Eguchi Sōgen

Eguchi Sōgen (japanisch 江口 草玄; * 21. Dezember 1919 in Nishinakadori, Kariya, Präfektur Niigata, Japan; † 16. November 2018) war ein japanischer Kalligraf und Vertreter der modernen, avantgardistischen japanischen Schriftkunst.[1]

Leben

Eguchi Sōgen wurde am 21. Dezember 1919 im Dorf Nishinakadori geboren, das damals zu Kariya gehörte und heute zur Stadt Kashiwazaki in der Präfektur Niigata zählt. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg begann er mit der Kalligrafie und reichte regelmäßig Werke bei populären Wettbewerben in Zeitschriften wie Nankai Shosei, Kenpitsu und Shodō Geijutsu ein. Im Jahr 1940 wurde er eingezogen und nach China geschickt, wo er eine Schussverletzung erlitt. Daraufhin wurde er in ein Armeekrankenhaus gebracht und zur Erholung in sein Heimatland zurückgeschickt. Während seiner Genesung wandte er sich erneut der Kalligrafie zu.[2]

Nach Kriegsende engagierte er sich aktiv in der künstlerischen Erneuerung der japanischen Schriftkunst. Im Jahr 1952 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe Bokujinkai, einem wichtigen Zusammenschluss avantgardistischer Kalligrafen. Eguchi lebte und arbeitete bis ins hohe Alter und verstarb schließlich am 16. November 2018 im Alter von 98 Jahren.[2][3]

Werk

Eguchi Sōgen zählt zu den prägenden Figuren der modernen bzw. avantgardistischen Schriftkunst (現代書, Zen’ei-sho) in Japan. Gemeinsam mit den Kalligraphen Morita Shiryū und Inoue Yūichi gründete er die Gruppe Bokujinkai, um die Kalligrafie als gleichwertige zeitgenössische Kunstform neben Malerei und abstraktem Expressionismus zu etablieren. Er experimentierte mit der Dynamik von Pinselstrichen und Tinte, losgelöst von der traditionellen, streng formalisierten Ästhetik der Schriftzeichen. Seine Arbeiten sind für ihre expressiven, gestischen Schwünge bekannt. Oft sind sie großformatig und weisen eine rhythmische, beinah musikalische Struktur auf. Ein bekanntes Werk ist SHUNKalligrafie (1965), ein großformatiges, in Tusche auf Papier ausgeführtes kalligraphisches Blatt. Ein weiterer Teil seines Œuvres spiegelt sein späteres Interesse an einer freieren, meditativen Handschrift wider: weg vom strengen Kanji-Schreiben, hin zu einer Kalligrafie, die sich mehr auf die Gestalt der SpracheKalligrafie konzentriert. Diese Entwicklung wurde in einer posthumen Ausstellung gewürdigt, in der über 250 Werke und Dokumente präsentiert wurden, die sein gesamtes Schaffen zeigen. Eguchi beeinflusste nicht nur die Kalligrafie in Japan, sondern trug mit der Bokujinkai-Gruppe dazu bei, dass die japanische Kalligrafie im globalen Kunstkontext stärker wahrgenommen wurde – im Dialog mit westlicher abstrakter Malerei und moderner Ästhetik.[2][3]

Literatur

  • Bogdanova-Kummer, Eugenia: Bokujinkai: Japanese Calligraphy and the Postwar Avant-Garde, Brill, Leiden/Boston, 2020
  • Matsuya, Kuninori: Eguchi Sōgen’s Private Records (1958–1985), in: Niigata Prefectural Museum publications, Niigata, 2022.

Einzelnachweise

  1. 江口草玄 (EGUCHI Sōgen) | 日本アーティスト事典 (DAJ). Abgerufen am 30. November 2025 (japanisch).
  2. a b c 白寿 江口草玄のすべて | 企画展 - 新潟県立近代美術館. Abgerufen am 30. November 2025.
  3. a b Eugenia Bogdanova-Kummer: Bokujinkai: Japanese Calligraphy and the Postwar Avant-Garde. Brill, Leiden/Boston 2020.