Francisco Pinto Balsemão

Francisco José Pereira Pinto Balsemão (; * 1. September 1937 in Lissabon; † 21. Oktober 2025 in Cascais) war ein portugiesischer Journalist, Unternehmer und Politiker (PSD). Er war von 1981 bis 1983 Premierminister von Portugal.

Leben

Pinto Balsemão studierte Jura an der Universität Lissabon. Nach Abschluss seines Studiums war er als Journalist tätig, 1973 war er ein Mitgründer der Zeitung Expresso in Lissabon, die in der Phase nach der Nelkenrevolution eine wichtige Rolle spielte und die er bis 1980 leitete. Er war Miteigentümer der portugiesischen Medien-Gruppe Impresa.

Sein politisches Engagement begann Pinto Balsemão noch zu Zeiten des Estado Novo. Auf der Liste der herrschenden União Nacional unter Marcelo Caetano (dem Nachfolger des langjährigen Diktators Salazar) wurde er 1969 als Abgeordneter des Bezirks Porto in die portugiesische Nationalversammlung gewählt. Dort gehörte er zusammen mit Francisco Sá Carneiro zum „Liberalen Flügel“ (Ala Liberal), einer Gruppe von Abgeordneten, die für eine vorsichtige Öffnung und Reformen innerhalb der Diktatur eintraten.

Nach der Nelkenrevolution 1974 gehörte er, zusammen mit Sá Carneiro, zu den Mitbegründern der Partido Popular Democrático (PPD; Demokratischen Volkspartei), die sich kurze Zeit später in Partido Social Democrata (PSD; Sozialdemokratische Partei) umbenannte. Diese positionierte sich zunächst sozialdemokratisch, beinhaltete als Sammelpartei aber auch christdemokratische, liberale und konservative Elemente und sprach als Gegenspielerin der Sozialisten und Kommunisten vor allem Wähler der rechten Mitte an.[1] Balsemão wurde 1975 in die Verfassunggebende Versammlung gewählt (in der die PPD hinter den Sozialisten zweitstärkste Kraft war) und wurde deren Vizepräsident.

Als 1979 das von der PSD geführte Mitte-rechts-Bündnis Aliança Democrática die Wahlen gewann und Sá Carneiro Premierminister wurde, trat Balsemão als Chef der Kanzlei des Ministerpräsidenten (Ministro Adjunto do Primeiro Ministro) in die Regierung ein. Premierminister Sá Carneiro kam am 4. Dezember 1980 unter bis heute ungeklärten Umständen bei einem Flugzeugabsturz in Camarate ums Leben, daraufhin wurde Pinto Balsemão am 9. Januar 1981 neuer Premierminister.

Pinto Balsemão führte im Wesentlichen die Politik Sá Carneiros fort, verfügte allerdings nicht über dessen Charisma. Einer der wichtigsten Erfolge seiner Regierung war die Durchsetzung einer Reihe von Verfassungsänderungen, mit denen einige Reformen aus der sozialistischen Phase nach der Nelkenrevolution aus der Verfassung getilgt wurden. So wurde der Revolutionsrat abgeschafft und die Stellung von Parlament und Regierung gegenüber dem Präsidenten gestärkt.

Das Ende der Regierungszeit Pinto Balsemãos war zunehmend von Auseinandersetzungen innerhalb der Regierungskoalition, besonders zwischen Pinto Balsemão und Diogo Freitas do Amaral, dem Parteivorsitzenden des christdemokratisch-konservativen Koalitionspartners CDS gekennzeichnet. Als die Koalition auseinanderbrach, trat Balsemão im Dezember 1982 zurück und Präsident Eanes setzte eine vorgezogene Parlamentswahl an. Bei dieser Wahl am 25. April 1983 wurde die oppositionelle Partido Socialista (PS) stärkste Partei. Der Vorsitzende der PS, Mário Soares, folgte am 9. Juni 1983 Pinto Balsemão im Amt des Premierministers nach.

Balsemão blieb nach der Wahlniederlage seiner Partei zunächst Parteivorsitzender. Da die PS bei der Wahl keine absolute Mehrheit der Parlamentssitze erhalten hatte, bildeten Sozialdemokraten und Sozialisten eine große Koalition. Innerhalb der PSD kam es zu wachsenden Widerständen gegen die als unnatürlich empfundene Koalition mit den Sozialisten und damit auch gegen Balsemão, der diese Koalition unterstützte. 1985 gelang es Aníbal Cavaco Silva, Balsemão auf einem Parteitag der PSD als Parteivorsitzenden zu stürzen. Die Sozialdemokraten verließen daraufhin die Regierung und wurden bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 6. Oktober 1985 stärkste Partei. Cavaco Silva wurde Ministerpräsident.

Anlässlich des Beitritts Portugals zu den Europäischen Gemeinschaften zum Jahresbeginn 1986 (Süderweiterung) entsandte das portugiesische Parlament Balsemão als einen von 24 vorläufigen Delegierten ins Europäische Parlament. Er verzichtete aber noch im Januar 1986 auf sein Mandat.[2] Balsemão war Mitglied im Steering Committee der Bilderberg-Konferenz.[3]

Balsemão verstarb am 21. Oktober 2025.[4]

Geschäftsmann

Nach dem Tod des Diktators Salazar stieg Balsemão ins Mediengeschäft ein und wurde auch geschäftlich erfolgreich. 1972 gründete er die Wochenzeitung Expresso, die mittlerweile zu einer Referenz in der aktuellen portugiesischen Gesellschaft geworden ist. Er war damals überzeugt, dass trotz der immer noch geltenden Zensur es möglich sein sollte, eine Wochenzeitung gehobenen Anspruches herauszubringen. Es war auch gleichzeitig der Start zum Aufbau seiner Medien-Gruppe Impresa. Diese wurde im März 1991 als Holding gegründet und ist inzwischen größter portugiesischer Medienkonzern geworden. Zu ihm gehören der Fernsehsender SIC, die Wochenzeitung Expresso und die Zeitschrift Visão. Ende 2010 tätigte die Impresa einem Umsatz von 271 Mio. Euro.[5] Seit Juni 2000 ist der Konzern an der Börse in Lissabon gelistet.

Francisco Pinto Balsemão war über seine Mutter ein Ururenkel des brasilianischen Kaisers Peter I. (= Peter IV. von Portugal).

Ehrungen

Literatur

Commons: Francisco Pinto Balsemão – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Riccardo Marchi, André Azevedo Alves: The Right and Far-Right in the Portuguese Democracy (1974–2022). In: Jorge M. Fernandes u. a. (Hrsg.): The Oxford Handbook of Portuguese Politics. Oxford University Press, Oxford/New York 2023, S. 102–118, hier S. 104.
  2. Francisco Pinto Balsemão in der Abgeordnetendatenbank des Europäischen Parlaments.
  3. Steering Committee. Bilderberg Meetings, archiviert vom Original am 11. März 2014; abgerufen am 16. Oktober 2010 (englisch).
  4. Marques Mendes cancela ações de campanha em memória de Francisco Pinto Balsemão. In: sicnoticias.pt. 22. Oktober 2025, abgerufen am 22. Oktober 2025 (portugiesisch).
  5. Jahresbericht Impresa 2010. (Memento vom 22. Mai 2011 im Internet Archive) (PDF) S. 3 (englisch).
VorgängerAmtNachfolger
Diogo Freitas do Amaral (kommissarisch)Premierminister von Portugal
1981–1983
Mário Soares