Stadtbefestigung Bad Waldsee

Stadtbefestigung Bad Waldsee

Das Wurzacher Tor in Bad Waldsee

Daten
Ort Bad Waldsee
Bauherr Eberhard III. von Waldburg
Baujahr vor 1283
Koordinaten 47° 55′ 13,5″ N, 9° 45′ 14,1″ O
Besonderheiten
Teilweise erhalten

Die noch teilweise erhaltene Stadtbefestigung Bad Waldsee wurde 1283 erstmals erwähnt und befindet sich in Bad Waldsee im Landkreis Ravensburg von Baden-Württemberg.

Die Stadtbefestigung von Bad Waldsee besteht aus folgenden Kulturdenkmalen:

  • Stadtbefestigung, angelegt vor 1283 (Kulturdenkmal ID: 103139251)
  • Stadtmauerrest mit Vötschenturm (Kulturdenkmal ID: 103116396)
  • Torwärterhaus (Kulturdenkmal ID: 103103472)
  • Mittelalterliche und frühneuzeitliche Stadtbefestigung (Archäologisches Kulturdenkmal ID: 106007379)[1]

Lage

Die Stadtbefestigung von Bad Waldsee befindet sich im Zentrum der historischen Altstadt (Archäologisches Kulturdenkmal; Mittelalterliche und neuzeitliche Stadt Waldsee, ID: 106021766). Sie liegt zwischen dem Stadtsee, der zusammen mit dem Schloßsee ein archäologisches Bodendenkmal ist (Mittelalterlicher und neuzeitlicher Stadt- und Schlosssee mit Zu und Abläufen), und der Bleichestraße und Friedhofstraße. Im nordwestlichen Teil grenzt die Stadtmauer direkt an das archäologische Kulturdenkmal Mittelalterliche Burg und neuzeitliches Schloss Waldsee an. Innerhalb der befestigten Altstadt befinden sich zahlreiche weitere denkmalgeschützte Gebäude, darunter die Schwesternklause der Franziskaner-Terziarinnen, das Schulhaus, das Franziskanerkloster, die Prälatur des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Peter sowie mehrere Wirtshäuser.

Beschreibung

Die Stadtbefestigung von Bad Waldsee (Kulturdenkmal, Objekt-ID: 103139251) wurde im 13. Jahrhundert von Eberhard III. von Waldburg gebaut, der die Marktsiedlung Waldsee um 1280 zur Stadt erhob und befestigte. Erstmals erwähnt wurde die Mauer im Jahr 1283. Die mittelalterliche Befestigungsanlage umgab zunächst den Bereich zwischen Entenmoos und Hochstatt und wurde in den folgenden Jahrhunderten schrittweise erweitert, um den Stiftsbezirk und die Wurzacher Vorstadt einzubeziehen.

Die Befestigung bestand aus einer inneren Stadtmauer, einer Zwingermauer, mehreren Toren und Türmen sowie einem vorgelagerten Graben. Bis auf das Wurzacher Tor die Tortürme, wie das Biberacher Tor oder das Ravensburger Tor von 1811 bis 1833 abgebrochen.

Teile der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadtbefestigung (Archäologisches Kulturdenkmal, Objekt-ID: 106007379) sind bis heute an verschiedenen Stellen in der Altstadt sichtbar, oft in die rückwärtigen Fassaden von Gebäuden integriert. Im Boden werden zudem die Fundamente der abgegangenen Mauern und Tore sowie die Reste des verfüllten Stadtgrabens vermutet.[1]

Erhaltene Teile

Neben dem Wurzacher Tor und dem Vötschenturm sind weitere Teile der Stadtmauer sichtbar, die sowohl freistehend als auch als Teil der Bebauung integriert sind. Diese befinden sich unter anderem an folgenden Adressen:

  • Adlergasse 11
  • Am Stadtgraben 1–3
  • Entenmoos 8–12, 18–31 und 29
  • Gut-Betha-Platz 2–7
  • Hauptstraße 67–69
  • Herrgottsgasse 34
  • Rosmaringasse 7–9 und 27/1–33
  • Schulgasse 8
  • Spitalhof 6
  • Wettgasse Flstnr. 34/1 und Hausnummer 12
  • Wurzacher Straße Flstnr. 429/1 und Hausnummer 32[2][1]

Wurzacher Tor

Das Wurzacher Tor, auch Gluthafendeckel genannt, ist der einzige erhaltene von einst mehreren großen Tortürmen und ein Wahrzeichen der Stadt. Der um 1500 errichtete, viergeschossige Bau aus Findlingssteinen und Putz ist charakteristisch für die spätgotische Architektur Oberschwabens. Er besitzt Treppengiebel, einen umlaufenden Kielbogenfries sowie eine halbkreisförmig gedrückte Durchfahrt. Richtung Haisterkirch führt eine zweibogige Brücke zur Seeseite.[3][1]

Vötschenturm

Der Vötschenturm (Kulturdenkmal, Objekt-ID: 103116396) ist der einzige noch erhaltene Flankierungsturm der Stadtmauer. Der runde viergeschossige Wehrturm ist ein verputzter Massivbau und stammt vermutlich aus dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts. Mit seinen Schießscharten für Feuerwaffen ist er ein Zeugnis des spätmittelalterlichen Wehrbaus.[4][1]

Torwärterhaus

Das Torwärterhaus am Stadtgraben 1 ist ein zweigeschossiger, verputzter Bau, der im Kern vermutlich aus dem späten 15. oder des frühen 16. Jahrhundert stammt und später umgebaut wurde. Das Gebäude diente ursprünglich als Wohnung des Torwärters am Wurzacher Tor. Es wurde rückwärtig an die innere Stadtmauer gesetzt und besitzt ein Walmdach mit Aufzugslukarne. Das Erdgeschoss ist teilweise massiv, und das Obergeschoss ist in Fachwerkbauweise ausgeführt das traufseitig stark über beschnitzten Bügen vorkragt. Die geschnitzten Knaggen verweisen auf eine Entstehung im Spätmittelalter.[3][1]

Biberacher Torhaus

Das Biberacher Torhaus, auch Zolleinnehmerhaus, wurde 1833 nach dem Abriss des mittelalterlichen Biberacher Tors errichtet. Bei dem eingeschossigen Massivbau mit Walmdach und Zwerchhaus handelt es sich um ein klassizistisches Wach- und Zollhaus. Es steht exemplarisch für die Bauwerke, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Funktionen der niedergelegten mittelalterlichen Stadttore übernahmen. Das Gebäude ist daher von stadtbau- und verwaltungsgeschichtlicher Bedeutung, da es weiterhin der Kontrolle des Stadtverkehrs und der Zollerhebung diente.[5]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Karte der Kulturdenkmale des Landes Baden-Württemberg. In: geoportal-bw.de. Abgerufen am 26. September 2025.
  2. OpenStreetMap. Abgerufen am 25. September 2025.
  3. a b OpenStreetMap. Abgerufen am 25. September 2025.
  4. OpenStreetMap. Abgerufen am 25. September 2025.
  5. Karte Kulturdenkmale des Landes Baden-Württemberg - Ausschnitt Torwärterhaus. In: geoportal-bw.de. Abgerufen am 28. September 2025.