Fania Durmashkin
Fania Fanny Durmashkin-Beker (geboren am 13. Oktober 1921 in Vilnius; gestorben am 21. Januar 1998 in den Vereinigten Staaten) war eine litauische Pianistin und Überlebende des Holocaust.
Leben
Fania Durmashkin wurde am 13. Oktober 1921 in Vilnius geboren. Ihre Mutter hieß Shayna Durmashkin (1890–1943) und ihr Vater Akiva Durmashkin (1887–1943) arbeitete als Dirigent, Komponist und Impresario. Er führte sie, ihren Bruder, den Dirigenten Wolf Durmashkin, und ihre Schwester, die Sopranistin Henia Durmashkin, früh an die Musik heran. So wuchs sie mit der Musik von Mozart, Beethoven, Chopin, Grieg, Liszt und Tschaikowsky auf. Fania Durmashkin besuchte das jiddische Realgymnasium sowie das hebräischsprachige Tarbut-Gymnasium („Kunstgymnasium“) in Vilnius. Sie erhielt bereits als Kind Klavierunterricht und begleitete Kantoren und Sänger, die mit ihrem Vater und ihrem Bruder zusammenarbeiteten. Später besuchte sie das Konservatorium in Vilnius. Nach der deutschen Besetzung durch die Wehrmacht wurde sie mit ihren Eltern und Geschwistern im Ghetto Vilnius inhaftiert.[1]
Überleben im Holocaust
Im Ghetto wurde ihr Bruder Wolf Durmashkin vom Ghettoleiter Jakob Gens mit der Gründung eines Ghettoorchesters beauftragt, um die Moral zu stärken. Wolf Durmashkin gründete zudem einen 100-köpfigen Chor. Für den Chor komponierte er hebräische Lieder. Bei einem Auftritt am 15. März 1942 dirigierte er das erste Konzert im Ghetto und Fania Durmashkin führe dabei das Klavierkonzert von Chopin auf. Das letzte Konzert fand am 29. August 1943 statt. Dreieinhalb Wochen später wurde das Ghetto liquidiert. Die arbeitsfähigen Personen wurden als Zwangsarbeiter ausgewählt, alle anderen, auch die Eltern von Fania Durmashkin, wurden im Wald von Ponary ermordet. Wolf Durmashkin wurde in das KZ-Außenlager Klooga deportiert, wo er kurz vor der Auflösung des Lagers 1944 getötet wurde. Fania und Henia Durmashkin wurden zunächst in das KZ Riga-Kaiserwald bei Riga, dann in das KZ-Außenlager Riga Dünawerke deportiert. Gemeinsam mit ihrer Schwester wurde sie nach etwa einem Jahr in das KZ Stutthof bei Danzig verlegt. Von dort wurden sie für etwa zwei Monate in das Zwangsarbeitslager Poniewiez in Litauen und danach in das KZ Dachau, zunächst in das Außenlager Landsberg, später in das Hauptlager gebracht. Dort hatte Fania das Glück, eine Stelle als Hausmädchen im Haus eines Nazi-Arztes zu finden, der sie freundlich behandelte. Sie wurde Anfang Mai 1945 während des Todesmarsches von der amerikanischen Armee befreit.[1]
Nach dem Holocaust
Nach ihrer Befreiung aus dem KZ kam sie gemeinsam mit ihrer Schwester und anderen Mitgliedern des ehemaligen Dachauer Lagerorchesters in das DP-Lager im Kloster Sankt Ottilien. Dort wurden Überlebende aufgenommen und im angeschlossenen Krankenhaus behandelt. Nur 21 Tage später standen die Schwestern das erste Mal wieder auf der Bühne. Gemeinsam mit anderen Überlebenden hatten sie ein Orchester gegründet. Das Orchester nannte sich The Represenzentanc Orkester fun der Szeerit Hapleitah (das Orchester, das den überlebenden Rest repräsentiert). Ein weiteres Mitglied des Orchesters war der Violinist Max Beker, der ebenfalls aus Vilnius stammte. Danach kam sie in das DP-Lager Fürstenfeldbruck.[1] Fania Durmashkin trat als Pianistin auch bei den Nürnberger Prozessen, sowie für die amerikanische Armee und bei einem zionistischen Kongress auf.
Als der Dirigent und Pianist Leonard Bernstein 1948 ins DP-Lager Landsberg kam, trat er mit ihr, ihrer Schwester und den anderen Mitgliedern des Orchesters, zu denen auch Max Beker gehörte auf.[1]
Über das Konzert schrieb Bernstein, tief bewegt von dieser Erfahrung, an seine Sekretärin Helen Coates:[2]
„Ich wurde von Paraden von Kindern mit Blumen und den größten Ehren empfangen... Ich dirigierte...ausgerechnet den Freischütz und weinte mir das Herz aus dem Leib.“
Am 10. Mai 2018, 70 Jahre nach Bernsteins erster Aufführung, fand in Landsberg am Lech ein Gedenkkonzert statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde der erstmals verliehene Wolf Durmashkin Composition Award verliehen, benannt nach dem Bruder von Fania und Henia Durmashkin, der 1944 ermordet worden war.[3]
Auswanderung in die Vereinigten Staaten
Gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrem späteren Ehemann Max Beker gelang es ihr 1949, in die Vereinigten Staaten auszuwandern. In den Vereinigten Staaten schlug sie keine professionelle Laufbahn als Pianistin ein, begleitete aber ihre Schwester bei Auftritten im Rahmen jüdischer Veranstaltungen am Klavier, oft wirkte auch ihr Mann als Violinist mit. Das Paar bekam eine Tochter. Auch ihre Schwester Henia Durmashkin heiratete, sie hatte ihren Mann auf der Überfahrt kennengelernt und bekam drei Kinder. 1962 nahmen sie gemeinsam die Schallplatte „Songs to Remember“ mit Ghettoliedern auf. Für die Gedenkstätte Yad Vashem fertigte Fania Beker 1988 Zeugnisse zum Tod ihrer Eltern und ihres Bruders an.[1]
Fania Durmashkin-Beker starb am 21. Januar 1998 in den Vereinigten Staaten.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Sophie Fetthauer: Fanny Beker, in: Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit, Claudia Maurer Zenck, Peter Petersen (Hg.), Hamburg: Universität Hamburg, 2006, abgerufen am 1. Dezember 2025
- ↑ 1948 Landsberger Konzert. In: ort.org. holocaustmusic.ort.org, abgerufen am 30. November 2025 (deutsch).
- ↑ News – 09. Nov. 2017 – Kompositionswettbewerb zum Thema „Musik und Holocaust“ erstmals ausgeschrieben. In: miz.org. Abgerufen am 30. November 2025.