Eugenie Bandell

Louise Eugenie Bandell (* 21. Dezember 1858 in Frankfurt am Main; † 2. April 1918 ebenda) war eine deutsche Malerin, Radiererin und Grafikerin.

Leben

Eugenie wurde in Frankfurt geboren als drittes Kind des Frankfurter Kaufmanns Heinrich Gottlieb Bandell (1831–1902) und seiner Frau Emilie geb. Schumm (1833–1896). Sie hatte acht Geschwister, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten. Die Familie war wohlhabend.[1]

Bandell soll sich zunächst ab 1880 mehrfach um Aufnahme in die „Damenklasse“ des Städelschen Kunstinstituts bemüht haben, jedoch aus Platzmangel abgelehnt worden sein. Von 1887 bis 1895 erhielt sie ihre künstlerische Ausbildung an der Zeichenakademie in Hanau bei Paul Andorff, der dort die Malklasse leitete. Für ihre Leistungen an der Akademie wurde sie wiederholt belobigt und ausgezeichnet. Parallel dazu besuchte sie, ebenfalls in Hanau, einige Jahre die private Malschule von Georg Cornicelius, als dessen letzte Schülerin sie gilt. 1894 malte sie ein realistisches, dunkel gehaltenes Selbstbildnis, das Cornicelius' Einfluss zeigt. Während ihres Studiums in Hanau begann sie an Ausstellungen teilzunehmen, so waren ihre Werke unter anderem 1892 im Frankfurter Kunstverein zu sehen.[1]

Nach Abschluss der Ausbildung in Hanau setzte Bandell ihre Studien in Frankfurt am Main fort. Ab 1895 nahm sie Unterricht in Radiertechnik bei Bernhard Mannfeld, der ein Bekannter ihrer Familie war. Zu der 1897 von ihm herausgegebenen Publikation Original-Radierungen Frankfurter Künstler steuerte sie zwei Blätter bei.[1] 1899/1900 war Bandell eine Meisterschülerin von Wilhelm Trübner, der ein von der Städelschule zur Verfügung gestelltes Gastatelier für den Privatunterricht nutzte und auch auf Exkursionen die Freilichtmalerei lehrte. Beeinflusst durch seinen Unterricht wurde Bandells Palette heller und ihr Pinselduktus energischer. Hatte sie sich zuvor auf Porträts konzentriert, malte sie nun zunehmend Landschaften und Stillleben. 1902 wurden Bandell und Alice Trübner von der Zeitschrift Die Kunst für Alle als die bedeutendsten Talente unter den Trübner-Schülern hervorgehoben.[1]

Um 1902 mietete Bandell ein eigenes Atelier am Städelschen Kunstinstitut, in dem sie bis zu ihrem Tod 1918 arbeitete. Sie beschäftigte sich in dieser Zeit insbesondere mit der französischen Avantgarde und der japanischen Kunst, löste sich vom Vorbild Trübners und entwickelte einen eigenständigen, modernen Stil. Dieser zeichnete sich durch eine zunehmend abstrakte Formensprache aus.[2] Statt Naturfarben setzte sie nun auch kräftige Farbtöne ein. Häufig versah sie ihre Werke mit der Signatur „Eug. Bandell“, die einige Rezensenten als „Eugen Bandell“ und somit als die eines männlichen Künstlers interpretierten.[1]

Bandell beschickte zahlreiche Ausstellungen innerhalb Deutschlands und auch im Ausland (Paris, Wien, Zürich). Beispielsweise nahm sie an den Münchner Jahresausstellungen im Glaspalast (1897, 1898, 1901, 1904, 1905), den Ausstellungen der Berliner Secession (1900–1902) und Münchener Secession (1903, 1904) teil. Ab 1900 präsentierte sie ihre Werke nahezu jedes Jahr bei Ausstellungen in Frankfurt, wie den Jahresausstellungen Frankfurter Künstler und den Ausstellungen des Frankfurter Kunstvereins.[1] Ihre Arbeiten verkaufte sie unter anderem über die Kunsthandlung Ludwig Schames.[3]

Eugenie Bandell war 1913 Gründungsmitglied und Teil des Vorstandes des Frauenkunstverbandes.[4] Sie war auch Mitglied des von Mathilde Stegmayer initiierten Dreistädtebundes, des Frankfurter Ortsvereins der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft und des Frankfurter Friedensvereins.[1]

Die Familie Bandell wohnte ab 1871 in einem Haus in der Hermannstraße 35 in Frankfurt-Nordend. Eugenie Bandell starb dort 1918 im Alter von 59 Jahren und wurde auf dem Frankfurter Hauptfriedhof im Familiengrab beigesetzt, wo auch ihr Bruder Max Theodor (1869–1879) und ihre Eltern begraben sind. 1920 fand eine Eugenie Bandell gewidmete Gedächtnisausstellung des Frankfurter Kunstvereins statt.[1]

Bei einem Luftangriff auf Frankfurt am Main am 22. März 1944 zerstörte ein Brand das Haus der Familie und einen Großteil des künstlerischen Nachlasses von Eugenie Bandell, darunter 250 Ölgemälde, 43 Aquarelle, 30 Gouachen und 60 Radierungen. Erhalten blieben über 150 Werke in privaten und öffentlichen Sammlungen, darunter die des Städel Museums und des Historischen Museums Frankfurt, das 1984 eine Retrospektive zu der Künstlerin zeigte.[1]

Werke (Auswahl)

  • Selbstbildnis, 1894, Öl auf Pappe, 46,5 × 38,7 cm, Städel Museum (Schenkung der Nichte Eugenie Haas-Bandell 1956, Inventarnummer 2057, ausgestellt)[5]
  • Weiblicher Rückenakt, vor 1899, Öl auf Leinwand, Historisches Museum Frankfurt
  • Die Alte, um 1900, Historisches Museum Frankfurt
  • Bildnis eines Jünglings vor bunter Tapete, 1908, Öl auf Leinwand, Historisches Museum Frankfurt
  • Sonne am Mittag (Wilhelmsbad), 1913, Öl auf Leinwand, 64,5 × 70,5 cm, Städel Museum (erworben 1919, Inventarnummer SG 301, ausgestellt)
  • Japanische Puppen mit Äpfeln, 1915, Öl auf Leinwand, 80 × 84,2 cm, Städel Museum (erworben 1925, Inventarnummer SG 377)

Literatur

Commons: Eugenie Bandell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i Claudia Olbrych: Bandell, Eugenie im Frankfurter Personenlexikon 11. Januar 2025. Abgerufen am 29. November 2025.
  2. Eugenie Bandell. Sonne am Mittag (Wilhelmsbad), 1913. In: sammlung.staedelmuseum.de. Abgerufen am 29. November 2025.
  3. Kunsthandlung Ludwig Schames (Hrsg.): Kunstsalon 1917. Frankfurt am Main Mai 2017.
  4. Staedelmuseum: Digitale Sammlung – Eugenie Bandell. Abgerufen am 17. April 2022.
  5. Eugenie Bandell. Selbstbildnis, 1894. In: sammlung.staedelmuseum.de. Abgerufen am 29. November 2025.