Ellen Landquist

Ellen Maria Landquist (* 14. Dezember 1883 in Stockholm, Schweden; † 16. November 1916 ebenda) war eine schwedische Journalistin und Schriftstellerin. Ihr Roman Suzanne von 1915 gilt als der erste schwedische Studentinnenroman.

Familie

Landquist war eine Tochter des Pfarrers Axel Landquist (1843–1933). Zu ihren fünf Geschwistern gehören der Literaturkritiker und Pädagoge John Landquist (1881–1974) und der Offizier und Militärschriftsteller Daniel Landquist (1891–1962).

Ellen Landquist war unverheiratet und kinderlos.

Leben

Landquist wuchs im Stockholmer Stadtteil Södermalm auf.[1] Nach dem Abitur studierte sie ab 1905 an der Universität Uppsala Literaturgeschichte. Sie gehörte dort zur zweiten Generation von Studentinnen und war mit Lisa Rolf (1886–1932) und Greta Beckius (1886–1912) eng befreundet. Zum weiteren Bekanntenkreis gehörte auch Emilia Fogelklou.

Nach Abschluss ihres Studiums erhielt sie 1910 eine Anstellung als Journalistin bei Svenska Dagbladet in Stockholm. Unter dem Kosenamen Murre gehörte sie zu einem als Ligan bekannten Freundeskreis, dem auch Elin Wägner, Célie Brunius, Vera von Kræmer, Ester Blenda Nordström und Ellen Rydelius angehörten. Insbesondere Elin Wägner, die seit 1910 mit ihrem Bruder John verheiratet war, war eine enge Vertraute. In dem (nicht mehr erhaltenen) Kurzfilm Hon fick platsen eller Exkonung Manuel i Stockholm von 1911 (nach einem Drehbuch von Elin Wägner) spielte sie die Hauptrolle, eine arbeitsuchende Journalistin.[2]

Im Jahr 1915 veröffentlichte Landquist ihren ersten Roman mit dem Titel Suzanne. Es blieb ihr einziges Buch, denn im folgenden Jahr erkrankte sie an Anämie und starb einen Monat vor ihrem 33. Geburtstag. Sie wurde auf dem Norra begravningsplatsen in Solna bei Stockholm bestattet.

Elin Wägner griff ihr Schicksal in dem 1922 erschienenen Roman Den namnlösa auf.

Werk

In ihrem Roman Suzanne verarbeitete Ellen Landquist sowohl eigene Erlebnisse als auch die ihrer Freundin Greta Beckius, die von 1906 bis 1908 eine unglückliche Affäre mit John Landquist unterhalten hatte und 1912 Selbstmord beging. Beckius hinterließ ein unvollendetes Romanmanuskript, das Ellen Landquist aber offensichtlich nicht gelesen hat.[3]

Beckius′ Roman Marit Grene, der nie veröffentlicht wurde, war deutlich autobiografisch geprägt. Landquists Roman Suzanne ist dagegen stilisiert. Auch er handelt von einer Studentin, hier mit Namen Suzanne Dahlmark, die an der patriarchalisch geprägten Gesellschaft der Universität fast zerbricht. Der von ihr geliebte Kommilitone wendet sich von ihr ab, weil sie verleumdet wird; ein Bekannter aus dem Studentenwohnheim vergewaltigt sie; bei einem Nervenarzt erfährt sie kein Verständnis, sondern eine Verurteilung. Anders als Greta Beckius stirbt Suzanne jedoch nicht, sondern legt am Ende des Romans die schon an die Schläfe gehaltene Pistole wieder weg. Die Literaturwissenschaftlerin Birgitta Holm charakterisiert den Roman als „eine feingestimmte Studie über weibliche Erotik und weibliches Seelenleben“ („en finstämd studie över kvinnlig erotik och kvinnligt själsliv“).[4]

Bei der Vollendung des Romans wurde Landquist durch ihren Bruder John und ihre Schwägerin Elin Wägner unterstützt. Wägner machte auch ihren Einfluss geltend, damit das Buch im angesehenen Albert Bonniers förlag erscheinen konnte. Es erregte einiges Aufsehen, besonders wegen der freizügigen Schilderungen weiblicher Sexualität. Bald aber geriet es weitgehend in Vergessenheit. Erst seit einer Neuauflage im Jahr 2015 wird es in der Forschung wieder stärker beachtet.

Schriften

  • Suzanne. Roman. Albert Bonniers förlag, Stockholm 1915.(Digitalisierte Ausgaben)
  • Suzanne. Roman. Albert Bonniers förlag, Stockholm 2015.
Commons: Ellen Maria Landquist – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die Biografie folgt, wenn nicht anders angegeben, dem Artikel im Svenskt kvinnobiografiskt lexikon (siehe Weblinks), abgerufen am 3. Dezember 2025, und dem Abschnitt in Ulla Isaksson, Erik Hjalmar Linder: Elin Wägner. Bonniers, Stockholm 2015 (Google Books).
  2. Eintrag zum Film in der Svensk Filmdatabas, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  3. Marta Ronne: Greta Beckius och den omöjliga studentskeromanen. In: Kvinnovetenskaplig tidskrift 17, 1996, S. 3–14, hier Anm. 7.
  4. Birgitta Holm: Det tredje könet. In: The History of Nordic Women’s Literature Online, abgerufen am 12. November 2025. Auch die Inhaltsangabe folgt diesem Aufsatz.