Franz Behr (Fußballspieler)

Franz Jacob Behr (* 9. Februar 1876 in Hamburg-St. Pauli;[1]1948 in Rio de Janeiro, Brasilien)[2][3] war ein deutscher Fußballspieler, -trainer, -schiedsrichter und -funktionär und gilt als der erste Fußballstar in Hamburg und Altona.

Als Jugendlicher besuchte Behr die Altonaer Realschule für Jungen (später Ernst-Schlee-Gymnasium), wo er als Schüler von Gottfried Tönsfeld und Hermann Schnell früh mit dem Schlagballspiel und dem Fußball in Berührung kam.[4][5] Neben seiner kaufmännischen Ausbildung gründete er mit anderen Jugendlichen, darunter auch die Söhne der Industriellen Johannes Menck und Diedrich Alexander Hambrock (Menck & Hambrock), eine Cricketabteilung im Altonaer Turnverein von 1893, aus der später der Fußballverein Altona 93 hervorging.[4]

Schon früh engagierte sich Behr als Funktionär und die Entwicklung des Fußballs. 1894 beteiligte er sich an der Gründung des Hamburg-Altonaer Fußball-Bundes (HAFB). Zwei Jahre später übernahm er das Amt des Ersten Vorsitzenden bei Altona 93,[6] wenig später auch – mit kurzen Unterbrechungen – das Amt des Ersten Vorsitzenden des HAFB. 1900 zählte er zu den Gründungsvätern des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), deren Delegierte ihn auch in den Elferausschuss und zwei Jahre später zum Vorsitzenden des Spielausschusses wählten.

Im eigenen Verein gehörte Franz Behr zu den herausragenden Spielern. Er war Kapitän und de facto Spielertrainer, wirkte auch in der repräsentativen Mannschaft des HAFB mit. Durch seine neuartigen Trainingsmethoden, welche verstärkt auf leichtathletische Übungen basierte, formte er Altona 93 zu einem Spitzenklub, der insgesamt viermal die Verbandsmeisterschaft gewinnen konnte. Mit einer durch mehrere Abhänge stark verjüngten und neu geformten Mannschaft, der auch sein jüngerer Bruder Walter angehörte, scheiterte man 1903 erst im Halbfinale um die erste deutsche Fußballmeisterschaft am späteren Meister, dem VfB Leipzig.[4]

Behr war zugleich ein erfahrener Schiedsrichter, weshalb er auch die Spielführung des ersten Endspiels um die deutsche Fußballmeisterschaft zwischen dem VfB Leipzig und dem DFC Prag übernahm, das am 31. Mai 1903 auf der Exerzierweide in Altona ausgetragen wurde (Endstand 7:2 für die Leipziger). Außerdem trug er beim Endspiel auch die Verantwortung für die Zuschauereinnahmen.

Aufgrund seiner Verdienste für den Fußball wurde Behr schon 1902 zum zweiten Vorsitzender des DFB gewählt.[7] Im Jahr 1904 wanderte Franz Behr jedoch aus beruflichen Gründen nach Brasilien aus, wo er einer bislang nicht bekannten Tätigkeit nachging. Zur Abreise ernannten ihn sein Heimatverein Altona 93 zum Ehrenvorsitzenden. Über die Vereinszeitung von Altona 93 hielt er jedoch stets Kontakt mit den ehemaligen Mitspielern und kehrte auch mehrmals persönlich nach Altona zurück.[4]

Verweise

  1. Geburtsregister Hamburg II, 1876, Band 2, Eintrag Nr. 768
  2. Sterbejahr nach: Der Sport (Hamburg) vom 20. September 1948, ohne Seitenzahl. Demgegenüber (wohl irrtümlich) 1944 bei Jankowski/Pistorius/Prüß: Fußball im Norden. 100 Jahre Norddeutscher Fußball-Verband, Barsinghausen und Peine 2005, darin: Personifizierte Sportgeschichte, S. 200.
  3. Sport-Allerlei von überall in Der Sportbericht, Stuttgart, vom 20. September 1948, S. 7
  4. a b c d Lars Amenda: Der Altonaer, der den Fussball anstiess. In: Altona Magazin. Band 41. Hamburg 25. November 2025, S. 29–30.
  5. Volker Stahl: Wie zwei Lehrer Schlagball und Fußball in Hamburg populär machten. In: Schleswig-Holsteinische Zeitung. SHZ, 6. Februar 2023 (shz.de).
  6. 60 Jahre AFC Borussia, hg. vom Verein (uncredited), Hamburg 1953.
  7. Lutz Lüttig: Hamburger Herrschaft. In: Schiri-Zeitung. Offizielles Magazin des Deutschen Fußballbundes. Nr. 3 (Mai/Juni), 2025, S. 23.