Franziskanerkloster Waldsee
| Franziskanerkloster Waldsee | ||
|---|---|---|
| Ort | Bad Waldsee | |
| Architekt | Sebastian Seiser und Pater Vitus Raspenspieler | |
| Bauzeit | 1650-1656 | |
| Koordinaten | 47° 55′ 12,4″ N, 9° 45′ 21,4″ O | |
Das Franziskanerkloster Waldsee ist ein ehemaliges Kloster und Kulturdenkmal des Landes Baden-Württemberg (ID: 103117317) in Bad Waldsee im Landkreis Ravensburg.
Lage
Das Franziskanerkloster liegt in der Hauptstraße 10-12 der Altstadt von Bad Waldsee innerhalb der Mittelalterlichen Stadtbefestigung.
Geschichte
Das Franziskanerkloster Bad Waldsee wurde im Jahr 1650 gegründet und im Zuge der Säkularisation 1806 aufgelöst. Das frühbarocke Gebäudeensemble, das ursprünglich eine Vierflügelanlage mit Kreuzgang ist ein Zeugnis der Stadtbau- und Klostergeschichte.
Die Gründung des Klosters geht auf Verhandlungen zwischen dem Waldseer Rat und den Franziskanern aus Saulgau zurück, die 1649 stattfanden. Am 30. Juni 1650 wurde der Bau genehmigt, und als Baumaterial wurden Steine aus der nahe gelegenen Ruine Neuwaldsee, die dem Haus Waldburg-Wolfegg gehörte genutzt. Für den Klosterbau erwarb die Stadt vom Abt von Schussenried den Schussenrieder Fluchthof und die ältere Kapelle zur Himmelspforte, auch Krettlinskapelle genannt, sowie ein weiteres Haus. Die Krettlinskapelle, 1460 von Konrad Muttenhauser gestiftet und von Ulrich Krettlin erbaut, wurde 1571 vergrößert und schließlich durch Abriss und Neubau zur Klosterkirche der Franziskaner umgewandelt. Durch die Verbindung des Fluchthofs mit der neu erbauten Kirche entstand die klassische Vierflügelanlage mit Innenhof und Kreuzgang.
Die Weihe des Klosters, das zur Tiroler Ordensprovinz gehörte, fand am 13. Oktober 1656 statt. Die einfache Architektur der Anlage spiegelt das Armutsideal des Ordens nach dem Dreißigjährigen Krieg wider. Die Franziskaner waren auch in der Pfarrseelsorge tätig. Ein Beispiel ihres Armutsgelübdes ist die geringe Schätzung ihres gesamten Klosterbesitzes auf nur 433 Gulden im Jahr 1791. Trotzdem stiftete der Stadtrat 1741 für 156 Gulden eine festliche Amtstracht, forderte jedoch das Einsticken des Stadtwappens als Bedingung.
Die Klosterzeit endete im November 1806 mit der Säkularisation, als Waldsee Teil des Königreichs Württemberg wurde. Trotz einer Petition von 65 Waldseer Bürgern wurde das Kloster aufgelöst. Zeitgenossen beschrieben den Vorgang als sehr flüchtig und destruktiv. Teile der Klosterbibliothek wurden an die heutige Landesbibliothek in Stuttgart übergeben, der Großteil wurde jedoch als Altpapier verkauft.[1][2][3]
Bau und Architektur
Die heutige, hufeisenförmige Dreiflügelanlage ist ein frühbarocker, zwei- bis dreigeschossiger verputzter Massivbau, von der ursprünglichen Vierflügelanlage mit Kreuzgang, die nach Entwürfen von Sebastian Seiser und Pater Vitus Raspenspieler erbaut wurde, existiert seit 1812 der straßenseitige Trakt nicht mehr.
Folgende erhalten gebliebene Architekturdetails geben Einblicke in das damalige aussehen:
- Kreuzgangarkaden im Erdgeschoss des Nord- und Ostflügels.
- Drei Gewölbekeller sowie vereinzelt Kreuzgratgewölbe im Erdgeschoss.
- Im Nordflügel eine bauzeitliche Täferdecke und ein Tonplattenboden.
- Das sogenannte Engelszimmer im Ostflügel mit einer Stuckdecke aus den Jahren 1730–1740.
- Der Dachstuhl der ehemaligen Klosterkirche, der teilweise in alter Zimmermannstechnik verblattet ist.
Im 19. Jahrhundert wurde der Nordflügel um ein Obergeschoss aufgestockt, und der Ostflügel bekam 1913 ebenfalls eine Aufstockung. Zum Klosterensemble gehört auch das ehemalige Waschhaus bzw. die Remise, ein langgestreckter eingeschossiger Massivbau mit Fachwerkgiebel und Gewölbekeller, später diente sie als Zollschuppen.[1][2][3]
Spätere Nutzung
Nach der Säkularisation wurde das Kloster für verschiedene staatliche Verwaltungszwecke umgenutzt. Die ehemalige Klosterkirche wurde in einen Fruchtkasten (Kornhaus) umgebaut. Das Hauptgebäude diente zunächst als Kameralamt und ab 1855 bis zur Auflösung des Kreises Waldsee im Jahr 1938 als Sitz des Oberamt, Auch nach 1938 beherbergte es weiterhin verschiedene Behörden wie die Polizei, das Forst-, Vermessungs- und Finanzamt.
Der historische Gebäudekomplex, der zuletzt als Finanzamt diente, wurde zum neuen zentralen Verwaltungsgebäude der Stadt Bad Waldsee ausgebaut. Der Polizeiposten Bad Waldsee ist bis heute in einem Teil des Gebäudes untergebracht.[1][2][3]
Einzelnachweise
- ↑ a b c Rundgang durch die historische Altstadt: Kreisstadt Bad Waldsee - Gäste. Abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ a b c Karte der Kulturdenkmale des Landes Baden-Württemberg. In: geoportal-bw.de. Abgerufen am 26. September 2025 (Hinweis: Das Franziskanerkloster ist das rote U-förmige Gebäude mit grünem Hof auf der Karte).
- ↑ a b c Karin Kiesel: Wie aus einem Kloster ein Ämtergebäude wurde. 5. April 2020, abgerufen am 26. September 2025.