Franz Josef Kristen

Franz Josef Kristen (* 1900 in Handorf; † 1971) war ein deutscher kommunistischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er gehörte zum Umfeld der illegalen KPD im Raum Schleswig-Holstein und war einer der Angeklagten im sogenannten Offenborn-Prozess vor dem Kammergericht.

Leben

Frühe Jahre und politische Tätigkeit

Franz Josef Kristen wuchs in einfachen sozialen Verhältnissen auf und arbeitete als Industrie- bzw. Landarbeiter. In der Weimarer Republik schloss er sich der KPD an und engagierte sich in der Arbeiterbewegung. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 setzte er seine politische Arbeit im Untergrund fort und beteiligte sich an der illegalen Aufrechterhaltung von Parteistrukturen.[1]

Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Kristen war Teil eines regionalen kommunistischen Widerstandsnetzes, das sich auf den Raum Hamburg, Elmshorn, Uetersen und den Kreis Pinneberg erstreckte. Zu seinen Aufgaben gehörten Kurierdienste, die Weitergabe illegaler Schriften sowie organisatorische Tätigkeiten für inhaftierte oder verfolgte Parteimitglieder. Er stand in Verbindung mit weiteren Widerstandskämpfern wie Johannes Dietrich Offenborn, Victor Andersen, Arthur Sorg und Wilhelm Vollstedt.[2]

Verhaftung und Offenborn-Prozess

Im Zuge der Zerschlagung kommunistischer Widerstandsgruppen wurde Franz Josef Kristen verhaftet und im Rahmen des sogenannten Offenborn-Prozesses angeklagt. Die nationalsozialistische Justiz warf ihm „Vorbereitung zum Hochverrat“ vor. Er wurde zu sechs Jahren Zuchthaus sowie zu sechs Jahren Ehrverlust verurteilt.[3]

Haft, Krieg und Nachkriegszeit

Nach Verbüßung eines Teils der Haftstrafe wurde Kristen zeitweise in Straf- und Arbeitslager überstellt. Wie viele politische Häftlinge war er massiven Repressionen und Zwangsarbeit ausgesetzt. Über seinen Einsatz während des Zweiten Weltkriegs liegen nur fragmentarische Angaben vor; es ist jedoch belegt, dass er die NS-Zeit überlebte.[2]

Nach 1945 kehrte Franz Josef Kristen in das zivile Leben zurück. Er beteiligte sich am politischen Wiederaufbau und an der Erinnerung an den antifaschistischen Widerstand, ohne dabei öffentlich in Erscheinung zu treten. Er starb 1971.

Bedeutung

Franz Josef Kristen zählt zu den zahlreichen, heute wenig bekannten Widerstandskämpfern, die im Rahmen des Offenborn-Prozesses verurteilt wurden. Sein Engagement steht exemplarisch für den kommunistischen Widerstand im norddeutschen Raum und die harte Verfolgung durch die nationalsozialistische Justiz.

Siehe auch

Literatur

  • Herbert Diercks: Die Freiheit lebt! Widerstand und Verfolgung im Kreis Pinneberg 1933–1945. Hamburg 1983.
  • Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein (AKENS): Dokumentationen zum Widerstand im Kreis Pinneberg.

Einzelnachweise

  1. Herbert Diercks: Die Freiheit lebt! Widerstand und Verfolgung im Kreis Pinneberg 1933–1945. Hamburg 1983.
  2. a b Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein (AKENS): Dokumentationen zum Widerstand im Kreis Pinneberg.
  3. Herbert Diercks: Die Freiheit lebt! Widerstand und Verfolgung im Kreis Pinneberg 1933–1945. Hamburg 1983.