Fratres (Gemeinde Waldkirchen an der Thaya)
| Fratres (Dorf) Ortschaft Katastralgemeinde Fratres | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Pol. Bezirk, Bundesland | Waidhofen an der Thaya (WT), Niederösterreich | |
| Gerichtsbezirk | Waidhofen an der Thaya | |
| Pol. Gemeinde | Waldkirchen an der Thaya | |
| Koordinaten | 48° 58′ 44″ N, 15° 20′ 43″ O | |
| Höhe | 513 m ü. A. | |
| Einwohner der Ortschaft | 0 (1. Jän. 2025) | |
| Fläche d. KG | 4,2 km² (31. Dez. 2023) | |
| Statistische Kennzeichnung | ||
| Ortschaftskennziffer | 06539 | |
| Katastralgemeindenummer | 21115 | |
| Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; NÖGIS | ||
Fratres ist eine Ortschaft und eine Katastralgemeinde der Gemeinde Waldkirchen an der Thaya im Bezirk Waidhofen an der Thaya in Niederösterreich mit 0 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2025).[1]
Geografie
Das Dorf liegt ganz im Norden am Ende der Landesstraße L67 beim gleichnamigen Grenzübergang zu Tschechien. Zur Ortschaft gehören auch die Gehringsmühle und die Rabingmühle sowie die Ziegelhütte. Am 1. April 2020 umfasste die Ortschaft 32 Adressen.[2]
Geschichte
Nach einem Urbarium von 1570 gehörte Fratres zur Herrschaft Weikartschlag und wurde bereits damals unter diesem Namen geführt.[3]
Im Jahr 1822 wurde der Ort von Joseph von Steinius als Dorf mit 25 Häusern genannt, das nach Waldkirchen eingepfarrt war, wohin auch die Kinder eingeschult wurden. Die Herrschaft Drosendorf besaß die Ortsobrigkeit, übte die Landgerichtsbarkeit aus und hatte die Grundherrschaft inne. Die Konskription wurde von der Herrschaft Gilgenberg besorgt.[4]
Die Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens von 1840 beschreibt Fratres als Dorf mit 27 Häusern. Die kirchlichen, schulischen und administrativen Zugehörigkeiten waren dieselben, wie schon 1822 von Steinius erläutert. Die nächstgelegene Poststation befand sich in Schwarzenau. Militärisch gehörte Fratres zum Werbbezirk des Linieninfanterieregiments Nr. 14.[3]
In 39 Familien lebten 76 Männer, 79 Frauen und 15 schulpflichtige Kinder. Der Viehbestand umfasste ein Pferd, 52 Ochsen, 43 Kühe, 591 Schafe, 18 Ziegen und 54 Schweine.[3]
Die Einwohner waren überwiegend Landwirte; daneben lebten einige Kleinhäusler im Ort. Die landwirtschaftliche Ausstattung war an Ackerland ausreichend, an Wiesen und Wald jedoch gering. Die Ackerböden waren sandig, die Wiesen nass und wenig ertragreich. Angebaut wurden vor allem Roggen und Hafer, Weizen und Gerste nur in geringem Umfang; außerdem Wicken, Klee, Flachs und Kohl. Kartoffeln gediehen in großer Menge. Die Viehzucht stellte den wichtigsten Erwerbszweig dar, allerdings galt das Vieh als schwach und wenig ansehnlich, was auf die schlechten Weiden und das Fehlen der Stallfütterung zurückgeführt wurde. Im Ort gab es einen Schmied und einen Schuster; außerhalb des Ortes bestand eine Wagnerwerkstätte. Außerdem befanden sich dort Kalk- und Ziegelöfen sowie ein herrschaftlicher Meierhof.[3]
Der Röblingsbach und der Lexnitzbach führten Krebse, aber keine Fische. Die beiden Bäche trieben jeweils eine Mühle an, die Röblings- und die Gehrungsmühle. Die Jagd war auf Rehe, Hasen und Rebhühner beschränkt. Das Klima galt als rau, das Wasser jedoch als ausreichend vorhanden.[3]
Eine einfach gebaute Betkapelle im Ort diente der Gemeinde gelegentlich für außerpfarrliche Andachten. Zudem wird ein jüdischer Friedhof erwähnt. Schweickhardt weist außerdem darauf hin, dass im Umkreis von Fratres früher ein Ort namens Gehrungs bestanden haben soll, der jedoch im 15. oder 16. Jahrhundert verödete. Im Gehrungswald waren seinen Ausführungen zufolge noch die Ackerfurchen des ehemaligen Dorfes erkennbar.[3]
Laut Adressbuch von Österreich waren im Jahr 1938 in der Ortsgemeinde Fratres ein Gastwirt, ein Korbflechter, zwei Müller, ein Sägewerk, ein Schmied, zwei Ziegeleien und einige Landwirte ansässig, darunter ein Hoyos-Sprinzenstein'scher Gutsbesitz.[5]
1997 wurde das Museum Humanum eröffnet.
Persönlichkeiten
- Peter Coreth (* 1948), Journalist, Schriftsteller und Kunstsammler, gründete hier ein Museum
Literatur
- Friedrich Wilhelm Weiskern: Topographie von Niederösterreich, in welcher alle Städte, Märkte, Dörfer, Klöster, Schlößer, Herrschaften, Landgüter, Edelsitze, Freyhöfe, namhafte Oerter u.d.g. angezeiget werden, welche in diesem Erzherzogthume wirklich angetroffen werden, oder sich ehemals darinnen befunden haben. Band 1: A–M. Druckerei Joseph von Kurzböck, Wien 1768, S. 175 (Ausgabe 1769; Fratres in der Google-Buchsuche).
- Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens, durch umfassende Beschreibung aller Burgen, Schlösser, Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten etc. etc., topographisch-statistisch-genealogisch-historisch bearbeitet und nach den bestehenden vier Kreis-Vierteln [alphabetisch] gereiht. [Teil:] Viertel Ober-Manhardsberg. 6 von 34 Bänden. 5. Band: Herrschaft Drosendorf bis Strahlbach. Anton Benko, Wien 1840, S. 10 (Fratres – Internet Archive).
- Anton Steinhauser: Administrativkarte von Niederösterreich. Blatt 3, Sektion Fratres, 1:28.800, Hrsg: Verein für Landeskunde von Niederösterreich, in Kommission von Artaria & Co., Wien 1867–1882 (noel.gv.at [JPG; 6,0 MB]).
- Ortsverzeichnis 2001 Niederösterreich (PDF; 4,8 MB), Statistik Austria, Wien 2005, ISBN 3-902452-42-0, S. 348.
Weblinks
- Fratres in der Datenbank Gedächtnis des Landes zur Geschichte des Landes Niederösterreich (Museum Niederösterreich)
Einzelnachweise
- ↑ Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2025 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2025), (ODS, 500 KB)
- ↑ Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen: Österreichisches Adressregister, Stichtagsdaten vom 1.4.2020 (online)
- ↑ a b c d e f Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogtums Oesterreich unter der Ens. 5. Band: Viertel Ober-Manhardsberg. Wien 1840, S. 10, 11 (Volltext).
- ↑ Joseph von Steinius: Topographischer Land-Schematismus oder Verzeichniß aller im Erzherzogthume Oesterreich unter der Enns befindlichen Ortschaften als Städte, Märkte, Schlösser, Ämter, Dörfer, Rotten und einzelne Häuser, die eigene Nahmen haben, Anzahl der Häuser sowohl, als der betreffenden Pfarren, Schulörter, Patronate, Decanate, Werbbezirke, Landgerichte, Ortsobrigkeiten, Grund- und Conscriptions-Herrschaften, dann der nächsten Poststationen zur Auf- und Abgabe der Briefe. Erster Band: A–L. Verlag Anton Strauß, Wien 1822, S. 170 (Fratres in der Google-Buchsuche).
- ↑ Adressbuch von Österreich für Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, Herold Vereinigte Anzeigen-Gesellschaft, 12. Ausgabe, Wien 1938 PDF, Seite 243