Emil Schneebeli

Heinrich Emil Schneebeli (* 19. Oktober 1854 in Affoltern a. A.; † 19. Oktober 1914 in Zürich) war ein Schweizer Kaufmann, Bildhauer und Politiker (Freisinnige).

Leben

Emil Schneebeli wurde 1854 in Affoltern geboren und besuchte hier und in Hedingen die Primar- und Sekundarschule. 1870 begann er eine kaufmännische Lehre im Bildhaueratelier von Gottlieb Andreas Wolf in Zürich, wo er aber nicht nur im Büro arbeitete, sondern sich auch als Skulpteur weiterbildete. 1878 kaufte er Wolf das Geschäft ab[1] und entwickelte es zum neben jenem von Louis Wethli bedeutendsten Atelier der Stadt.[2]

Schneebeli war Mitglied im Kaufmännischen Verein Zürich und stand ihm ab 1875 als Präsident vor. Ebenfalls war er im Chorwesen aktiv. Ab 1885 war er Kassier des Zürcher Männerchors «Harmonie» und zwischen 1891 und 1899 dessen Präsident. Er organisierte zahlreiche Chorreisen im In- und Ausland, so 1892 nach Karlsruhe und 1911 nach Amsterdam. 1905 war er Präsident des Organisationskomitees für das Eidgenössische Sängerfest in Zürich.[1]

In der Schweizer Armee diente er zuletzt als Oberstleutnant in der 4. Division.[1]

Von 1885 bis 1909 sass Schneebeli für die Freisinnige Partei im Zürcher Gemeindeparlament, dem Grossen Stadtrat, den er 1900 präsidierte. Parallel dazu war er ab 1897 Kantonsrat und stand hier der Rechnungsprüfungskommission vor. 1909 wurde er als Nachfolger des verstorbenen Stadtpräsidenten Hans Konrad Pestalozzi in den Stadtrat gewählt, wo ihm das Steuerwesen unterstand.[1] In der Sorge, zu wenig Zeit für seine Familie zu haben, hatte er den Schritt in die Exekutive zuvor wiederholt abgelehnt.[3]

Infolge einer schweren Erkrankung trat Schneebeli am 14. Juli 1914 von seinen politischen Ämtern zurück. Er starb am Abend seines sechzigsten Geburtstags, am 19. Oktober. An der nach seinem Wunsch schlicht gehaltenen Beisetzung am 23. Oktober sang die «Harmonie» Da unten ist Friede und An mein Vaterland.[1] Seine Nachfolge im Stadtrat trat Adolf Streuli an.

Schneebeli war verheiratet und hatte zwei Kinder.

Werke

Welchen künstlerischen Anteil Schneebeli selbst an den unter seinem Namen bzw. demjenigen seiner Firma figurierenden bildhauerischen Werken hatte, ist kaum mehr zu beurteilen. Auf jeden Fall hatte er keine offizielle Ausbildung als Bildhauer und viele «hochgradig spezialisierte»[2] Angestellte, die Aufträge für ihn ausführten. Alle bekannten Werke aus seinem Atelier stehen in der Stadt Zürich:

Literatur

  • † Oberst Emil Schneebeli, alt Stadtrat. In: Zürcher Wochen-Chronik. Nr. 44, 31. Oktober 1914, S. 1 f. (online).
  • W. B.: † Alt Stadtrat Emil Schneebeli. In: Neue Zürcher Zeitung. Morgenblatt. Nr. 1477, 31. Oktober 1914, S. 1 f. (online).

Einzelnachweise

  1. a b c d e † Oberst Emil Schneebeli, alt Stadtrat. In: Zürcher Wochen-Chronik. Nr. 44, 31. Oktober 1914, S. 1 f. (online).
  2. a b c Christine Süssmann: Restauration und Bedeutung eines historischen Familiengrabes. Stadt Zürich, Juli 2010, S. 3 (PDF; 158 kB).
  3. W. B.: † Alt Stadtrat Emil Schneebeli. In: Neue Zürcher Zeitung. Morgenblatt. Nr. 1477, 31. Oktober 1914, S. 1 f. (online).
  4. Friedhöfe. In: Zürcher Wochen-Chronik. Nr. 21, 21. Mai 1904, S. 2 (online).
  5. «Monumentalbrunnen» 1906. In: Kunstbestand der Stadt Zürich. Abgerufen am 24. Dezember 2025.
  6. «Bürgli-Brunnen» 1906. In: Kunstbestand der Stadt Zürich. Abgerufen am 24. Dezember 2025.
  7. «Bluntschlibrunnen» 1909. In: Kunstbestand der Stadt Zürich. Abgerufen am 24. Dezember 2025.