Die Frauenwörther
Die Frauenwörther waren eine Künstlervereinigung in der Tradition der Künstlerkolonie Frauenchiemsee, die zwischen 1920 und 1960 Kunstausstellungen insbesondere in der Torhalle auf Frauenchiemsee organisierte.
Geschichte
Als Begründer der Künstlerkolonie auf der auch als Fraueninsel oder Frauenwörth bezeichneten Insel Frauenchiemsee gilt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Münchner Max Haushofer. Er brachte zahlreiche Künstlerkollegen wie Christian Ruben und Franz Roubaud mit auf die Insel. 1869 besuchte der gebürtige Darmstädter Karl Raupp (1837–1918) erstmals Frauenchiemsee und wurde später als „Chiemsee-Raupp“ bekannt. Auf der Insel verfasste er sein Handbuch der Malerei (4. Auflage 1904) und war mit Franz Wolter (1865–1932) Herausgeber der 1918 veröffentlichten Künstlerchronik von Frauenchiemsee.[1]
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Malertradition am Chiemsee noch einmal erneuert. Im Jahr 1920 wurde, anknüpfend an die lange Tradition der Künstlerkolonie auf der Fraueninsel, der Gedanke geboren, erstmals auch auf der Insel selbst Kunstausstellungen zu veranstalten. „Die Frauenwörther“ eröffneten ihre erste Ausstellung am 15. Mai 1921 in der karolingischen Torhalle auf der Fraueninsel. Die Idee stammte von den Malern Hiasl Maier-Erding (1894–1933), Thomas Baumgartner (1892–1962) und Constantin Gerhardinger (1888–1970).[2] Es kamen weitere Aussteller hinzu, beispielsweise Rudolf W. Gröschel (1891–1985), Clara von Bayern (1874–1941), Hermann Groeber (1865–1935), Alfred Haushofer (1872–1942), Anton Müller-Wischin (1865–1949), Josef Wopfner (1843–1927) und Albert Stagura (1866–1947). 1928 wurde auf der Insel die Hundertjahrfeier der Künstlerkolonie gefeiert. Hiasl Maier-Erding starb 1933 mit 38 Jahren, was vor der Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten bewahrte. Die „Frauenwörther“ Künstlervereinigung bestand nach dem Tod ihres Gründers aber weiter. Baumgartner stellte bis 1944 im Haus der Deutschen Kunst aus und wurde 1943 zum Professor ernannt, wie auch Gerhardinger, der aber 1943 in Ungnade fiel. Müller-Wischin ist 1944 in der Gottbegnadeten-Liste des NS-Propagandaministeriums aufgeführt. Maler aus dem Umfeld der Gruppe wie Hermann Euler (1900–1970), Daisy Campi (1893–1979) und Heinrich Heidner (1876–1974) verweigerten sich dagegen dem nationalsozialistischen Kunstbegriff. Die Bilder von Karl Caspar (1879–1956) wurden sogar in der Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt.[3]
Nach dem Zweiten Weltkrieg fand zwischen 15. Juni und 15. Oktober 1946 wieder eine Frauenwörther'- Gemäldeausstellung auf der Fraueninsel im Chiemsee statt. Die Ausstellungstätigkeit endete erst im Jahr 1960, als die karolingische Torhalle restauriert wurde und für Ausstellungen der Künstlerkolonie zu deren großem Bedauern nicht mehr zur Verfügung stand. In der Torhalle ist heute eine Dauerausstellung der Archäologischen Staatssammlung eingerichtet.[4]
Literatur
- Franz Gailer: Der Chiemsee, ein Malerparadies. Glanzstücke aus dem 20. Jahrhundert. Ausstellung vom 9. Mai bis 17. Oktober 1999.
- Hiasl Maier-Erding, sein Leben und sein Werk 1894–1933 Verlag Prien am Chiemsee, 1983
- Die Frauenwörther. Gründungszeit 1920–1925. Ausstellung vom 24. Mai bis 28. September 1980 in der Torhalle auf Frauenchiemsee
Einzelnachweise
- ↑ Karl Raupp, Franz Wolter (Hrsg.): Der Künstlerchronik von Frauenchiemsee. 2., vermehrte Auflage. F. Bruckmann, München 1924, OCLC 35575870.
- ↑ Fritz Aigner: Die Frauenwörther. Gründungszeit 1920-1925. Ausstellung Torhalle auf Frauenchiemsee (1980).
- ↑ Hans Kratzer: Ausstellung in Prien: Künstlerkreis im Zwielicht. In: Süddeutsche Zeitung. 17. Oktober 2022, abgerufen am 2. Januar 2026.
- ↑ Karl Raupp, Franz Wolter (Hrsg.): Der Künstlerchronik von Frauenchiemsee. 2., vermehrte Auflage. F. Bruckmann, München 1924, OCLC 35575870.