Florianer Stiftshaus

Das Florianer Stiftshaus steht im Stadtzentrum von Linz in Oberösterreich. Das Gebäude mit der Adresse Landstraße Nr. 22 gehört seit über vier Jahrhunderten dem Stift Sankt Florian und steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).

Geschichte

Das Stift Sankt Florian erwarb im Jahr 1615 zwei benachbarte Häuser und einen angrenzenden Garten und ließ an deren Stelle in den Jahren 1616 bis 1618 ein neues, geräumiges Haus erbauen.

Am 7. Dezember 1644 stellte Kaiser Ferdinand III. dem Propst Leopold einen Freibrief aus.[1] Im Gegenzug verzichtete das Kloster der Stadt gegenüber auf eine Forderung von 1000 Gulden und versprach, kein bürgerliches Handwerk in diesem Haus zu betreiben und alle Übeltäter unter dem Dachtropfen dem Magistrat auszuliefern. Am 16. Februar 1646 wurde die Hausbefreiung auch von der Stadt Linz anerkannt. Bereits 1647 kam es zum Streit mit der Stadt, weil der neu bestellte Florianer Propst Mathias Gotter die Zahlung des Burgrechtspfennigs verweigerte und 1649 den Kaiser bat, das Kloster ausdrücklich auch vom Burgrechtszins zu befreien. Im kaiserlichen Bescheid vom 26. Oktober 1649, den der Landeshauptmann ob der Enns Johann Ludwig von Kuefstein am 29. Oktober 1649 verlautbarte, wurde der Propst aber angewiesen, den Burgrechtszins rechtzeitig zu bezahlen.[2] Mit kaiserlichem Privileg vom 23. April 1681 wurde das Stiftshaus gegen eine Zahlung von 100 Gulden schließlich doch vom Burgrechtspfennig befreit.[3]

Mit kaiserlichem Reskript aus dem Jahr 1749 wurden alle Linzer Freihäuser der Steuerobrigkeit der Stadt unterstellt. Unter Kaiser Joseph II. wurde das Stiftshaus 1785 vom Religionsfond eingezogen, nach dessen Tod dem Stift im Jahr 1792 aber wieder zurückgegeben.

Während der Franzosenkriege musste das Stift Sankt Florian vom 21. Dezember 1800 bis 18. Februar 1801 französische Soldaten im Stiftshaus einquartieren und verköstigen.[4]

Architektur

Der Spätrenaissancebau auf fast quadratischer Grundfläche mit schmalem dreigeschoßigen Hofflügel wurde vermutlich von Baumeister Marco Martino Spazzio erbaut.[5] Der runde Erker mit jeweils vier Fenstern ruht auf einem Muschelkorb über dem Erdgeschoß. Das rundbogige Portal an der Landstraße ist von toskanischen Wandpfeilern aus Granitquadern flankiert und über dem Schlussstein mit der Jahreszahl 1616 bezeichnet. Über dem Portal befinden sich auffällige Doppelfenster.

Die kreuzgratgewölbten Arkadengänge in drei Geschoßen sind nach Westen hin geöffnet.

Ausstattung

Die Stuckdecke im sogenannten Tafelzimmer (Erkerraum) im ersten Obergeschoß schuf Giovanni Pietro Spazio im Jahr 1675. Im Erker befindet sich mittig das Wappen von Propst David Fuhrmann (1667–1689).[5]

Siehe auch

Literatur

  • Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Linz 2009. „Nr. 22/Florianer Stiftshaus“ S. 278–279.
  • Georg Grüll: Die Freihäuser in Linz. Verlagsanstalt Gutenberg, Linz 1955, S. 193–201 (Kapitel „3. Florianer Freihaus“).
  • Hanns Kreczi: Linzer Häuserchronik. Pirngruber, Linz 1941, S. 280, Laufnr. 540.
Commons: Florianer Stiftshaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Text des kaiserlichen Freibriefes von 1644 in Grüll 1955, Beilage 4, S. 389–390.
  2. Grüll 1955, S. 196.
  3. Grüll 1955, S. 197.
  4. Grüll 1955, S. 201.
  5. a b Dehio Linz 2009, S. 278.

Koordinaten: 48° 18′ 10,9″ N, 14° 17′ 19,5″ O