Wilhelm Vollstedt
Wilhelm Vollstedt (* 28. März 1888 in Uetersen; † 11. Februar 1942 im Konzentrationslager Neuengamme) war ein deutscher Arbeiter, Kommunist und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er wurde aufgrund seiner politischen Aktivitäten verhaftet, verurteilt und kam im KZ Neuengamme ums Leben.
Leben
Herkunft und frühes Leben
Wilhelm Vollstedt wurde am 28. März 1888 in Uetersen als Sohn von Hans Hinrich Vollstedt und Margaretha Vollstedt, geb. Muhl, geboren. Sein Vater arbeitete als Industriearbeiter. Wilhelm wuchs gemeinsam mit seinen jüngeren Geschwistern in Uetersen und Moorrege auf und besuchte dort die Volksschule.
Mit 18 Jahren trat er dem 16. Husaren-Regiment bei und diente zwei Jahre in der Kavallerie; während des Ersten Weltkriegs war er an verschiedenen Frontabschnitten eingesetzt. Nach dem Krieg kehrte er nach Uetersen zurück und arbeitete zunächst als Lederarbeiter, später als Ziegelbrenner und schließlich als Schlosser, nachdem die Ziegelbrennerei Schinkel, bei der er beschäftigt war, geschlossen worden war.
Politische Tätigkeit
1922 trat Vollstedt in die KPD ein. Ab 1929 war er dort als Hilfskassierer tätig und kandidierte 1929 bei der Gemeindevertreterwahl auf Platz 16 der KPD-Liste. Zwischen 1924 und 1932 engagierte er sich darüber hinaus im „Kampfbund gegen den Faschismus“ und der „Antifa“, zwei lokalen antifaschistischen Organisationen, die gegen die Propaganda und Aktivitäten der Nationalsozialisten arbeiteten. In den Jahren 1933 bis 1935 war Vollstedt aktiv an der Verteilung kommunistischer Zeitungen beteiligt.
Verhaftung und Urteil
Am 27. Mai 1937 wurde Vollstedt in Uetersen verhaftet. Zwei Tage später kam er in Untersuchungshaft in Neumünster; im Rahmen eines Nachfolgeverfahrens zum sogenannten „Offenborn-Prozess“ wurde er am 10. Februar 1938 vom Hanseatischen Oberlandesgericht in Neumünster wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu drei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.
Haft und Tod
Nach Verbüßung der Zuchthausstrafe wurde Vollstedt der sogenannten „Schutzhaft“ zugeführt und in das Konzentrationslager Neuengamme deportiert. Dort starb er am 11. Februar 1942. Sein Tod gilt im historischen Kontext als Folge der systematischen Unterdrückung und Misshandlung politischer Gegner durch das nationalsozialistische Regime.
Gedenken
Auf dem Neuen Friedhof in Uetersen erinnert ein Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus an Wilhelm Vollstedt und weitere lokale Widerstandskämpfer. Der Stein trägt die Inschrift:
„Den Opfern des Nationalsozialismus 1933–1945 Johann Britten Arthur Sorg Wilhelm Vollstedt Unrecht brachte uns den Tod Lebende erkennt Eure Pflicht“
Seit dem 2. März 2012 erinnert außerdem ein Stolperstein vor seiner letzten frei gewählten Wohnadresse in der Katharinenstraße 7 in Uetersen an sein Leben und Schicksal.
Literatur
- Herbert Diercks: Die Freiheit lebt! Widerstand und Verfolgung im Kreis Pinneberg 1933–1945. Hamburg 1983.
- Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein (AKENS): Dokumentationen zum Widerstand im Kreis Pinneberg.
Weblinks
- Wilhelm Vollstedt (1888–1942) – von den Nazis verfolgt und in der Haft umgekommen bei Spurensuche Kreis Pinneberg und Umgebung