Erich von Braunschweig-Wolfenbüttel

Herzog Erich von Braunschweig-Wolfenbüttel (DOC) (geboren 1500 vermutlich in Braunschweig oder Wolfenbüttel; gestorben zwischen 10. August 1531 und 25. Januar 1532 vermutlich in Koblenz) war ein Adliger des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel aus dem Geschlecht der Welfen sowie Komtur des Deutschen Ordens in Memel und Landkomtur von Koblenz.

Leben

Erich von Braunschweig war ein Sohn des Fürsten Heinrich I. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1463–1514) und dessen Frau Katharina (1465–1526), Tochter von Herzog Erich II. von Pommern. Seine Geschwister waren Christoph (1487–1558), Katharina (1488–1563), Heinrich der Jüngere (1489–1568), Elisabeth (um 1491–1563), Franz I. (1492–1529), Georg (1494–1566) und Wilhelm (vor 1514–1557). Er war ein Neffe des Herzogs Erich von Braunschweig-Kahlenberg (1470–1530).

Nach dem Tod des Vaters wurde er von seinen älteren Brüdern versorgt und erzogen. Heinrich der Jüngere meldete bei Dietrich von Cleen den Wunsch an, dass sein Bruder in den Deutschen Orden aufgenommen werden solle. Zum Eintritt in den Orden musste der Bruder eine einmalige Zahlung von 1000 Gulden leisten, die der Ausstattung des jungen Ritters dienen sollte. Zusätzlich war eine jährliche Zahlung von 400 Gulden fällig, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Im Gegenzug wurde ihm die Ballei Koblenz versprochen, sobald der vorherige Inhaber Ludwig von Sainsheim verstorben sein werde. Die Einkleidung des neuen Ritters fand am 18. März 1517 in Stettin statt. Er war von 1518/1519 bis 1525 Komtur von Memel. Er hielt sich seit seinem Ordenseintritt zumeist am Hof des Hochmeisters Albrecht in Königsberg auf, der sich dadurch die Unterstützung das Welfenhauses für seine Politik sichern wollte.

Im März 1520 hielt er sich in Memel auf und verteidigte im Krieg mit Polen diese wichtige Burg und Stadt, die zugleich den Verkehr zwischen Preußen und Livland sicherte. Bis 1522 war er ein treuer Anhänger des Hochmeisters und dessen politischen Leiters Dietrich von Schönberg (Schomberg; 1484–1525). Erst auf der Reise nach Thorn, auf der er Albrecht begleitete, der sich dort jedoch durch Andreas Osiander zur Reformation hingezogen fühlte, wandte er sich von diesem ab. Er war einer der Ordensritter, die mit der Säkularisation des Deutschordensstaates unzufrieden waren und hielt seinerseits an der römischen Kirche fest. 1523 kehrte der junge Herzog nach Memel zurück und unterstützte Severyn Norby.

1524 wurde er zum Landkomtur von Koblenz berufen und ernannt. In der Liste der Landkomture findet sich allerdings für das Jahr 1524 noch ein Wilhelm Graf von Eisenberg (Isenburg) und erst für den Zeitraum von 1527 bis 1532 Erich von Braunschweig-Wolfenbüttel. Seine Nachfolger wurden Oberst-Marschall Georg von Eltz († 1532) und der Hauskomtur Walter von Heußenstamm oder Heusenstein.[1][2] Er kehrte Anfang 1525 nochmals nach Memel zurück, da er den Ehrgeiz hatte, seinen Traum vom Hochmeistertum zu verwirklichen.[3] Der Herzog von Braunschweig weigerte sich, die Veste Memel an Albrecht, den neuen Herzog, zu übergeben. Er stellte sich dem ankommenden Herzog in vollem Harnisch mit gezogenem Schwert vor dem Eingang der Memelburg in den Weg, um Albrecht seinen Unmut kundzutun, da er ihm jegliche Hoffnung in ein höheres Ehrenamt berufen zu werden, zerstört habe. Selbst die Möglichkeit, ihm nach Albrechts Ableben als Hochmeister nachzufolgen, wurde durch seine Religionsveränderung genommen, da sich nur wenige Ordenspersonen dafür entschieden hätten, beim alten Glauben zu bleiben. Es gelang ihm weder, die Entwicklung in Preußen aufzuhalten, noch konnte er sich gegenüber dem Deutschmeister durchsetzen. Doch wurde der Herzog auf andere Art entschädigt. Er erhielt die Zusage von 300 oder 400 Gulden jährlich für seinen und die anderen bei der römischen Kirche verbliebenen Domherrn bekamen das Amt Salau zugesprochen, um ihrem Lebensunterhalt zu bestreiten.[4] Er trat seine Rückreise nach Koblenz an, wobei er krankheitsbedingt mehrere Zwischenstopps machte, zunächst in Braunsberg, wo er sechs Monate im Krankenbett lag und im November 1525 weilte er bei seinem Bruder Heinrich. Anschließend begab er sich nach Koblenz. Hier soll er zu Anfang des Jahres verstorben sein. Der Deutschmeister Albrecht berichtete in einem Brief an den Kurfürsten von Trier vom 25. Januar 1532, dass ihn die Nachricht vom Tod des Herzogs bei seinem Aufenthalt auf der neu errichteten Burg Horneck erreicht habe.[5][6]

Literatur

  • Der Deutschmeister und Herzog Erich von Braunschweig. In: Johannes Voigt: Geschichte des deutschen Ritter-Ordens in seinen zwölf Balleien in Deutschland. Band 2, S. 24–25 (digitale-sammlungen.de).
  • Julius Weise: Herzog Erich von Braunschweig, der letzte Komtur des Deutschordens zu Memel. In: Beilage zum Programm der Vorstädtischen Realschule zu Königsberg i.Pr. Ostpreußische Druckerei und Verlagsanstalt, Königsberg 1908 (digital.ulb.hhu.de).
  • Kurt Forstreuter: Erich von Braunschweig-Wolfenbüttel. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 4. Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 585–586 (deutsche-biographie.de).
  • F. Spehr: Erich von Braunschweig-Wolfenbüttel. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 6, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 202 f.
  • Erich, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, Deutschordenskomtur. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 3: Einstein–Görner. K. G. Saur, München 2006, ISBN 3-598-25033-9, S. 119 (books.google.de – entspricht dem Eintrag der Neuen Deutsche Biographie).
  • Andreas Hesse: Königsberg und die Welfen. Kaum noch bekannte dynastische Beziehungen. In: Heimatland. Zeitschrift des Heimatbundes Niedersachsen, Heft 4, Dezember 2016, S. 142–149, hier S. 144–145 (Erich von Braunschweig-Wolfenbüttel. heimatbund-niedersachsen.de PDF).

Einzelnachweise

  1. Komthure der Ballei Koblenz. In: Johannes Voigt: Geschichte des deutschen Ritter-Ordens in seinen zwölf Balleien in Deutschland. Band 1, S. 666–667 (digitale-sammlungen.de).
  2. Karl Hopf: 422. Landcomthure des Deutschen Ordens in der Ballei Coblenz. In: Historisch-genealogischer Atlas seit Christi Geburt bis auf unsere Zeit. Abteilung I: Deutschland, Band 1. Perthes, Gotha 1858, S. 233 (Textarchiv – Internet Archive).
  3. Kurt Forstreuter: Erich von Braunschweig-Wolfenbüttel. In: Neue Deutsche Biographie. Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 585–586 (deutsche-biographie.de).
  4. Karl Friedrich Pauli: Allgemeine Preussische Staats-Geschichte, samt aller dazu gehörigen Königreichs, Churfürstenthums, Herzogthümer, Fürstenthümer, Graf- und Herrschaften, aus bewährten Schriftstellern und Urkunden bis auf gegenwärtige Regierung. Band 4. Christoph Peter Francke, Halle 1763, S. 420–421 (Textarchiv – Internet Archive).
  5. Johannes Voigt: Geschichte des deutschen Ritter-Ordens in seinen zwölf Balleien in Deutschland. Band 2, S. 24–25 (digitale-sammlungen.de „Der Deutschmeister verweilte im Anfang des Jahres 1532 auf der neuerbauten Ordensburg zu Horneck, als ihm dort die Nachricht zukam, daß der Tod des bisherigen Landkomthurs zu Koblenz, des Herzogs Erich von Braunschweig ihn von diesem lästigen Gegner befreit habe“).
  6. Julius Weise: Herzog Erich von Braunschweig, der letzte Komtur des Deutschordens zu Memel. In: Beilage zum Programm der Vorstädtischen Realschule zu Königsberg i.Pr. Ostpreußische Druckerei und Verlagsanstalt, Königsberg 1908 (digital.ulb.hhu.de).