Torhalle (Kloster Frauenchiemsee)

Die Torhalle Frauenchiemsee ist die erhalten gebliebene karolingische Vorhalle des alten Klosters Frauenchiemsee auf der Fraueninsel im Chiemsee. Es zählt zu den ältesten erhalten gebliebenen Gebäuden Bayerns.

Geschichte

Das Kloster Frauenchiemsee wurde der örtlichen Überlieferung zufolge von Herzog Tassilo III. und Liutberga von Bayern gegründet und am 1. September 782 zusammen mit der Klosterkirche geweiht. Dieses Gründungsdatum wurde in der Forschung lange als falsch und zu früh betrachtet, inzwischen gilt es nach historischen und archäologischen Untersuchungen wieder als korrekt.[1]

Die erhalten gebliebene karolingische Vorhalle war schon Bestandteil der alten Klosteranlage unter Tassilo. In ihrem Obergeschoss befindet sich ein repräsentativer Raum, der ursprünglich mit einem kostbaren, aus dem Mittelmeerraum importierten Steinfußboden ausgekleidet war und als Repräsentationsbau des Klosterstifters diente. Die Anlage könnte beispielsweise zur Rechtsprechung durch den bayerischen Herzog oder eines seiner Vertreter errichtet worden sein. Das Erdgeschoss der Torhalle beherbergte neben der im Zentrum gelegenen Durchfahrt ins Kloster ab dem 11. Jahrhundert im Ostraum eine Kapelle des heiligen Nikolaus von Myra.[2]

Dort wurden im Jahr 1928 unter später angebrachtem Wandputz fünf unvollständig erhaltene Wandmalereien von Erzengeln gefunden, deren Anfertigung in die Gründungszeit des Klosters datiert wird und deren Künstler Anregungen aus der byzantinischen Kunst erhalten hatte. Die Malereien wurden nie völlig fertiggestellt, wohl weil Tassilo wenige Jahre nach Gründung des Klosters abgesetzt wurde und sich anschließend kein Finanzier für die Fertigstellung fand. Wohl ab dem Hochmittelalter war das Obergeschoss eine Kapelle des heiligen Michael und erfuhr bis in die Neuzeit diverse Renovierungen und Umbauten. Die Torhalle wurde als Schule und von 1920 bis 1960 als Künstlerausstellungsraum der Künstlergruppe Die Frauenwörther genutzt.[3] Die Umbauten wurden bei der baugeschichtlichen Erforschung des Gebäudes 1963 wieder rückgängig gemacht und eine Dauerausstellung der Archäologischen Staatssammlung eingerichtet.[4]

Ausstellungen

Im Obergeschoss des angrenzenden Vikarhauses (Pfründegebäude), zu dem man ebenfalls Zugang über den Eingang zur Torhalle erhält, werden jährlich über die Sommermonate hinweg Ausstellungen der Inselgalerie Gailer über die Chiemseemaler abgehalten.

Bilder

Beschreibung

In der Liste der Baudenkmäler in der Gemeinde Chiemsee ist die Torhalle wie folgt beschrieben:[5]

Torhaus des Klosters:

  • Zweigeschossiger Satteldachbau mit Torhalle, doppelstöckigem, stark eingezogenem Rechteckchor im Osten und westlich angebautem Vikariatshaus
  • Torhalle im Erdgeschoss in drei Schiffen tonnengewölbt mit rundbogig geöffneter mittiger Durchfahrt, im Erd- und Obergeschoss integriert die ehemaligen Kapellen St. Nikolaus und St. Michael, spätottonisch, um 1000
  • Im Chorraum der oberen Kapelle monochrom ausgeführte Freskomalerei, wohl 1. Hälfte bis Mitte 12. Jahrhundert
  • Westlich ehemaliges freistehendes Pfründegebäude, im Kern 14. Jahrhundert, über einen Zwischenbau Ende 16. Jahrhundert als Vikarhaus an die Torhalle angeschlossen

Literatur

  • Hermann Dannheimer: Torhalle auf Frauenchiemsee. Geschichte – Kunst–Führer zu den Ausstellungen (In: Große Kunstführer. Band 83). 3. Auflage, Schnell & Steiner, München/Zürich 1983, ISBN 3-7954-0818-0 (gegenüber den vorherigen Auflagen stark erweitert). – Nochmalige Neubearbeitung: Hermann Dannheimer: Torhalle auf Frauenchiemsee. Zeugnisse zur Frühgeschichte des Klosters Frauenwörth – Romanische Fresken aus dem Sanktuarium des Münsters von Frauenwörth – Denkmäler bayerischer Frömmigkeit aus der Zeit der Agilolfinger und Karolinger (In: Prähistorische Staatssammlung (Hrsg.): Große Ausstellungsführer, Band 2 = Große Kunstführer, Band 83). 4. Auflage. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 1995, ISBN 3-7954-1086-X.
  • Hermann Dannheimer: Frauenwörth. Herzog Tassilos Kloster im Chiemsee. Abtei – Kirche – Torhalle. Verlag Anton H. Konrad, Weißenhorn 2008, ISBN 978-3-87437-535-1.
  • Vladimir Milojčić: Bericht über die Ausgrabungen und Bauuntersuchungen in der Abtei Frauenwörth auf der Fraueninsel im Chiemsee 1961–1964 (= Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Philosophisch-Historische Klasse. Neue Folge, Heft 65). 3 Teile, Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 1966 (Digitalisat: Textteil; Tafelteil; Pläne).

Einzelnachweise

  1. Heinz Dopsch: Die Geschichte der Abtei Frauenchiemsee im Spiegel der schriftlichen Quellen. In: Hermann Dannheimer: Frauenwörth. Archäologische Bausteine zur Geschichte des Klosters auf der Fraueninsel im Chiemsee. Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 2005, ISBN 3-7696-0121-1, S. 171–212, hier S. 171–179.
  2. Hermann Dannheimer: Frauenwörth. Herzog Tassilos Kloster im Chiemsee. Abtei – Kirche – Torhalle. Anton H. Konrad, Weißenhorn 2008, ISBN 978-3-87437-535-1, S. 44; zu den dortigen Baubefunden Hermann Dannheimer: Frauenwörth. Archäologische Bausteine zur Geschichte des Klosters auf der Fraueninsel im Chiemsee. Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 2005, ISBN 3-7696-0121-1, S. 63–70.
  3. Fritz Aigner: Die Frauenwörther. Gründungszeit 1920-1925. Ausstellung Torhalle auf Frauenchiemsee (1980).
  4. Hermann Dannheimer: Frauenwörth. Herzog Tassilos Kloster im Chiemsee. Abtei – Kirche – Torhalle. Anton H. Konrad, Weißenhorn 2008, ISBN 978-3-87437-535-1, S. 46–65; Hermann Dannheimer: Frauenwörth. Archäologische Bausteine zur Geschichte des Klosters auf der Fraueninsel im Chiemsee. Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 2005, ISBN 3-7696-0121-1, S. 70–104.
  5. Denkmalliste für Chiemsee (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
Commons: Torhalle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 52′ 22,3″ N, 12° 25′ 29,1″ O