Friedrich Keller (Templer)
Friedrich Keller (* 20. September 1838 in Neuweiler; † 3. Dezember 1913 in Haifa) war von 1878 bis 1908 deutscher Vizekonsul in der Templerkolonie (hebräisch הַמּוֹשָׁבָה הַגֶּרְמָנִית haMōschavah haGermanīt, deutsch ‚die Deutsche Siedlung/Niederlassung‘) in Haifa.
Keller erlernte den Metzgerberuf in Calw. 1862 wurde er Anhänger der Templerbewegung und erhielt ab 1863 auf dem Kirschenhardthof eine Evangelistenausbildung. Nach vier Jahren Aufenthalt in der Schweiz als Evangelist und Metzger, zog er mit seinem Schulfreund Friedrich Proß im Mai 1868, auf eigene Rechnung und Gefahr, nach Beirut.
Im Herbst 1868 heiratete Keller seine Cousine Katharina Krafft aus Oberkollwangen. Die Trauung zelebrierte Christoph Hoffmann, Mitbegründer der Tempelgesellschaft und früheres Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung.
Nachdem das Ehepaar Keller 1869 in Haifa im osmanisch-galiläischen Eyâlet Sidon einen Bauplatz erworben und ein Wohnhaus errichtet hatte, begann Friedrich Kellers Aufstieg vom Metzgergesellen zum Kaiserlichen Vizekonsul. Diese Position bekleidete er erfolgreich von 1878 bis 1908. Sein Hauptverdienst war, nach langem Streit mit den osmanischen Behörden und den Karmeliten, die Ausdehnung der Templerkolonie um eine Viertel von Sommerhäusern namens Carmelheim auf den Berg Karmel. Dort erbaute er 1887 eines der ersten Sommerhäuser, heute Beit Keller genannt, das ab 1888 Bertha von Bannwarth, Mäzenatin der Templerkolonie Haifa die den Landerwerb auf dem Berg vorfinanziert hatte, bewohnte. Im Volksmund hieß der Bau daher auf arabisch قَصْرُ السِّتِّ, DMG Qasr al-Sitt ‚Schloss der Dame‘. Von 1888 an zählte Haifa zum neuen osmanisch-libanesischen Vilâyet Beirut.
Am 25. Oktober 1898 empfingen Wilhelm II., Deutscher Kaiser, und Gattin Auguste Viktoria zum Auftakt ihrer Reise durchs Heilige Land Vizekonsul Friedrich Keller auf der SMS Hohenzollern.[1.1] Tags darauf empfing Keller das Kaiserpaar im deutschen Konsulat Haifa in Gegenwart örtlicher Honoratioren wie Lehrer Friedrich Lange (1840–1923), Oberhaupt der deutschen Kolonie, der Konsul das Kaiserpaar zu einer Rundfahrt durch Templerkolonie und Carmelheim begleitete, wo die Gäste am Ende der Hauptstraße Carmelheims den Ausblick auf Haifas Viertel an der See und die Bucht von Haifa genossen. In Erinnerung an diese kaiserliche Ausfahrt gestalteten interessierte Bewohner von Carmelheim und Templerkolonie den Aussichtspunkt zum Kaiser-Wilhelm-Platz um und errichteten einen Obelisk zum Andenken an den Kaiserbesuch.[1.2]
Nachdem Bannwarth 1903 nach Deutschland gezogen war, nutzte Keller das Sommerhaus selbst. Friedrich Keller starb am 3. Dezember 1913 in Haifa. Das Sommerhaus erwarb dann 1918 Jitzchaq Goldberg (1860–1935). Ihm zu Ehren heißt die Straße, an der das Sommerhaus liegt, Rechov Keller (רְחוֹב קֶלֶּר Rəchōv Keller, deutsch ‚Kellerstraße‘).
Das alte Sommerhaus, die Nr. 2 im Rechov Keller, in Haifa trägt ihm zu Ehren seit 1993 den Namen Beit Keller (בֵּית קֶלֶּר Bejt Keller, deutsch ‚Haus Keller‘) und dient als Sitz des Gottlieb-Schumacher-Instituts der Universität Haifa. Ebenfalls nach ihm benannt wurde die „Keller-Haus-Stiftung“ in Stuttgart, die der finanziellen Unterstützung des „Gottlieb-Schumacher-Instituts“ dient.
Literatur
- Fritz Barth, Templer und andere Erweckungsbewegungen im nördlichen Schwarzwald und weit darüber hinaus. 2. Auflage, Selbstverlag, 2004
- Alex Carmel (אַלֶכְּס כַּרְמֶל), Die Siedlungen der württembergischen Templer in Palästina 1868-1918: Ihre lokalpolitischen und internationalen Probleme, [התיישבות הגרמנים בארץ ישראל בשלהי השלטון הטורקי: בעיותיה המדיניותהמקומיות והבינלאומיות, Jerusalem: o. V., 5730; deutsch], Perez Leschem (Übs.), (=Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg; Reihe B, Forschungen, Band 77), Stuttgart: Kohlhammer, 31997, ISBN 3-17-016788-X
- Alex Carmel, Geschichte Haifas in der türkischen Zeit 1516–1918, [תּוֹלְדֹוֹֹת חֵיפָה בִּיְמֵי הַתּוּרְכִּים, Haifa: הוצאת הספרים של אוניברסיטת חיפה, 1969; deutsch], Clara Zellermeyer (Übs.), (=Abhandlungen des Deutschen Palästinavereins; Bd. 3), Wiesbaden: Harrassowitz, 1975, S. 149. ISBN 3-447-01636-1.
- Yaron Perry, Schwäbische Kolonisten erobern Berg – Erinnerungen von Fritz Keller, 'König des Karmel' in Palästina". In: Beiträge zur Landeskunde von Baden-Württemberg. Heft 2 (April 2001)