Embricho von Würzburg

Embricho († 10. oder 11. November 1146 in Aquileia[1] in Italien) war von 1127 bis zu seinem Tod Bischof von Würzburg.

Familienkontext und frühe Karriere

Embricho, auch Embrico oder Emich, stammte aus einer hochadligen Familie im Bistum Mainz. Der Name weist auf eine Abkunft von den im Rheingau ansässigen Embrichonen, die zuvor schon Erzbischof Ruthard von Mainz (1089–1109) gestellt hatten. Die früher oft angeführte Herkunft aus der Familie der Grafen von Leiningen[2] ist irrig.[3]

Er hatte eine standesgemäße Ausbildung, näheres dazu ist nicht bekannt.[4] Erzbischof Adalbert I. von Mainz setzte ihn als Leiter der königlichen Kanzlei ein.[5] Seit spätestens 1118 war er der Propst des Erfurter Doms St. Marien und spätestens seit 1125 Erfurter Archidiakon.[6]

Bischof

Auf Empfehlung des Erzbischofs und mit der Unterstützung und in Anwesenheit von König Lothar III. wurde er an Weihnachten 1127 in Würzburg zum Bischof von Würzburg gewählt[7] und wahrscheinlich auch gleich mit den Regalien investiert.[8] Die Bischofsweihe erteilte am 18. März 1128 Erzbischof Adalbert I. in Mainz.[9]

Das beendete zugleich ein fünfjähriges Schisma, bei dem sich Dompropst Rugger, der zur päpstlichen Partei zählte und 1125 verstarb, und Gebhard von Henneberg[Anm. 1] gegenüberstanden.

Embricho teilte das Bistum Würzburg in Archidiakonate und Landkapitel auf und scheint auch sonst dessen Verwaltung modernisiert zu haben. Unter seinem Episkopat ist eine deutlich vermehrte Ausstellung von Urkunden zu beobachten.[10] Er wird als umsichtiger Regent in politischen wie auch in religiösen Fragen beschrieben.

Embricho gründete das Schottenkloster Würzburg auf der linken Mainseite als dritte Benediktinerabtei in der Stadt. Das Gründungsdatum ist durch eine mittelalterlich ge- oder verfälschte Urkunde nicht ganz sicher. Er weihte 1138 die Kapelle des Klosters St. Jakobus d. Ä. und schon 1127 das Kloster Ebrach.[11] Weiter förderte er die Klöster Oberzell der Prämonstratenser[12], das Kloster Münchsteinach der Benediktiner[13], das Kloster Wechterswinkel der Zisterzienserinnen und weitere Klöster.[14]

Unter Embricho wurde in der Stadt Würzburg durch Dombaumeister Enzelin die erste steinerne Brücke über den Main errichtet[15], Vorgängerin der heutigen Alten Mainbrücke.[Anm. 2]

Embricho bestattete 1139 den verstorbenen, mit ihm befreundeten Bamberger Bischof, Otto I. Eine aus diesem Anlass verfasste Leichenrede ist erhalten, die Autorenschaft wird Embricho zugeschrieben.[16]

Als erster Bischof von Würzburg führte Embricho den Herzogstitel (dux) in Franken – allerdings nur auf Münzumschriften.[17]

Reichspolitiker

Embricho gilt als treuer Gefolgsmann Kaiser Lothar III. und später auch Konrads III.[18] Bei einer Reichssynode in Würzburg entschieden sich die anwesenden 16 Bischöfe zugunsten von Papst Innozenz II. und gegen Papst Anaklet II. Embricho nahm im Folgejahr an der Reichsversammlung in Lüttich unter Lothar III. teil, bei der der König Papst Innozenz II. den Stratordienst leistete und ihm Hilfe im Kampf gegen Anaklet II. zusagte.[19]

Im Kampf zwischen den Staufern und den Welfen nahm das Bistum eine strategisch bedeutsame Position ein: Es trennte die beiden welfischen Einflussbereiche Baiern und Sachsen. Mehrfach hielt sich Lothar III. in Würzburg auf und mehrfach besuchte Embricho Reichsversammlungen unter Lothar III. außerhalb seines Bistums. Embricho nahm aber an keinem der beiden Italienzüge Lothar III. teil.[20]

Nachdem Lothar III. Ende 1137 auf dem Rückweg von seinem zweiten Italienzug verstorben war, wurde Konrad III. zum König erhoben. Embricho fand ohne Schwierigkeiten auch guten Kontakt zum neuen König, besuchte bereits dessen erste Reichsversammlung 1138 in Köln, gehörte in der Folgezeit zu dessen engstem Beraterkreis und erscheint so oft, wie kein anderer Reichsfürst, als Zeuge in Königsurkunden.[21]

Auf dem Reichstag in Würzburg 1138 wurde gegen Herzog Heinrich den Stolzen die Reichsacht ausgesprochen.[22] Embricho zog mit dem König gegen die Sachsen an die Werra, gegen Welf VI. nach Schwaben und nahm an der Belagerung der Burg Weinsberg 1140 und der Schlacht von Weinsberg teil.[23] Im Mai 1142 kam es auf einem Hoftag in Frankfurt am Main zum Ausgleich zwischen König Konrad III. und den Welfen : Albrecht der Bär verzichtete auf das Herzogtum Sachsen, das Heinrich dem Löwen übertragen wurde, Heinrich verzichtete auf das Herzogtum Bayern. Bischof Embricho war in Frankfurt anwesend und nahm anschließend an dem Feldzug des Königs nach Böhmen teil. Auch besuchte Embricho zahlreiche weitere Reichsversammlungen, die der König einberief.[24]

Im April 1139 ist die Anwesenheit von Bischof Embricho auf dem Zweiten Laterankonzil bezeugt.[25] In der zweiten Jahreshälfte 1141 hielt er sich erneut – diesmal als Gesandter Konrad III. am Hof von Papst Innozenz II. – in Rom auf, um den Italienzug Konrad III. vorzubereiten.[26]

Bei der Heirat der Schwägerin von König Konrad III., Bertha von Sulzbach – als Kaiserin trug sie den Namen Irene –, mit dem byzantinischen Kaiser Manuel I. im Januar 1146 war Embricho in Konstantinopel als diplomatischer Vertreter Konrads III. anwesend. Auf der Rückreise starb er in Aquileia und wurde dort begraben. Sein Grabmal ist nicht erhalten.[27]

Literatur

Werke

Sekundärliteratur

  • Franz Xaver von WegeleEmbricho. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 6, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 79 f.
  • Alfred Wendehorst: Embricho. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 4. Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 474 (deutsche-biographie.de).
  • Alfred Wendehorst: Das Bistum Würzburg Teil 1 (= Die Bischofsreihe bis 1254), Walter de Gruyter & Co, Berlin 1962, S. 140–151.
  • Alfred Wendehorst: Embricho Bischof von Würzburg. In: Gerhard Pfeiffer (Hg.): Fränkische Lebensbilder. Band 2. Kommissionsverlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 1968, (= Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte, Reihe VII A, Band 2), S. 1–7.
  • Wolfram Ziegler: König Konrad III. (1138–1152). Hof Urkunden und Politik. Böhlau, Wien u. a. 2008. ISBN 978-3-205-77647-5

Anmerkungen

  1. Gebhard von Henneberg verzichtete auf seinen Anspruch, als Bischof anerkannt zu werden, und wurde 1150 erneut zum Bischof von Würzburg gewählt.
  2. Diese erste steinerne Brücke wurde bei einem Hochwasser 1442 schwer beschädigt und anschließend durch die heutige „Alte Mainbrücke“ ersetzt.

Einzelnachweise

  1. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 149.
  2. Vgl. dazu: Ziegler, S. 111, Anm. 732; Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 140.
  3. Alfred Wendehorst: Embricho. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 4. Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 474 (deutsche-biographie.de).
  4. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 140.
  5. Ziegler, S. 111.
  6. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 140.
  7. Ziegler, S. 111f.
  8. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 140.
  9. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 141.
  10. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 145.
  11. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 146.
  12. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 145.
  13. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 146.
  14. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 147f.
  15. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 148.
  16. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 143, 149.
  17. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 141.
  18. Ziegler, S. 112f.
  19. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 141.
  20. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 142.
  21. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 142.
  22. Ziegler, S. 113.
  23. Ziegler, S. 117.
  24. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 144.
  25. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 143; Ziegler, S. 116.
  26. Ziegler, S. 118; Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 144.
  27. Ziegler, S. 121; Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 144.
  28. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 149.
  29. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 149.
  30. Wendehorst: Das Bistum Würzburg, S. 149.
VorgängerAmtNachfolger
Gebhard von HennebergBischof von Würzburg
1127–1146
Siegfried von Truhendingen