Ferdinand von Hansemann

Ferdinand Hansemann, seit 1872, Ferdinand von Hansemann, später genannt Ferdinand von Hansemann(-Pempowo) (* 10. September 1861 in Berlin; † 3. Oktober 1900 ebenda)[1] war ein deutscher nationalistischer und antipolnischer Politiker und Großgrundbesitzer.

Leben

Hansemann war Enkel von David Hansemann und Sohn des Adolph von Hansemann und dessen Ehefrau Ottilie von Kusserow (1840–1919), Tochter eines Generals. Hansemanns Schwester Davide Eveline (1867–1935) wurde später Gutserbin des Familienfideikommiss Lissa-Laube in Polen, mit 3.893 ha, und war die Witwe des 1931 verstorbenen Majors Richard von Hindersin.

Nach dem Schulbesuch am Königlichen Wilhelms-Gymnasium in Berlin, wo Hansemann sich auch früh für Botanik interessierte,[2] studierte er Rechtswissenschaften. Im Jahr 1882 bestand Hansemann das Referendarexamen und promovierte zum Dr. jur., war kgl. preuß. Sekonde-Leutnant im 2. Leib-Husaren-Regiment „Kaiserin“ Nr. 2, ff. 2. Leib-Husaren-Regiment „Königin Viktoria von Preußen“ Nr. 2, dann Leutnant d. R. Nach einer Zeit im Staatsdienst wandte sich Ferdinand von Hansemann der Landwirtschaft zu und studierte auch noch dieses Fach. Er bewirtschaftete seit 1888 die Fideikommissherrschaft Pempowo, die sein Vater 1876 erworben hatte. Hier tauschte er als Gutsherr noch kurz vor seinem Ableben einzelne Flächen mit Flächen der Gemeinde.[3]

Ferdinand von Hansemann forderte eine stärkere Germanisierungspolitik in der Provinz Posen. Er organisierte Kundgebungen von deutschen Einwohnern der Provinzen Posen und Westpreußen für den ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck, zu dem er auch in eine persönliche Beziehung trat, weil er die angeblich entgegenkommende Politik gegenüber den Polen von Leo von Caprivi missbilligte. Hansemann war 1894 maßgeblich an der Gründung des deutschen Ostmarkenvereins beteiligt und dort offeriert jüngstes Gründungsmitglied.[4] Nach den Anfangsbuchstaben der Namen Hansemanns und der beiden Mitgründer Hermann Kennemann und Heinrich von Tiedemann-Seeheim wurde der Verein auch „Hakatisten-Verein“ genannt.[5][6][7] Hansemann war Mitglied im Hauptvorstand der Organisation und neben Tiedemann-Seeheim seit 1896 zweiter Vorsitzender. Er war zeitweise auch verantwortlich für das Vereinsorgan Die Ostmark. Er war zuständig zur Anwerbung von deutschen Siedlern. Er regte 1895 die Gründung der Landbank an, die zur Ansiedlung von Deutschen in den östlichen Provinzen beitragen sollte. Er plädierte für die Ausdehnung des Grundbesitzes in deutscher Hand und trat für eine Enteignung der polnischen Besitzer ein. Seine Versuche in der Freikonservativen Partei politisch an Einfluss zu gelangen, scheiterten.

„Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat in Posen sowohl wie in den meisten Städten der Provinz der früheren wirthschaftlichen Ueberlegenheit des deutschen Bürgerthums ein Ende bereitet. Sie hat den Konsum der polnischen Bevölkerung sowohl wie die polnische Produktion organisiert und das Polenthum dadurch befähigt, von allen wirthschaftlichen Vortheilen allgemeiner Art, d.h. auf den Gebieten der Erziehung, des Verkehrs, der geistigen Anregungen, einen unvergleichlich größeren Nutzen zu ziehen, …“[8]

Familie

Ferdinand von Hansemann heiratete 1885 in Heidelberg Josephine Stienen (1862–1936),[9] genannt Pepina.[10] Die Familie wohnte in Berlin, im Sommer in Pempowo, Kreis Gostyn bei Posen.[11]

Aus der Ehe gingen vier Töchter und ein Sohn hervor. Die älteste Tochter Ottilie (1886–1970) gründete mit Joachim von Oertzen (1877–1950) eine Familie und vererbte Gut Pempowo mit Nebenbesitz, seit 1939 Waldeneck genannt, an ihren Sohn Gert von Oertzen-Schorbus weiter.[12] Die Tochter Frida heiratete später Leo von Caprivi, einen Neffen des gleichnamigen Reichskanzlers. Die Tochter Ilse heiratete den Rechtsanwalt Hermann Münch, die jüngste Tochter Anna den Portraitmaler Leo Freiherr von König. Der einzige Sohn Albrecht von Hansemann wurde Erbe und starb als Reserveoffizier, unvermählt 1917, vormals im Potsdamer 1. Garde-Ulanen-Regiment und dann im Kompaniechef im Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2.

Ferdinands Witwe heiratete 1908 den kgl. preuß. Generalleutant Hans Graf von Schlippenbach (1846–1926).

Literatur

Einzelnachweise

  1. Krummacher: Gedächtnissrede bei der Trauerfeier für Dr. jur. Ferdinand von Hansemann-Pempowo. 1900. (9 Seiten), 1900. WorldCat. OCLC 180065818
  2. O. Kübler: K. (Königliches) Wilhelms-Gymnasium in Berlin. XIX. Jahresbericht. 1879. Progr. Nr. 52, Trowitzsch & Sohn, Berlin 1879, S. 37.
  3. Amtsblatt der Königlichen Regierung Posen zu . Nr. 49-1899, Julius Sittenfeld-Berlin, Posen, Ausgegeben, 5. Dezember 1899, S. 596.
  4. Sabine Grabowski: Deutscher und polnischer Nationalismus. Der Deutsche Deutsche Ostmarken-Verein und die polnische Straż 1894-1914. In: Materialien und Studien zur Ostmitteleuropa-Forschung. 3; Hrsg. Herder-Institut, Marburg 1998, S. 77.
  5. Sanine Grabowski: Deutscher und polnischer Nationalismus – Der Deutsche Ostmarken-Verein und die polnische Straż 1894-1914. In: Materialien und Studien zur Ostmitteleuropa-Forschung. 3; Hrsg. Herder-Institut, Marburg 1998.
  6. Vgl. Jens Oldenburg: Der Deutsche Ostmarkenverein 1894-1934. Berlin 2002.
  7. Sowie: Martin Sprungala: Die Hakatisten. Teil 1: Hansemann, In: Posener Stimmen. Nr. 5, Mai 2009, Lüneburg, 56. Jahrgang. Lüneburg, Mai 2009.
  8. Dörte Lerp: Imperiale Grenzräume. Bevölkerungspolitiken in Deutsch-Südwestafrika und den östlichen Provinzen Preußens 1884 - 1914. Auflage-Online Ressource, Campus, Frankfurt-Main/New York 2016, ISBN 978-3-593-43042-3, S. 249.
  9. Deutsches Geschlechterbuch. Band 148, Allgemein-Band 41, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1968, S. 37.
  10. Ralf Lindemann: Das weiße Schloss am Meer – Schloss Dwasieden in Sassnitz auf der Insel Rügen. 1. überarbeitete und erweiterte Neuauflage, Tennemann Verlag, Schwerin 2013, ISBN 978-3-941452-11-4, S. 70.
  11. Crafft Botho Freiherr von Eberstein: Gesellschaft von Berlin. Hand- und Adreßbuch für die Gesellschaft von Berlin und Umgebung, Charlottenburg. Jg. 3, In: Almanach der Guten Gesellschaft Deutschlands. Band I, Verlag W. Gronau, Berlin 1893/4, S. 149.
  12. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1941. Jg. 40, Justus Perthes, Gotha 1940, S. 356. Siehe: FamilySearch (Kostenfrei).
  13. Gert Hagelweide: Literatur zur deutschsprachigen Presse. Eine Bibliographie. Band (Teil) 1, In: Bibliothek des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V., K. G. Saur, München 1985, ISBN 3-598-21288-7, S. 256.