkmal Rembrandtplatz, Gethsemanekirche (Lößnig), Agra (Gelände)
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr, Straßenbahn
Technische Daten
Straßenlänge 4,8 km[3]

Die Bornaische Straße (gesprochen: Borna:ische Straße) ist eine Hauptverkehrsstraße in Leipzig und Markkleeberg, die durch drei Ortsteile[1] des Leipziger Stadtbezirks Süd und einen Ortsteil von Markkleeberg führt. Sie ist nach der Stadt Borna benannt[1], da sie in diese Richtung führt. Der Leipziger Teil der Straße hieß von 1950 bis 1991 Fritz-Austel-Straße[1], während der Teil in Markkleeberg auch zu dieser Zeit den Namen Bornaische Straße beibehielt.

Lage und Verlauf

Die Bornaische Straße beginnt am Connewitzer Kreuz, einer Kreuzung mit der Karl-Liebknecht-Straße, der Arno-Nitzsche-Straße, der Wolfgang-Heinze-Straße und der Kochstraße. Sie führt circa 4,8 km nach Süden[3] und endet kurz vor dem Markkleeberger See an einer Kreuzung mit der Franz-Etzold- und der Auenhainer Straße. Dabei durchquert sie die Leipziger Ortsteile Connewitz, Lößnig und Dölitz-Dösen sowie den Markkleeberger Ortsteil Markkleeberg-Ost. Zwischen Seenallee und Wachauer Straße in Markkleeberg fungiert die Bornaische Straße als Sächsische Staatsstraße 46.

Die Bornaische Straße folgt teilweise einer sehr alten Wegeführung. Schon deshalb ist sie nicht schnurgerade. Das ist insbesondere im Bereich der Ortslage Dölitz auch heute noch gut zu erkennen[2].

Der Abschnitt in Connewitz ist rund 1400 m lang, der in Lößnig rund 600 m, der in Dösen-Dölitz rund 1500 m und der in Markkleeberg rund 1300 m.

Geschichte

Historisch war die Bornaische Straße von Leipzig nach Borna Teil der alten Handelsstraße „Via Imperii“, die bereits 1284 in einer Urkunde Rudolfs von Habsburg erwähnt wird[1]. Der Ausbau zur Chaussee im Jahre 1770 bedeutete, dass die Bornaische Straße als Sand- und Kiesdamm ohne Unterbau angelegt wurde, der mit Handwalzen befestigt wurde[2]. 1817 wurde sie nach Bau einer neuen überregionalen Straße von Magdeborn über Wachau nach Probstheida zum Vicinalweg herabgestuft[2]. Sie wurde Eigentum der an ihr liegenden Dörfer und diente bereits vor der Eingemeindung nach Leipzig (1891) als Verbindung der vier Dörfer Dösen, Dölitz, Lößnig und Connewitz[4].

Ab dem 26. Oktober 1898 wurde die Bornaische Straße schrittweise auch zu einer Straßenbahntrasse. Zunächst fuhr die Straßenbahn vom Connewitzer Kreuz bis zur Meusdorfer Straße, ab dem 30. November 1899 bis Lößnig, ab 1900 bis zum Straßenbahndepot Dölitz[5] und ab dem 1. April 1924 bis Markkleeberg-Ost[2]. In der DDR-Zeit wurde die Straßenverbindung nach Borna kurz hinter Markkleeberg-Ost durch den Braunkohle-Tagebau Espenhain unterbrochen. Durch Flutung des Tagebaurestloches von 1999 bis 2006 entstand der Markleeberger See.

Bebauung und Ortscharakter

In Connewitz

Vom Connewitzer Kreuz aus verläuft die Bornaische Straße zunächst in südöstlicher Richtung, um dann in einem langgestreckten Bogen in südliche Richtung einzuschwenken. Sie wird auf beiden Seiten von einer Blockrandbebauung begleitet, die überwiegend in den Jahren der Gründerzeit entstand. Auf Höhe der Hausnummer 3c ist eine Handschwengelpumpe aus jener Zeit erhalten und steht unter Denkmalschutz.

Lücken wurden nach 1990 mit Neubauten gefüllt. Die Häuser dienen in erster Linie dem Wohnen, wobei die Bornaische Straße auf den ersten 500 Metern vom Connewitzer Kreuz außerdem als Geschäftsstraße charakterisiert wird[4]. 2017 wird konstatiert, dass sich in vielen Ladenlokalen inzwischen Imbisse und Restaurants angesiedelt haben, so dass sich Gastronomie und Handel nunmehr in etwa die Waage halten[4]. Wo sich im 19. Jahrhundert noch der Pappelteich am aufgestauten Trenkengraben befand, ist jetzt ein kleiner öffentlicher Park. Auch ein Seniorenheim und die Louise-Otto-Peters-Schule (ein Gymnasium) liegen direkt an der Bornaischen Straße.

Diese führt schließlich über die Bornaische Brücke aus Connewitz hinaus und erreicht Lößnig. Die Bahnanlagen unter der Brücke bilden die Grenze zwischen den Ortsteilen. Noch auf der Connewitzer Seite befindet sich direkt neben der Straße eine Wendeschleife der Straßenbahn mit Zugang zum Bahnhof Connewitz.

In Lößnig

Die Ortslage Lößnig liegt deutlich tiefer, so dass die Straße, aus Connewitz kommend, nach der Brücke auf einer langen Rampe nach unten führt. Auf der östlichen Seite liegt der grüne Rembrandt-Platz mit dem Österreicher-Denkmal, das an die Völkerschlacht erinnert, während auf der westlichen Seite ein Kraftwerkstandort der Stadtwerke zu finden ist. Wo sich früher einmal ein Kohlekraftwerk befand, wurde von den Leipziger Stadtwerken Anfang der 2020er Jahre ein neues Heizkraftwerk errichtet. Der Wärmespeicher ist mit einer Höhe von 60 Metern und einem Durchmesser von 30 Metern ein sehr dominantes Bauwerk[6]. Um die Abwärme zu nutzen, ist der Bau eines Hallenbades geplant.

An der Kreuzung mit der Siegfriedstraße und der Raschwitzer Straße, im Volksmund "Am Stern" genannt, liegt auf der westlichen Seite etwas versteckt die Gethsemane-Kirche und erinnert an den Standort des früheren Dorfes Lößnig. Der "Stern" ist heute eine Geschäftslage mit einem Rewe-Markt, einigen weiteren Geschäften und Gastronomiebetrieben. Ansonsten wird die Bornaische Straße in Lößnig durch mehrgeschossige Wohnsiedlungen aus verschiedenen Phasen des 20. Jahrhunderts geprägt. Zudem waren die Dörfer des „Leipziger Pleißelands“ (Sammelbegriff für Connewitz, Lößnig und Dölitz-Dösen) bei wohlhabenden Leipziger Bürgern beliebt, die hier seit dem 18. Jahrhundert repräsentative Landsitze errichteten. Beispielsweise führt die Bornaische Straße am Limburger Park vorbei, der für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.

In Dölitz

Der Übergang nach Dölitz erfolgt unmerklich, nur an dem kurvigen Verlauf der Bornaischen Straße wird deutlich, dass sich hier eine alte Ortslage befindet. Mehrgeschossige Bebauung aus der Gründerzeit mischt sich mit Häusern im kleineren Format, an denen die dörfliche Geschichte mit Nutzungen wie Schmiede oder Gasthof ablesbar ist. Viele Häuser stehen unter Denkmalschutz, einige harren noch ihrer Sanierung. Auffällig ist die Hausnummer 172a, wo ein schlichter Neubau in eine alte Fassade förmlich hineingebaut wurde.

An der Kreuzung der Bornaischen Straße mit der Leinestraße erinnert der Apelstein #34 an Ereignisse der Völkerschlacht. Auf der anderen Straßenseite befindet sich eine Altenpflegeeinrichtung. Kurz vor dem Ende des Leipziger Stadtgebietes ist die Bebauung auf beiden Seiten sehr großformatig: auf der östlichen Seite der Komplex des 2016 modernisierten Straßenbahnhofes Dölitz[7], auf der westlichen Seite das frühere Agra-Ausstellungsgelände, heute genutzt für Veranstaltungen unterschiedlicher Art, zum Beispiel für das alljährliche Wave-Gotik-Treffen.

In Markkleeberg-Ost

An der Grenze zwischen Leipzig und Markkleeberg, die durch Ortseingangs- und -ausgangsschilder gut zu erkennen ist, ändert sich der Straßenquerschnitt. Die vorher zweigleisige Straßenbahntrasse wird eingleisig (ebenso wechselt die Tarifzone des Nahverkehrs). In Markkleeberg-Ost steht ein denkmalgeschützter Ganzmeilenstein an der Straße, der eine Entfernung von 1,00 Meilen[8] nach Leipzig und von 1,28 Meilen nach Rötha anzeigt.

Die Bebauung ist aufgelockert, changiert zwischen Einfamilienhäusern und freistehenden mehrstöckigen Gründerzeithäusern. Nach etwa einem Kilometer wird die Endstelle der Straßenbahn auf dem Schillerplatz (neben der Bornaischen Straße) erreicht. Westlich neben der Straße befand sich das Dorf Markkleeberg, was an der Bausubstanz durchaus noch zu erkennen ist.

Die Hauptverkehrsführung erfolgt kurz 100 Meter vor dem Ende der Bornaischen Straße nach Osten in die Wachauer Straße. Seit der Schaffung des Markkleeberger Sees endet die eigentliche Bornaische Straße an einer Terrasse mit Blick über den See und Zugang zur Seepromenade.

Öffentlicher Nahverkehr

Auf der Bornaischen Straße verkehren die Straßenbahnlinien 11 auf ganzer Länge und die 9 im nördlichen Teil. Die Endhaltestelle Markkleeberg-Ost befindet sich am Schillerplatz kurz vor dem südlichen Ende der Bornaischen Straße. Im ganzen Verlauf der Bornaischen Straße gibt es noch neun weitere Straßenbahnhaltestellen. Eine Verknüpfung mit der S-Bahn Mitteldeutschland und der Buslinie 79 ist an der Straßenbahnhaltestelle S-Bf. Connewitz / Klemmstraße mit dem Bahnhof Leipzig-Connewitz gegeben.

Der Markkleeberger See ist fußläufig von der Endstelle der Straßenbahn zu erreichen. Noch dichter an den See heran fährt die Buslinie 106.

Hausnummern und Postleitzahlen

Die Nummerierung der Hausnummern beginnt am Connewitzer Kreuz mit den ungeraden Zahlen auf der östlichen und den geraden Zahlen auf der westlichen Straßenseite. Die höchste gerade Hausummer ist die 210 für das Agra-Gelände und die höchste ungerade die 257a für das letzte Haus vor der Stadtgrenze zwischen Leipzig und Markkleeberg. Die Straße geht an dieser Stelle einfach weiter, aber die Nummerierung beginnt auf Markkleeberger Gebiet wieder von vorn. Die höchste Hausnummer auf Markkleeberger Gebiet ist die 122.

Die Postleitzahl lautet im Connewitzer Straßenabschnitt 04277, in den Ortsteilen Lößnig und Dölitz-Dösen 04279 und im Markkleeberger Straßenabschnitt 04416.

Sonstiges

Siehe auch

An der Bornaischen Straße befinden sich zahlreiche Baudenkmale, im einzelnen aufgelistet auf folgenden Seiten:

Commons: Bornaische Straße (Leipzig) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b c d e Bornaische Straße - Stadt Leipzig. In: leipzig.de. Stadt Leipzig, abgerufen am 28. Oktober 2025.
  2. a b c d e Horst Immisch: Die Bornaische - eine Straßenbekanntschaft. In: Pro Leipzig (Hrsg.): Im Leipziger Pleisseland. Connewitz - Lößnig - Dölitz. Passage-Verlag, Leipzig 1996, ISBN 3-9804313-4-7, S. 111–113.
  3. a b gemessen mit Google Maps
  4. a b c Anna Heinze: Abgefuckte Herzlichkeit. Hood Check: Bornaische Straße. In: urbanite.net. 24. Juli 2017, abgerufen am 28. Oktober 2025.
  5. Dave Tarassow: Straßenbahnhof Dölitz. In: leipziger-industriekultur.de. 12. Februar 2018, abgerufen am 28. Oktober 2025.
  6. Wärmespeicher Leipzig. In: metaarchitektur.de. Abgerufen am 3. November 2025.
  7. Neuer Straßenbahnhof in Leipzig-Dölitz wird in Betrieb genommen. In: radioleipzig.de. 15. Juni 2016, abgerufen am 3. November 2025.
  8. 1 sächsische Meile entspricht 7,5 Kilometern.
  9. Uta Grundmann: Autonome Kunst in der DDR. Die Galerie Eigen+Art. Bundeszentrale für politische Bildung, 6. September 2012, abgerufen am 4. November 2025.
  10. Sabine Knopf: Wo Hitler König ist, ist für mich kein Platz. Ein Deutschlandbesuch Antoine de Saint-Exupérys im Jahr 1939. In Leipziger Blätter, Heft 60, 2012, ISSN 0232-7244, S. 67–69.

Koordinaten: 51° 17′ 49″ N, 12° 23′ 8″ O