Walkmühle
Eine Walkmühle oder Vollmühle (auch: Walke, Dickmühle, Filzmühle, Lochwalke oder Bläue) ist eine seit dem Hochmittelalter eingesetzte Maschine zur Verarbeitung, Verdichtung und Veredelung von Geweben bei der Herstellung von Walkstoffen, die früher als Tuch bezeichnet wurden.
Sie ersetzte das Walken mit den Füßen, mit dem frisch gewebte Tücher durch Stoßen, Strecken und Pressen gereinigt und an der Oberfläche verfilzt wurden, damit sie dichter und geschmeidiger wurden. Gerber, besonders Weißgerber, bearbeiteten mit ihnen feines und dünnes Leder.[1] Vormals wurden mit ihnen auch durch das Färben der Wolle entstandene Verkrustungen gelockert und überflüssige Farbe ausgewaschen.[2]
Walkmühlen, die es in Europa schon im 12. Jahrhundert, vereinzelt auch früher gab, führten oft zu sozialen Problemen, weil eine Walkmühle bis zu 40 Fußwalker ersetzen konnte. Sie wurden deshalb, aber auch weil fußgewalkte Stoffe von besserer Qualität waren, teilweise verboten.
Bezeichnungen
Walkmühlen wurden vielerorts auch als Vollmühle bezeichnet. Dieser Begriff stammt von dem lateinischen Wort fullo, der Walker, deshalb wäre die Schreibweise Follmühle zutreffender; die Schreibweise mit V assoziiert aber, dass etwas Vollständiges hergestellt wurde.[3]
Die Bezeichnung Bläue stammt von dem Wort bläuen, was so viel bedeutet wie schlagen. Siehe auch "jdm etwas einbleuen / einbläuen", also mit großem Nachdruck beibringen. In gewissen Regionen kommt diese Bezeichnung in Flurnamen vor (z. B. Bläumatt).[4]
Funktionsweise
In den Tuchwalk- oder Vollmühlen wurden Wollstoffe in einem warmen und feuchten Zustand durch Schieben, Quetschen und Stampfen zu einem zusammenhängenden Körper mit glatter Oberfläche verfilzt. Auf diese Weise wurden die Fäden des Gewebes vollständig versteckt und so der Stoff leicht wasserabweisend. Wir kennen heute einen solchen Stoff noch als Loden. Weiterhin wurden andere Stoffe wie zum Beispiel Leinen leicht gewalkt, um sie geschmeidiger zu machen.[3]
Hammerwalke
Von Webstühlen produziertes Wollgewebe wird in der Walkmühle in Bottichen durch Holzhämmer, die über eine Welle und eine am Wellendrehpunkt gelagerte Schwinge von einem Wasserrad angetrieben werden, gewalkt, also gestaucht, verdichtet und geklopft. Durch Druck, Wärme und die Zugabe einer Walkflüssigkeit (z. B. einer Suspension von Ton in heißem Wasser) quellen die Gewebefasern auf, verfilzen und die Weblöcher schließen sich. Es entsteht ein verfilzter warmer Stoff, der Regen und Wind abweist.
Diese Art der Walkenmühle erklärt die Bezeichnung Bläue, was von bläuen (schlagen) kommt[4].
Druck- oder Kurbelwalke
Bei der Druckwalke, eine Verbesserung der Hammerwalke, wirken die Hämmer nicht im freien Fall auf das Gewebe, sondern die leichteren Hämmer drücken über Stangen auf das Tuch, um es nicht zu beschädigen.
Weblinks
Literatur
- Peter Nikolaus Caspar Egen: Walkmühlen. In: ders.: Untersuchungen über den Effekt einiger in Rheinland-Westphalen bestehenden Wasserwerke, hrsg. vom Ministerium des Innern für Handel, Gewerbe und Bauwesen, Teil I-II. A. Petsch, Berlin 1831, S. 184–191 (Google-Books) (detaillierte Darstellung der Mechanik und Technik)
- Michael Matheus und Lukas Clemens: Die Walkmühle, in: Europäische Technik im Mittelalter 800-1200. Tradition-Innovation, hg. von U. Lindgren, Berlin 1996, S. 233–234, ISBN 978-3-7861-1748-3
- Karl-Heinz Ludwig: Die Innovation der Nockenwelle im Übergang vom Früh- zum Hochmittelalter. Eine Skizze europäischer Quellenprobleme unter besonderer Berücksichtigung der Walkmühle. In: Technikgeschichte, 61. Bd. (1994), H. 3, S. 227–238.
Einzelnachweise
- ↑ Friedrich Wilhelm Weber: Die Geschichte der pfälzischen Mühlen besonderer Art. Verlag Franz Arbogast, Otterbach 1981.
- ↑ Färber und Wälker - Matthäus Welker 1976
- ↑ a b Hans Leonhard Brenner: Die Strunde und ihre Bergisch Gladbacher Mühlen, Hrsg. Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg e. V. in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Bergisch Gladbach, Bergisch Gladbach 2012, S. 35ff. ISBN 3-932326-67-9
- ↑ a b Ernst Eichenberger: Köniz und die Wasserversorgung der Stadt Bern, 2011, S. 34 (Fußnote), ISBN 978-3-9523247-3-8