Free Music (1975–1988)
| Free Music (1975–1988) | |
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| Kompilation von WIM Fanfare | |
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Veröffent- |
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Aufnahme |
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| Label(s) | Cortizona |
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Format(e) |
LP, Download |
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Titel (Anzahl) |
7 |
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56:31 | |
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Besetzung |
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Aufnahmeort(e) |
Antwerpen |
Free Music (1975–1988) ist ein Musikalbum des Ensembles WIM Fanfare. Die zwischen 1975 und 1988 in Antwerpen entstandenen Aufnahmen erschienen erstmals 1990 als Beilage der Kunstzeitschrift Deus ex Machina unter dem Titel WIMproveen im Eigenverlag.[1] In remasterter und überarbeiteter Form wurden die Aufnahmen am 26. September 2025 unter neuem Titel auf dem Label Cortizona Heritage wiederveröffentlicht.
Hintergrund
Die Werkgroep Improviserende Musici (Werkstatt für improvisierende Musiker; WIM) wurde 1973 in Antwerpen als Musikervereinigung gegründet – nachdem Fred Van Hove und Cel Overberghe sich 1972 geweigert hatten, bei Jazz Middelheim aufzutreten, wobei sie auf die eklatanten Honorarunterschiede zwischen europäischen und amerikanischen Musikern auf derselben Veranstaltung reagierten. Stattdessen riefen die WIM-Mitglieder ihre eigene Veranstaltung ins Leben: das Festival Free Music, das im selben Jahr in Antwerpen erstmals durchgeführt wurde.
Quasi als Ableger der WIM entstand WIM Fanfare, die 1975 vom Pianisten und Improvisator Fred Van Hove, dem Tenorsaxophonisten Cel Overberghe, dem Altsaxophonisten André Goudbeek und dem Schlagzeuger Ivo Vander Borght gegründet wurde. Durch die Verbindung der Ausgelassenheit einer Marschkapelle mit der Unberechenbarkeit freier Improvisation brachte WIM Fanfare raue, fröhliche musikalische Anarchie auf Stadtplätze, Paraden und vor ahnungslose Zuschauer – insbesondere während des Festival Free Music, wo sie zur Tradition wurden, hieß es in den Liner Notes.
Das 1973 erstmals von der Werkgroep Improviserende Musici durchgeführte Festival Free Music fand bis 1988 jährlich parallel zu Jazz Middelheim statt und zog sowohl lokale Improvisationsmusiker und Free-Jazz-Praktizierende als auch ein internationales Publikum an, notierte Fran Kursztejn. Abgesehen von den Künstlern selbst war das Festival an keine Labels, Verlage oder Veranstalter gebunden. „Die Bands strömten in die altertümlichen Straßen Antwerpens, auf Stadtplätze, in öffentliche Parks und an andere Orte im gesamten Stadtgebiet. Keine Konzertsäle, keine Restaurants, keine Bars, nur ein verdutztes Publikum, das seinem Alltag nachging und von Van Hoves rauen Akkordeontrillern, Kris Vincks dröhnender Posaune oder Goudbeeks ätzendem Altsaxophon-Krächzen überwältigt wurde.“[2]
Die Aufnahmen auf Free Music (1975–1988) erschienen erstmals 1990 als Audiokassettenbeilage zum Kunstmagazin Deus ex Machina. Für die erste Vinyl-Veröffentlichung von WIM Fanfare im Jahr 2025 wurden diese Aufnahmen aus Van Hoves umfangreichem persönlichen Live-Archiv vollständig restauriert und neu gemastert. Das Album erschien mit einem neu gestalteten Artwork, einer Innenhülle und einem Cover mit bisher unveröffentlichten Fotografien von Gérard Rouy sowie einer Beilage mit einer Originalzeichnung von WIM Fanfare, die das Gründungsmitglied Cel Overberghe Mitte der 1970er-Jahre anfertigte. Die Liner Notes, zusammengestellt aus Archiv-Pressematerialien, Interviews und Van Hoves eigenen Tonband-Aufnahmen, ergänzen den historischen Kontext.
Titelliste
- Fred Van Hove: WIM FANFARE – Free Music (1975 – 1988) (Cortizona Heritage CH001/2025)[3]
- Prijs 75 (Fred Van Hove) 11:29
- Vrijloop (André Goudbeek) 3:39
- FM 84 (Fred Van Hove) 13:53
- Leer mij zingen (André Goudbeek) 12:25
- Gutcha (André Goudbeek) 2:39
- Piket (Fred Van Hove) 6:32
- FM 88 (Fred Van Hove) 5:54
Besetzung und Aufnahmedaten
- WIM fanfare – Prijs 75 – Akkordeon: Fred Van Hove, Marc Denhaene, Baritonsaxophon: Leo Coomans, Schlagzeug: Ivo Vander Borght, Tenorsaxophon: Cel Overberghe, Edwin Serneels, Peter Reynaers, Posaune: Kris Vinck, aufgenommen im King Kong, Antwerpen, Free Music 75, 11. August 1975.
- WIM fanfare – Dear Me – Posaune: Kris Vinck, Saxophone: André Goudbeek, Peter Reynaers, Leo Coomans, Perkussion: Ronny Dusoir, Ivo Vander Borght. Aufgenommen im Steen, Antwerpen, möglicherweise 1976.[4] Das Stück ist nicht Teil der Neuausgabe von 2025.
- WIM-Fanfare – Vrijloop – Akkordeon: Marc Denhaene, Altsaxophon: André Goudbeek, Baritonsaxophon: Leo Coomans, Flöte: Stef Geysels, Schlagzeug: Fred Van Hove, Ivo Vander Borght, Tenorsaxophon: John Ruocco, Paul Vlaminck, Peter Reynaers, Posaune: Kris Vinck, Trompet: Richard Cuvillier. Aufgenommen am Conscienceplein, Antwerpen, August 1977.
- Wim Fanfare Trio – FM 84 – Akkordeon: Fred Van Hove, Schlagzeug: Ivo Vander Borght, Tenorsaxophon: Paul Vlaminck.
- Wim Fanfare Orkest – Leer mij zingen – Akkordeon: Fred Van Hove, Altsaxophon: André Goudbeek, André Goudbeek, Schlagzeug – Dirk Wauters, Ivo Vander Borght, Mike Goyvaerts, Sopransaxophon: Herman Paessens, Tenorsaxophon: Luc Mishalle, Paul Vlaminck. Aufgenommen im King Kong, Free Music 84, 10. August 1984.
- Wim Fanfare Orkest – Gutcha – Akkordeon: Fred Van Hove, Altsaxophon: André Goudbeek, Schlagzeug: Dirk Wauters, Ivo Vander Borght, Sopransaxophon: Herman Paessens, Tenorsaxophon: Hugo Vermeulen, Luc Mishalle, Paul Vlaminck. Aufgenommen im Raamteater, Zuiderconcerten, 14. April 1987.
- Wim Fanfare Orkest – Piket – Akkordeon: Fred Van Hove, Altsaxophon: André Goudbeek, Schlagzeug: Dirk Wauters, Ivo Vander Borght, Sopransaxophon: Herman Paessens, Tenorsaxophon: Hugo Vermeulen, Luc Mishalle, Paul Vlaminck. Aufgenommen im Raamteater, Zuiderconcerten, 14. April 1987.
- Wim Fanfare Orkest – FM 88 – Akkordeon: Fred Van Hove, Altsaxophon: André Goudbeek, Schlagzeug: Mike Goyvaerts, Ronny Dusoir, Sopransaxophon: Herman Paessens, Tenorsaxophon: Hugo Vermeulen, Luc Mishalle, Paul Vlaminck. Aufgenommen im Monty, Antwerpen, Free Music 88, 5. August 1988.
Rezeption
Nach Ansicht von Fran Kursztejn, der das Album in All About Jazz rezensierte, ist das Festival Free Music des WIM (Workshop for Improvising Musicians) in der Jazzgeschichte Belgiens zwar in Vergessenheit geraten, sei trotz seiner Unbekanntheit nicht weniger spektakulär. Van Hove und seine Mitstreiter hätten eine Musik erfunden, die sich weder von den Interpreten noch von der Stadt, ja nicht einmal vom Moment ihrer Aufführung trennen ließ; eine Musik, die „immun gegen den gierigen Vampirismus der Musikproduzenten“ war. Leider habe dies auch bedeutet, dass den heutigen Hörern bisher nur sehr wenige Aufnahmen zur Verfügung standen, um ihren Appetit anzuregen. In remasterter Form biete das Album von WIM Fanfare einen unschätzbaren Einblick in die lokale Revolution der Gruppe, einschließlich eines Auftritt der ursprünglichen Gruppierung im Jahr 1975.[2]
Jeder Track würde nach Straße riechen; „das dröhnende, expressionistische Akkordeon, das zwischen blechernen Schlägeln dahintönt, schmeckt nach klatschenden Käsebruchstücken und öligen Krapfen, Goudbeeks anzügliche Töne erinnern an das erdige Krächzen der Slogans der Händler“, so Kursztejn weiter. Die Darbietungen würden sich auf der Grenze zwischen Lächerlichkeit und Karnevaleskem bewegen, und sobald sie diese Grenze bemerken, überträfen sie sie eifrig. Märsche, Rags, Jigs, Polkas und mehr, alles werde mit gleicher Inbrunst dargeboten. Eine ganze Geschichte der Volksmusik des 20. Jahrhunderts werde nachgespielt, teils grandiose Prozession, teils verrückte Farce. Die Bahnen des Erhabenen und des Groben lägen eng beieinander, prallen aufeinander und vermischen sich wie Meteore, die auf die Erde zusteuern. Nichts sei heilig, oder vielleicht doch alles; die beiden Klippen des Tiefsinnigen und Profanen blicken in denselben wahnsinnigen Abgrund. Die wahre Revolution der Gruppe habe aber darin bestanden, so Kursztejn resümierend, die Künstler von der Tyrannei ihrer Oberherren [d. h. den Produzenten und Veranstaltern] zu befreien und sie zu den Menschen und Gemeinschaften zurückzubringen, die ihre Identität geprägt haben.[2]
Weblinks
- WIM FANFARE - Free Music (1975 -1988). In: Bandcamp. 26. September 2025 (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ WIMproveen. In: Discogs. Abgerufen am 1. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ a b c Fran Kursztejn: Fred Van Hove: WIM FANFARE - Free Music (1975 -1988). In: All About Jazz. 2. Oktober 2025, abgerufen am 4. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Fred Van Hove: WIM FANFARE - Free Music (1975 -1988). In: Discogs. Abgerufen am 3. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Tom Lord The Jazz Discography (online, abgerufen am 30. September 2025)