Fahrradtypen
Mit dem Fahrradtyp wird die Bauweise eines Fahrrades beschrieben. Eine Typzuordnung ist nicht immer eindeutig.
Nach Verwendungszweck, welcher sich u. a. in Rahmen(geometrie) und technischer Ausstattung ausdrückt, kann z. B. in Tourenrad, Trekkingrad, Mountainbike, Reiserad, Rennrad und Triathlonrad unterschieden werden.[1]
Nach der Zielgruppe kann in Alltagsräder, Fahrräder für den sportlichen Gebrauch, Militärfahrräder und sonstige Fahrradtypen unterschieden werden.[2] An dieser Typisierung orientiert sich dieser Artikel.
Alltagsräder
- Tourenrad: Wird auch Stadt- oder Cityrad genannt. Bezeichnung für ein schwereres Rad mit bequemerer Sitzposition, häufig mit Nabenschaltung (Spezialform: Hollandrad)
- Trekkingrad: Sportliches Alltagsrad, welches sich auch für längere Touren eignet. Rahmengeometrie sportlicher als beim Tourenrad. Überwiegend mit 28-Zoll-Laufrädern und profilierten Reifen ausgestattet, die für eine Nutzung auch auf unbefestigten Wegen geeignet sind. Zumeist mit einer Kettenschaltung ausgerüstet. Kann mit einem oder mehreren Gepäckträgern ausgestattet werden, die das zuverlässige Befestigen von Packtaschen erlauben, sodass der Fahrer auf längeren Fahrradtouren oder Radreisen ausreichend Gepäck mitführen kann, wobei Trekkingräder auf eine eher geringe Gepäcklast als Reiseräder ausgelegt sind. Eine weniger gebräuchliche Bezeichnung für diese Fahrradgattung ist All Terrain Bike (ATB).
- Falträder werden im Alltag z. B. von Pendlern in Kombination mit dem ÖPNV eingesetzt.
Für den Radsport entwickelte Fahrräder
- Rennrad oder -maschine für Straßenrennen (28 Zoll Laufräder mit Schlauchreifen, Draht- oder Faltreifen und schlauchlose Reifen)
- Zeitfahrmaschine: Zeitfahrmaschinen sind aerodynamisch optimierte Rennräder mit großer Übersetzung, für Geschwindigkeitswettbewerbe auf der Straße (Laufradgrößen 24–28 Zoll). Da kein Windschattenfahren erlaubt ist, werden sie besonders hinsichtlich Windwiderstand optimiert. Am Hinterrad haben sich Scheibenräder etabliert. Zeitfahrmaschinen sind vom Weltverband UCI weniger reglementiert als andere Wettbewerbsrennräder, daher sind Innovationen möglich.
- Bahnrad: Bahnräder sind Rennräder ohne Bremsen, Schaltung und Freilauf (starre Hinterradnabe), für Bahnrennen (Laufradgröße 27 Zoll). Sie haben oft einen kürzeren Radstand als Straßenrennräder. Zeitfahrmaschinen für Radrennbahnen sind nach einer Phase der Innovationen inzwischen wieder technisch reglementiert und entsprechen weitestgehend dem technischen Stand des Fahrrades, mit dem Eddy Merckx 1972 den Stundenweltrekord aufgestellt hat. Scheibenräder sind üblich, werden aber nicht ausschließlich eingesetzt. Bevorzugt werden Schlauchreifen eingesetzt, da Drahtreifen für den idealen hohen Luftdruck nicht geeignet sind.
- Kriteriumsrad: Diese sind heute nicht mehr allgemein gebräuchlich. Aufgrund der vielen Kurven bei Kriteriumrennen werden ein höher liegendes Tretlager und/oder kürzere Tretkurbeln benötigt (165 mm statt 175 mm). Wegen höherer Querbelastungen durch häufige Querlagen sowie häufiges Sprinten werden gern statt der üblichen 2,0-1,6-2,0 mm DD Speichen solche mit 1,8 mm Mitteldurchmesser eingebaut. Pedale werden so gewählt, dass die Füße möglichst hoch über den Pedalachsen liegen. Als Bereifung finden 27-Zoll-Schlauchreifen bevorzugt Verwendung.
- Steherrad: groß übersetztes Bahnrad zum Fahren im Windschatten von Motorrädern (Laufradgröße 27 Zoll). Steherräder haben einen sehr kurzen Radstand und ein höher liegendes Tretlager. Damit der Radsportler möglichst nah an Motorrad heranfahren kann, ist das Vorderrad mit 14 Zoll kleiner und nach hinten versetzt. Für den nötigen Nachlauf (stabiles Fahrverhalten) ist die Gabel nach hinten gebogen.
- Triathlonrad: auf gute Aerodynamik ausgelegt, da Windschattenfahren verboten ist. Meist 28 Zoll Laufradgröße. Auf die Anforderungen im Triathlon angepasste Geometrie (anschließender Marathonlauf). Die weniger strengen technischen Regeln (im Vergleich zur UCI) ermöglichen eine spezielle Anpassung (z. B. aerodynamische Rohrprofile, steiler Sitzrohrwinkel)
- Crossrad: Ähnlich einem Trekkingrad, aber leichter und ohne Straßenausstattung. Üblicherweise mit geländetauglicher 28"/29"-Bereifung und geradem MTB-Lenker.
- Fitnessrad: Leichter Rahmen mit Rennradkomponenten, jedoch mit geradem Lenker.
- Gravelbike: Ähnlich einem Rennrad, mit robusterem Rahmen und Ausstattung sowie Stollenreifen, auch zum Einsatz im Gelände bei Cyclocross-Rennen.
- Mountainbike, kurz MTB: robustes Rad für unbefestigtes Gelände. Die Radgröße betrug ursprünglich fast ausschließlich 26 Zoll, mittlerweile sind eher 27,5 und 29 Zoll gängig. Der Begriff Mountainbike überspannt mehrere Unterkategorien für unterschiedliche Einsatzzwecke, vom Dirt Bike für Hindernisparcours mit Sprungrampen über Enduros für Querfeldeinrennen zu Downhill-Geräten für Bergabfahrten. Technische Entwicklungen für Mountainbikes wurden teilweise auf andere Fahrradtypen übertragen. Beispiele sind Alltagsräder mit Federgabeln, Ballonreifen oder Scheibenbremsen. Das ebenfalls für Sport auf unwegsamen Strecken gebaute Cyclocross-Rad zählt durch seine ungefederte Rennrad-Geometrie – wie das Gravel Bike – nicht in die MTB-Kategorie.
- Fatbike: Mountainbikes mit besonders breiten Reifen zum Einsatz auf Schnee, Sand und anderen weichen Untergründen.
- Trialbike: spezielles Rad ohne Sattel, zum Überwinden von anspruchsvollen Hinderniskursen, siehe Trial (Radsport), 20 bis 26 Zoll
- Radballrad: für die Sportarten Radball und Radpolo
- Kunstrad: für die Sportart Kunstradfahren
- BMX-Rad: kleinrädriges Rad ursprünglich für Cross-Rennen und Trial
Fahrräder mit vorwiegend militärischer Nutzung
- Melderfahrrad (auch Meldefahrrad genannt) dient zur nichtmotorisierten, nahezu geräuschlosen Fortbewegung eines Melders.
- Militärfahrrad (Schweden) Das schwedische Militärfahrrad (schwedisch: militärcykel) oder schwedisches Armeefahrrad wurde vom schwedischen Militär über ein Jahrhundert eingesetzt.
- Ordonnanzrad 05 war ein eigens für die Radfahrtruppen der Schweizer Armee konzipiertes Dienstfahrrad.
- Truppenfahrrad unterschiedlicher Machart wurde im Verlauf der Militärgeschichte von Einheiten diverser Länder genutzt.
Sonstige Fahrradtypen
- Bäckerrad: Lastenfahrrad mit Ladefläche über dem Vorderrad, entwickelt zur Zustellung von Waren.
- Balloonbike: Wortmarke des Unternehmens Ralf Bohle für Fahrräder mit breiten Reifen (Ballonreifen).
- Betriebsfahrrad: Ein Fahrrad als Arbeitsmittel auf dem Betriebsgelände
- Bonanzarad: Modeerscheinung der 1970er-Jahre; ein Jugendrad mit hohem Lenker und Sitzbank statt Sattel.
- Cavallo: Ein Fahrrad, welches anstelle von Tretkurbeln durch die Bewegung des ganzen Körpers über ein Gelenkviereck angetrieben wird.
- ConferenceBike: Fahrrad für 7 Personen, die wie an einem Tisch im Kreis angeordnet sitzen
- Cruiser (englisch für Kreuzer) ist ein Fahrradtyp aus den frühen 1950er-Jahren. Es sind Fahrräder mit lang wirkendem Rahmen in geschwungener Form und großem Lenker im Harley-Stil. Sie sind einfach ausgestattet und sehr schwer.
- Dreirad: als Behindertenfahrrad, Fahrradrikscha oder als Variante des Liegerads
- Eingangrad: Fahrrad ohne Gangschaltung, auch Singlespeed genannt
- Einrad: Rad mit Kurbel und Sattel, das den Gleichgewichtssinn trainiert
- Fahrradtaxi: Fahrrad zum Passagiertransport.
- Faltrad bzw. Klapprad: falt- oder zerlegbares Rad jeder Kategorie.
- Fixie: Fahrrad mit starrer Nabe ohne Gangschaltung oder Freilauf. Pedale und Räder sind in ständiger Verbindung („fixed gear“). Bremsen hat das klassische Fixie nicht und ist somit nicht straßenzugelassen. Die Geschwindigkeit wird ausschließlich über die Trittfrequenz reguliert. Der Radtyp stammt ursprünglich aus dem Bahnradsport, hat aber auch als Kurier-Rad Verbreitung gefunden.
- Hollandrad: Fahrrad niederländischer Bauart mit aufrechter Sitzposition des Fahrers
- Hydrobike: eine Art Fahrrad auf dem Wasser
- Kinderfahrrad: speziell auf die Körpergröße von Kindern ausgelegtes Fahrrad mit kindgerechten Sicherheitsmerkmalen
- Klappfahrrad: siehe Faltrad
- Kompaktfahrrad: in Größe etwa wie ein Faltrad, jedoch nicht klapp-/faltbar
- Lastenfahrrad: 2- oder 3-rädrige Ausführung für Post, Radkuriere usw.
- Liegerad: mit tief liegendem Sitz mit Rückenlehne und vorne angebrachten Kurbeln, auch für Geschwindigkeitsrennen verwendet
- Lowrider: besonders niedriges Fahrrad
- Nebeneinandem: ein Fahrrad für zwei Personen nebeneinander
- Pedersen: Fahrrad bestehend aus dünnen Rohren, der Sattel ist auf einem Gurtband montiert, auch Hängemattensattel genannt
- Postfahrrad: ein Fahrrad, mit dem Briefträger unterwegs sind
- Reiserad: Tourengeeignetes Rad mit Gangschaltung, mehreren Gepäckträgern, langem Radstand und vergleichsweise schwerem Aufbau
- Rikscha: meist dreirädrig, Fahrrad-Taxi für den Passagier-Transport
- Sesselrad: Sitzposition wie „im Sessel“
- Spaßfahrräder (Freakbikes, Minifahrräder, Zirkusfahrräder, Jahrmarktfahrräder wie im Humoristischen Velodrom) mit besonderen Eigenschaften, z. B. Swingbikes mit zusätzlichem Gelenk im Rahmen.
- Spezialrad: Gattungsbegriff für Fahrradtypen mit besonderer Bauform, besonderen Bestimmungszwecken oder anderem Antrieb.
- Stehrad wird stehend statt sitzend bedient
- Tandem: ein Fahrrad für zwei Personen hintereinander
- Trimm-Dich-Rad: ein fahrradähnliches, stationäres Sportgerät, auch Fahrrad-Ergometer genannt
- Tallbike: eine besondere Form des Hochrads
- Velomobil: Liegedreirad mit Karosserie
- Zweirad mit Frontantrieb
Fahrräder mit Hilfsantrieb
- E-Bike: Elektrofahrrad, ein Elektromotor kann (per Drehgriff oder Knopfdruck) hinzugeschaltet werden. Ein E-Bike gilt in Deutschland als Kraftfahrzeug (in der Schweiz als Fahrrad). Der Begriff wird sehr häufig als Synonym für Pedelec verwendet, auch wenn dies formal nicht korrekt ist.
- Mofa: Motor-Fahrrad bzw. Motorisiertes Fahrrad.
- Pedelec: Ein Elektromotor schaltet sich beim Pedalieren hinzu. Ohne Pedalieren darf der Elektromotor keine Leistung abgeben. Ein Pedelec gilt in Deutschland als Fahrrad.
- Vélosolex
Siehe auch
Literatur
- Peter de Leuw: Fahrräder Richtig auswählen, sicher fahren. 1. Auflage, Beuth Verlag GmbH, Berlin-Wien-Zürich, 2006, ISBN 3-410-16487-1
- Rüdiger Bellersheim, Ernst Brust, Michael Gressmann, Dietmar Hertel, Franz Koslar: Tabellenbuch Fahrradtechnik, Europa-Lehrmittel, 2. Auflage. (September 2011); ISBN 978-3-8085-2332-2
Weblinks
Fußnoten
- ↑ Rüdiger Bellersheim, Ernst Brust, Michael Gressmann, Dietmar Hertel, Franz Koslar: Tabellenbuch Fahrradtechnik, Europa-Lehrmittel, 2. Auflage. (September 2011); ISBN 978-3-8085-2332-2; Seite 221.
- ↑ Tabellenbuch Fahrradtechnik, Seite 191–193, zitiert nach Ralf Roletschek, Fahrradmonteur.de