Ein Nobody gegen Putin

Film
Titel Ein Nobody gegen Putin
Originaltitel Mr. Nobody Against Putin
Produktionsland Dänemark, Tschechien, Deutschland
Originalsprache Russisch, Englisch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 90 Minuten
Produktions­unternehmen Made in Copenhagen,
Pink Productions,
ZDF/Arte
Stab
Regie David Borenstein,
Pavel Ilyich Talankin
Drehbuch David Borenstein
Produktion Helle Faber,
Radovan Síbrt,
Alžběta Karásková,
Petra Dobešová
Kamera Pavel Ilyich Talankin
Schnitt Nicolaj Monberg,
Rebekka Lønqvist
Besetzung
Pavel „Pasha“ Talankin

Ein Nobody gegen Putin (Originaltitel: Mr. Nobody mod Putin, internationaler Titel: Mr. Nobody Against Putin) ist ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2025 des Regisseurs David Borenstein und des russischen Videofilmers Pavel Ilyich Talankin. Der Film folgt Talankin während seiner Arbeit an einer Gesamtschule in Karabasch, eine Stadt in der Oblast Tscheljabinsk (Russland), die um ein Kupferbergwerk nah der Uralgebirge besiedelt ist und die von der UNESCO auf die Liste der stärksten verschmutzten Städte der Welt gesetzt wurde.[1]

Im Rahmen seiner schulischen Aufgabe, den Schulalltag und verpflichtende Schulveranstaltungen per Videokamera festzuhalten, hatte Talankin gleichzeitig die Möglichkeit, die Ausführung von staatlichen Verordnungen bezüglich des Ukraine-Kriegs filmisch festzuhalten.[2]

Der Film hatte seine Weltpremiere am 25. Januar 2025 beim Sundance Film Festival 2025 in der Sektion World Cinema Documentary und gewann dort den Sonderpreis der Jury. Er wurde als dänischer Beitrag im Wettbewerb für den Best International Feature Film bei den 98. Academy Awards in den USA nominiert.[3]

Handlung und Hintergrund

Das Videomaterial für Mr. Nobody Against Putin wurde über einen Zeitraum von zwei Jahren vom Talankin aufgenommen, der als Videograf und Veranstaltungskoordinator an der Primary School #1 Karabasch, in der Oblast Tscheljabinsk, arbeitet.[4]

Nach dem Überfall der Ukraine durch russischen Streitkräfte in 2022 wurde am 5. September 2022 ein neues Schulfach mit dem Namen „Gespräche über Wichtiges“[5][6][7] landesweit eingeführt, in dem jeden Montag „patriotische Darbietungen“ für und mit den Schülern anhand eines staatlich vorgeschriebenen Lehrplans veranstaltet wurde, um die sogenannten „Spezielle Militäroperation“ zu rechtfertigen. Gleichzeitig führte die Regierung die Verpflichtung ein, Aufnahmen dieser Darbietungen auf ein staatliches Portal hochzuladen, um die Einhaltung der Vorschriften nachzuweisen. So konnte Talankin unauffällig Treffen, Unterricht und Besucher der Schule filmen, ohne Verdacht zu erregen.[8] Ursprünglich hatte er vor, seine Anstellung zu kündigen, um die russische Regierung nicht zu unterstützen, doch nachdem er mit dem Regisseur David Borenstein in Kontakt getreten war, zog er seine Kündigung zurück, um weiterhin Filmmaterial zu sammeln.[8]

Im Sommer 2024, zum Anfang der Sommerferien, buchte Talankin eine Urlaubsreise und verließ Russland mit der Unterstützung von seinen Filmproduzenten und seinem Co-Regisseur David Borenstein, der sich darum bemühte, ihm in Europa Asyl zu verschaffen, nachdem im Film Beweise für eine polizeiliche Überwachung seines Hauses gezeigt worden waren.[9]

Veröffentlichung

Nach der Premiere[10] bei der Sundance Film Festival im Januar 2025 wurde der Film auf zahlreiche Filmfestivals auf der ganzen Welt gezeigt.[11][12][13] Die deutschsprachige Veröffentlichung soll am 13. Januar 2026 über die Arte-Mediathek stattfinden, bevor er eine Woche später bei Arte ausgestrahlt werden soll.

Rezeption

IndieWire veröffentlichte eine positive Kritik, gab dem Film die Note „A-“ und lobte den Dokumentarfilm für seine Undercover-Aufnahmen aus dem Leben in Russland.[4] The Guardian war ähnlich positiv und lobte Talankin für seinen Mut bei der Aufnahme der Bilder.[14] The Daily Beast und Variety veröffentlichten ebenfalls positive Rezensionen.[8][15] The A.V. Club war kritischer und merkte an, dass der Fokus des Films auf einer einzigen Schule ihn in seinem Umfang begrenzt erscheinen ließ und dass mehrere Erzählstränge im Laufe des Films fallen gelassen wurden.[16]

Die Auszeichnung des Films beim Sundance Film Festival 2025 mit dem Sonderpreis der Jury in der Kategorie „World Cinema Documentary Film“ wurde wie folgt erklärt:[17]

„For the courageous act of documenting the insidious origins of propaganda in Russian schools and for showing us how easy it is to use misinformation to manipulate... (Deutsch: Für den mutigen Akt, die heimtückischen Ursprünge der Propaganda in russischen Schulen zu dokumentieren und uns zu zeigen, wie leicht es ist, Fehlinformationen zur Manipulation zu nutzen...).“

Außerdem wurde der Film 2025 für den Cinema for Peace Dove for The Political Film of The Year nominiert.[18]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Eine der schmutzigsten Städte der Welt – Dreck und Gleichgültigkeit. In: goethe.de. Abgerufen am 22. November 2025.
  2. Pjotr Sauer: ‘Many teachers don’t want to do this, they’re trapped’: film shows extent of Putin indoctrination in Russian schools. In: The Guardian. 9. Februar 2025, abgerufen am 16. November 2025 (britisches Englisch).
  3. Nancy Tartaglione: Oscars: Denmark Selects 'Mr. Nobody Against Putin' For Best International Feature Film Race. In: Deadline Hollywood. 17. September 2025, abgerufen am 17. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  4. a b Christian Blauvelt: 'Mr. Nobody Against Putin' Review: A Riveting Look Inside an Increasingly Totalitarian Russia. In: IndieWire. 26. Januar 2025, abgerufen am 5. Februar 2025 (amerikanisches Englisch).
  5. "Conversations about Important Things" lessons. In: Institute for Education Development Strategy. Russian Academy of Education, 20. Juni 2022, archiviert vom Original am 3. Oktober 2023; abgerufen am 3. Oktober 2023 (russisch).
  6. Margarete Klein, Susan Stewart: Militärische und patriotische Erziehung in Russland. In: SWP-Aktuell. Nr. 46. swp-berlin.org, 2025 ([1] [PDF; abgerufen am 21. November 2025]).
  7. Claire Bigg: Russia: Here Comes The Sun For Putin's Patriotic Youth. In: Radio Free Europe/Radio Liberty. Radio Free Europe/Radio Liberty, 20. Juli 2005, archiviert vom Original am 11. Februar 2021; abgerufen am 4. September 2023 (amerikanisches Englisch).
  8. a b c Nick Schager: One Teacher's Brave Stand Against Putin's Propaganda Machine. In: The Daily Beast. 25. Januar 2025, abgerufen am 5. Februar 2025.
  9. Bailey Pennick: “Mr. Nobody Against Putin” Is a Roadmap for Bravery in the Face of Authoritarianism – sundance.org. 26. Januar 2025, abgerufen am 18. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
  10. Jordan Crucchiola: “Mr. Nobody Against Putin” Is a Roadmap for Bravery in the Face of Authoritarianism. In: sundance.org. 25. Januar 2025, abgerufen am 22. November 2025.
  11. MR. NOBODY AGAINST PUTIN. In: dokfest-muenchen.de. Abgerufen am 22. November 2025.
  12. Inna Hartwich: Ein Lehrer kämpft mit der Kamera gegen Putin und seine Dämonen. In: Neue Zürcher Zeitung. 6. Oktober 2025, abgerufen am 22. November 2025.
  13. Nordische Filmtage Lübeck: Zwei besonders beeindruckende Dokumentationen. In: unser-luebeck.de. 9. November 2025, abgerufen am 22. November 2025.
  14. Adrian Horton: Mr Nobody Against Putin review – a teacher fights back in a powerful documentary. In: The Guardian. 25. Januar 2025, abgerufen am 20. November 2025.
  15. Carlos Aguilar: 'Mr. Nobody Against Putin' Review: A Defiant Teacher Witnesses the Militarization of Russian Schools Amid Ukraine War in Poignant Doc. In: Variety. 25. Januar 2025, abgerufen am 20. November 2025.
  16. Jacob Oller: Sundance documentaries tackle gender-affirming care, cancer treatment, and warmongering. In: The A.V. Club. 20. November 2025, abgerufen am 5. Februar 2025.
  17. 2025 Sundance Film Festival Award Winners Announced. In: sundance.org. 31. Januar 2025, abgerufen am 20. November 2025.
  18. Films 2025. In: Cinema for Peace Foundation. Abgerufen am 21. November 2025 (amerikanisches Englisch).