Erich Boehme
Erich Paul Boehme (* 30. Juli 1879 in Berlin; † 30. August 1945 ebenda) war ein deutscher Slawist und Übersetzer.
Leben und Wirken
Der Vater Paul Boehme war Kaufmann und Bankier in Berlin.[1][2] Erich Boehme besuchte das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium und legte dort 1898 die Reifeprüfung ab. Anschließend studierte er Slawistik in Bonn, Berlin, Wien, Krakau und Moskau und promovierte 1903 in Leipzig bei August Leskien. In diesem Jahr empfahl ihn Julius Jochens von der Königlichen Bibliothek in Berlin dem bekannten Slawisten Varoslav Jagić.[3]
Seit 1906 war Erich Boehme als Dozent für Russisch an der Handelshochschule in Berlin tätig, 1914 endete diese Tätigkeit nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs.[4] Danach begann er mit Übersetzungen und entwickelte sich zu einem wichtigen Vermittler russischer belletristischer Literatur in Deutschland.
Publikationen (Auswahl)
Erich Boehme übersetzte etwa 25 russische Werke und war an der Herausgabe von einigen weiteren beteiligt.
Übersetzungen
- Viktor Porzeziński, Einleitung in die Sprachwissenschaft, Teubner, Leipzig 1910
- Katharina II. in ihren Memoiren, Insel, 1916, mehrere Neuausgaben bis 1996
- Maxim Gorki, Foma Gordejew, Wolff, München [1924], mehrere Neuausgaben
- Maxim Gorki, Erlebnisse und Begegnungen, Ladyschnikow, Berlin [1924]
- Leo Tolstoi, Volkserzählungen, Ladyschnikow, Berlin [1925], mehrere Neuausgaben bis 2022 (Digitalisat)
- Leo Tolstoj, Hadschi Murat, Ladyschnikow, Berlin [1925], mehrere Neuausgaben
- Ossip Dymow, Die letzte Geliebte, Ladyschnikow, Berlin [1926]
- Nikolaj Erdman, Das Mandat, Ladyschnikow, Berlin 1926
- Maxim Gorki, Wanderer in den Morgen, Ullstein, Berlin 1926
- Maxim Gorki, Der 9. Januar, Malik, Berlin 1926[5]
- Maxim Gorki, Märchen der Wirklichkeit, Malik, Berlin 1928
- Maxim Gorki, Erinnerungen an Zeitgenossen, Malik, Berlin 1928
- Maxim Gorki, Das blaue Leben und andere Erzählungen, Malik, Berlin [1928]
- Ilja Grusdew, Das Leben Maxim Gorkis, Malik, Berlin 1928
- Maxim Gorki, Erinnerungen an Leo N. Tolstoj, Insel, Leipzig [1928]
- Leo Tolstoj, Herr und Knecht, Malik, Berlin 1928
- Dmitri Mereschkowski, Leonardo da Vinci, Knaur, Berlin 1928, mehrere Neuauflagen bis 2023
- Michail Bulgakow, Sojkas Wohnung, Ladyschnikow, Berlin 1929, mehrere Neuauflagen bis 2018
- Fjodor Dostojewski, Der Spieler, Büchergilde Gutenberg, Berlin 1929
- Maxim Gorki, Wie ein Mensch geboren wird und andere Erzählungen, Malik, Berlin 1930
- Maxim Gorki, In der Steppe und andere Erzählungen, Malik, Berlin 1930
- Nina Smirnowa, Marfa, Reiss, Berlin 1932, verboten nach 1933[6]
- Ossip Dymow, Der Sänger seiner Trauer, Bloch, Berlin [1935], Bühnenmanuskript
Literatur
- Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. 1945. S. 63 (kurzer Auszug), Nachruf
- Wolfgang Gladrow (Hrsg.): Beiträge zur slawischen Philologie. Festschrift für Fred Otten,. Lang 2007, S. 217 (kurzer Auszug), mit einigen biographischen Informationen
Weblinks
- Literatur von und über Erich Boehme im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Erich Boehme. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- Literatur von Erich Boehme Deutsches Literaturarchiv Marbach
- Suche nach Erich Boehme. In: Deutsche Digitale Bibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Erich Boehme, Die Actiones der Verba Simplicia in den altbulgarischen Sprachdenkmälern, Breitkopf & Härtel, Leipzig 1904, Dissertation, mit Lebenslauf (Auszug); gab einen Bankier als Vater an
- ↑ Boehme. In: Adreßbuch für Berlin und seine Vororte, 1897, I., S. 114., erwähnt einen Bankier und Getreidehändler Paul Boehme; in Boehme. In: Berliner Adreßbuch, 1880, I., S. 86. erwähnte nur einen Dr. phil. Em[anuel] Paul Boehme, Dirig[ent] der Prüfungsstation für Baumaterialien an der Technischen Hochschule und Inhaber einer Unterrichtsanstalt für Maschinenbau und Baugewerke (der wahrscheinlich ein anderer war)
- ↑ Arbeiten aus der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Band 38, 1992, S. 43 (kurzer Auszug), in einem Brief von Ende 1903, die Umstände sind dort beschrieben
- ↑ Wolfgang Gladrow (Hrsg.): Beiträge zur slawischen Philologie, 2007, S. 217, mit einigen biographischen Angaben
- ↑ Erwin Czikowsky et al. (Hrsg.), Maxim Gorki in Deutschland. Bibliographie 1899–1965, de Gruyter, 2023, S. 166, zu Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Malik 1926–1930
- ↑ Erich Boehme Verbrannte und Verbannte, mit verbotenen Büchern ab 1933