Französisch-Syrischer Krieg
| Französisch-Syrischer Krieg | |||||||||||||
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| Teil von: Zwischenkriegszeit | |||||||||||||
Syrische Soldaten in der Schlacht von Maysalun | |||||||||||||
| Datum | 8. März 1920[1][2][3][4] bis 25. Juli 1920 | ||||||||||||
| Ort | Syrien & OETA | ||||||||||||
| Ausgang | Französischer Sieg | ||||||||||||
| Folgen | Gründung des französischen Syrien König Faisal wird in den Irak ausgewiesen | ||||||||||||
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Syrische Küstenregion – Region Aleppo – Maysalun – Damaskus
Der Französisch-Syrische Krieg fand 1920 zwischen Frankreich und den haschemitischen Herrschern des neu gegründeten Arabischen Königreichs Syrien statt. In einer Reihe von Gefechten, die in der Schlacht von Maysalun gipfelten, besiegten französische Truppen die Streitkräfte des haschemitischen Monarchen König Faisal und seiner Anhänger und marschierten am 24. Juli 1920 in Damaskus ein. Am 25. Juli wurde in Syrien eine neue pro-französische Regierung unter Führung von Alaa ad-Din al-Darubi[7] ausgerufen, und die Region Syrien wurde schließlich im Rahmen des Mandats für Syrien und den Libanon in mehrere Vasallenstaaten aufgeteilt. Die britische Regierung, besorgt um ihre Position im neuen Mandat im Irak, erklärte sich bereit, den flüchtigen Faisal zum neuen König des Irak zu erklären.
Hintergrund
Gegen Ende des Ersten Weltkriegs eroberte die Egyptian Expeditionary Force unter Edmund Allenby am 30. September 1918 Damaskus. Kurz darauf, am 3. Oktober 1918, marschierte auch der haschemitische Herrscher Faisal in der Endphase des Arabischen Aufstands gegen die Osmanen in Damaskus ein. Am 5. Oktober 1918 verkündete Faisal mit Erlaubnis von General Allenby in der Stadt die Errichtung einer arabischen Verfassungsregierung.
Nach der Umsetzung des zunächst geheimen Sykes-Picot-Abkommens von 1916, das die besetzten Restgebiete des Osmanischen Reiches zwischen Frankreich und Großbritannien aufteilte, wurde in der Levante eine französische Militärverwaltung eingerichtet. General Henri Gouraud wurde zum Repräsentanten der französischen Regierung im Nahen Osten und zum Kommandeur der französischen sog. Armée du Levant mit Schwerpunkt in Syrien ernannt.
Als während der fortschreitenden Friedensverhandlungen von Versailles das Arabische Königreich Syrien schließlich unter französisches Mandatsgebiet kam, veranlasste dies auch syrische nationalistische Gesellschaften wie Al-Fatat (deutsch: Junge Arabische Gesellschaft) dazu, Vorbereitungen für einen Nationalkongress zu treffen. Diese syrischen nationalistischen Gesellschaften befürworteten die völlige Unabhängigkeit eines arabischen Königreichs, das die arabische Welt unter dem haschemitischen Herrscher Faisal vereinen sollte. Die erste offizielle Sitzung des Syrischen Kongresses fand am 3. Juni 1919 statt und das Al-Fatat-Mitglied Hashim al-Atassi wurde zu seinem Präsidenten gewählt.[8] Am 25. Juni traf die sog. King-Crane-Comission in Damaskus ein und fand dort eine Flut von Flugblättern mit der Aufschrift „Unabhängigkeit oder Tod“ vor. Am 2. Juli 1919 verabschiedete der Syrische Kongress eine Reihe von Resolutionen zur Gründung Syriens als völlig unabhängige konstitutionelle Monarchie mit Faisal als König. Gleichfalls formulierte er die Bitte um Unterstützung durch die Vereinigten Staaten und forderte zum Verzicht auf jegliche von Frankreich beanspruchte Rechte auf.[8] Faisals Hoffnungen, dass ihm die Briten oder die Amerikaner zu Hilfe kommen und gegen die Franzosen vorgehen würden, zerschlugen sich rasch mit dem Ereignis, das viele als den entscheidenden Katalysator für die Ausrufung aber auch letztlich für die Zerstörung des Arabischen Königreichs Syrien betrachteten: das sog. Anglo-Französische Abkommen. Dieses sah den Abzug der britischen Truppen aus Syrien ab dem 1. November sowie den britischen Rückzug aus der sog. OETA Ost (englisch: Occupied Enemy Territory Administration – OETA), der zunächst gemeinsamen britischen, französischen und arabischen Militär-Administration über die Levantine Provinzen, am 26. November 1919 vor. Somit lag die Einhaltung der Anglo-Französischen Erklärung vom 7. November 1918, in der die beiden Mächte erklärt hatten, ihre Absichten bei der Zerschlagung des Osmanischen Reiches seien die „vollständige und endgültige Befreiung der vom Osmanischen Reich unterdrückten Völker“ sowie die Errichtung demokratischer Regierungen im zuvor osmanischen Syrien, im osmanischen Palästina, im osmanischen Irak (Mesopotamien) und in anderen Gebieten, nunmehr zumindest für Syrien nur noch auf französischer Seite. Das Anglo-Französische Abkommen wurde am 15. September 1919 von Lloyd George und Clemenceau unterzeichnet.[9]
In der Folge war Faisal also im Januar 1920 zu Verhandlungen lediglich mit Clemenceau gezwungen, in denen festgelegt wurde, dass die Franzosen die Existenz des syrischen Staates aufrechterhalten und keine Truppen in Syrien stationieren würden, solange die französische Regierung die einzige Regierung bliebe, die Berater, Ratgeber und technische Experten stellte.[10] Die Nachricht von diesem Kompromiss verhieß bei Faisals vehement antifranzösischen und unabhängigkeitsorientierten Anhängern nichts Gutes und sie übten sofort Druck auf ihn aus, sein Engagement für Frankreich aufzugeben, was er dann auch tat.
Chronologie
Landesweite Aufstände
Nach den Clemenceau-Verhandlungen im Januar 1920 kam es in ganz Syrien sporadisch zu gewaltsamen Angriffen auf französische Streitkräfte. Im März 1920 trat der Syrische Kongress erneut zusammen, um Faisal zum König von Syrien zu erklären und das Arabische Königreich Syrien mit Hashim al-Atassi als Premierminister offiziell zu gründen, was folgerichtig am 8. März 1920 in Damaskus auch erfolgte – unter Protest Frankreichs. Auch von Großbritannien wurde der Schritt umgehend abgelehnt und im April 1920 berief der Völkerbund die Konferenz von Sanremo ein, um das Mandat der Franzosen über Syrien ausdrücklich festzulegen.
Syrisch-arabische Nationalisten lehnten das Mandat allerdings ab und zogen gegen die Franzosen in den Krieg. Der Krieg entwickelte sich bald zu einem verheerenden Feldzug für das neu ausgerufene Arabische Königreich. Mehrere von arabischen Milizen initiierte gewalttätige Zwischenfälle in der Region, wie die Schlacht von Tel Hai und der Überfall auf Samakh, führten zu weitgehender internationaler Unterstützung für die Franzosen.
Nachdem der Völkerbund Frankreich wie geplant das Mandat für Syrien erteilt hatte, stellte der französische General Gouraud der syrischen arabischen Regierung ein Ultimatum, ihre Truppen aufzulösen und sich der französischen Kontrolle zu unterwerfen. Besorgt über die Folgen eines langen blutigen Kampfes mit den Franzosen kapitulierte König Faisal am 14. Juli 1920 selbst.[8] Seine Botschaft erreichte jedoch weder den General noch König Faisals Verteidigungsminister Yusuf al-'Azma, der eine Armee nach Maysalun führte, um das Königreich vor dem französischen Vormarsch zu verteidigen. In der Zwischenzeit fügte sich haschemitische Regierung in Damaskus allerdings widerwillig dem französischen Ultimatum und löste ihre Truppen auf.
Schlacht von Maysalun
Trotz König Faisals widerstrebender Annahme des französischen Ultimatums weigerte sich Yusuf al-'Azma nachzugeben. Er rekrutierte eine kleine Truppe Soldaten aus aufgelösten Verbänden und Zivilisten, die im Vergleich zur modernen, gut ausgerüsteten französischen Berufsarmee schlecht bewaffnet waren, und führte sie nach Maysalun. Obwohl er sich über den Ausgang der Schlacht keine Illusionen machte, wollte al-'Azma deutlich machen, dass das arabische Syrien nicht kampflos kapitulieren würde, um der französischen Besatzung jegliche Legitimität zu nehmen. Die Schlacht von Maysalun am 24. Juli endete mit einer vernichtenden Niederlage für Syrien. Die französischen Streitkräfte unter dem Kommando von General Mariano Goybet besiegten die syrischen Streitkräfte mühelos. Yusuf al-'Azma selbst kam in der Schlacht ums Leben.
Letzte Phase
Die letzte Phase des Krieges fand am 24. Juli 1920 ihren Abschluss, als die französischen Truppen ohne Widerstand in Damaskus einmarschierten. Am nächsten Tag wurde das Arabische Königreich Syrien abgeschafft und die französische Herrschaft offiziell wiederhergestellt.
Nachwirkungen
Nach der Konferenz von Sanremo und der Niederlage von König Faisals kurzlebiger Monarchie in Syrien in der Schlacht von Maysalun errichtete der französische General Henri Gouraud eine Zivilverwaltung im Gebiet. Das Mandatsgebiet wurde in sechs Staaten unterteilt. Dabei handelte es sich um den Staat Damaskus (1920), den Staat Aleppo (1920), den Alawitenstaat (1920), den Drusenstaat (1921), den autonomen Sandschak Alexandretta (1921) (das heutige Hatay in der Türkei) und den Staat Großlibanon (1920), aus dem später der moderne Libanon wurde.
Literatur
- C. Flateau: La sortie de guerre de l’Empire ottoman: Grande Guerre, guerre nationale, guerre coloniale à la frontière syro-turque, 1918–1923. In: Les Cahiers Sirice. 17. Jg., Nr. 3, 2016, S. 29–45.
Einzelnachweise
- ↑ Meredith Reid Sarkees, Frank Whelon Wayman: Resort to war: a data guide to inter-state, extra-state, intra-state, and non-state wars, 1816-2007. CQ Press, 2010, ISBN 978-0-87289-434-1 (englisch, google.com).
- ↑ Don Peretz: The Middle East Today. Greenwood Publishing Group, 1994, ISBN 0-275-94575-8 (englisch, google.com).
- ↑ Benny Morris. Victims. the date of the first attack of Arabs against French interest on March, 1st.
- ↑ Tom Segev in One Palestine. Complete. the date of the first attack of Arabs against French interest on March, 1st.
- ↑ a b Caroline Camille Attié: Struggle in the Levant: Lebanon in the 1950s. I.B.Tauris, 2004, ISBN 1-86064-467-8, S. 15–16. (books.google.com)
- ↑ a b Eliezer Tauber: The Formation of Modern Syria and Iraq. Frank Cass and Co., Portland, Oregon 1995, S. 22.
- ↑ Eliezer Tauber: The Formation of Modern Syria and Iraq. Frank Cass and Co., Portland, Oregon 1995, S. 37.
- ↑ a b c Eliezer Tauber: The Formation of Modern Syria and Iraq. Frank Cass and Co., Portland, Oregon 1995.
- ↑ Timothy J. Paris: Britain, the Hashemites and Arab Rule: The Sherifian Solution. Routledge, 2004, ISBN 1-135-77191-X, S. 59.
- ↑ Elie Kedourie: England and the Middle East: The Destruction of the Ottoman Empire 1914–1921. Mansell Publishing, London 1987.