Edelherren von Steinfurt

Edelherren von Steinfurt nannte sich ein edelfreies Uradelsgeschlecht nach seinem 1129 erstmals erwähnten Stammsitz, Burg Steinfurt (Stenvorde). Es begründete die spätere Grafschaft Steinfurt, stieg im Fürstbistum Münster auf, geriet aber mit diesem in Konflikt und erlosch mit Ludolf VIII. von Steinfurt († 1421) im Mannesstamm.

Herkunft und Verwandtschaft

Über die Herkunft der (alten) Edelherren von Steinfurt gibt es zwei unterschiedliche Hypothesen. Eine These vermutet ihre Herkunft aus dem Solling und knüpft daran an, dass sie die Burgen Steinfurt und Ascheberg nach deren Zerstörung im Jahr 1164 (aufgrund einer Fehde mit den Herren von Ascheberg) mit Unterstützung von Erzbischof Rainald von Dassel wieder aufbauen konnten. Für ihre Herkunft aus dem Solling könnte auch eine Namensähnlichkeit (Vorname Ludolf) mit der Familie von Dassel sprechen. Die andere These vermutet eine Zugehörigkeit der Edelherren von Steinfurt zum Sippenverband der Edelherren von Münster-Meinhövel.[1] Für diese These spricht eine Wappenähnlichkeit und die Stellung beider Familien im Bistum Münster. Von den Steinfurtern stammen vermutlich die noch blühenden Edelherren von Deckenbrock/Droste zu Hülshoff ab. Verwandt waren sie u. a. auch mit den Edelherren von Ahaus, wo 1286 der Ritter Engelbert von Deckenbrock Burgmann war[2], und dem durch die Ehe einer Tochter des Otto von Ahaus-Ottenstein mit Heinrich von Solms-Braunfels verwandt gewordenen Hochadelsgeschlecht Solms (Adelsgeschlecht) auf Burg Ottenstein (Ahaus).

Bedeutung

Schon 1169 war Bernhard von Steinfurt Domprobst in Münster; sein Bruder Rudolf I. führte das Ritterheer von Bischof Hermann II. (Münster) in den dritten Kreuzzug. Nach diesem Kreuzzug gründeten sie die Johanniterkommende Steinfurt.[3] Die Steinfurter hatten die Vogtei über die wichtigen Stifte St. Mauritz und Überwasser in Münster. Sie hatten auch das Gogericht bzw. die Freigrafschaft Rüschau (Risau) in Laer inne. Sie stiegen auf zu Vizevögten des Bistums Münster, verloren dieses Amt aber wieder. Bernhard II., ein jüngerer Bruder von Rudolf II. von Steinfurt soll, bevor er nach dessen Tod die Nachfolge in der Herrschaft Steinfurt antrat, 1209 zwischenzeitlich urkundlich als Bernhard von Deckenbrock aufgetreten und damit auch Stammvater dieses Geschlechts sein. 1297 hielt Balduin I. von Steinfurt eine Versammlung anlässlich eines Verkaufs an das unter päpstlichem Schutz stehende Kloster Langenhorst, was u. a. Engelbert von Deckenbrock bezeugt.

Am 10. April 1306 bekundete Balduin II. von Steinfurt zusammen mit anderen Edelherren, dass sie in einem Streit seines Verwandten, des Edelherren Hermann II. von Lohn mit Bischof Otto III. von Rietberg keinen Vergleich eingehen würden. Der Bischof eroberte mit den Grafen von der Mark 1303 die Burgen Bredevoort und Lohn. Als ein Waffenstillstand vereinbart wurde, kämpfte lediglich Ludolf von Steinfurt weiter gegen den Bischof. Dem Steinfurter schlossen sich der Domherr Otto von Bentheim und der münstersche Domthesaurar Wikbold von Lohn, ein Sohn Hermanns II. von Lohn, an. Beide wurden vom Bischof exkommuniziert und ihrer Ämter enthoben. Bis zum Ende des Konflikts haben Gefolgsleute des Edelherrn von Steinfurt das Land ausgeplündert. Die Koalition gegen den Bischof setzte sich durch und führte zu seiner Absetzung am 3. Oktober 1306.[4]

1336 berief Bischof Ludwig II. (Münster) Mitglieder derer von Steinfurt in seinen Rat zur Mitverwaltung des Stifts. Mit Ludolf von Steinfurt schloss sein "Stiftsgenosse" in diesem Rat, Johann III. von Deckenbrock 1338 namens der Stadt Münster ein Separatbündnis. Im Jahr 1343 zerstörten die bischöflichen Truppen jedoch die Burg Steinfurt, und die Steinfurter verloren ihren gesamten Besitz in diesem Raum. Durch die Belehnung von Balduin II. von Steinfurt mit der Freigrafschaft Laer wurden sie 1357 jedoch für diesen Teil ihres Gebiets reichsunmittelbar. 1363 schloss er auch einen Vertrag mit Bischof Johann von Virneburg, den Alhard I. von Deckenbrock bezeugt. Bischof Ludwig II. (Münster) ernannte 1364 Balduin II. von Steinfurt zum Obermann und Hüter des Bistums Münster. Er schloss dann 1369 u. a. mit dem Bischof und Alhard I. von Deckenbrock einen Vertrag mit der Verpflichtung, kein Bündnis mit dem Grafen von der Mark einzugehen und bei einem Angriff 69 Mann zu stellen.[5] Der andauernde Gegensatz zum Hochstift Münster führte jedoch dazu, dass Ludolf von Steinfurt 1396 von Bischof Otto IV. von Hoya gefangen genommen und erst gegen die Zahlung eines hohen Lösegeld und die Anerkennung der bischöflichen Landeshoheit über die Herrschaft Steinfurt wieder freikam.

Besitzungen

Die Edelherren von Steinfurt nahmen schon 1133 Schenkungen aus Eigengut vor. Als die Ascheberger ausstarben, ging deren Besitz 1206 auf die Edelherren von Steinfurt über. Neben einem Besitzschwerpunkt um Steinfurt hatten sie Streubesitz im Norden an der Ems, im Osten vom Teutoburger Wald bis nach Minden, im Süden bis nach Hattingen und im Westen bis in die Niederlande. Dort kam 1238 die Burg Bredevoort durch Erbschaft zur Hälfte in ihren Besitz. Ludolf von Steinfurt ließ das Kastell bedeutend verstärken, bevor 1284 Balduin von Steinfurt seinen Anteil an der Burg an das Hochstift Münster verkaufte. Hinzu kam ab 1270 die Vogtei über das Damenstift Borghorst, im Jahr 1279 die Freigrafschaft Rüschau und im Jahre 1365 Gronau. Aus dem Besitz entstand eine Herrschaft, die vor allem das Kirchspiel Steinfurt umfasste. Hinzu kamen umfangreiche Besitzungen in Emsdetten, Mesum und Rheine. Geschützt wurden diese durch die in den Niederungen rechts der Ems gelegene Schwanenburg.[6] Diese wurde möglicherweise schon in einer Urkunde aus dem Jahr 1241 genannt, in der die Sühne zwischen dem Edelherren Ludolf von Steinfurt und seinem gleichnamigen Neffen verhandelt wurde, wurde aber bereits 1343 in einer Auseinandersetzung mit dem Münsterschen Bischof Ludwig Landgraf von Hessen zerstört.[7] In Münster gehörte ihnen der Steinfurter Hof (sog. Kemnade an der Jüdefelderstraße) und bei Münster 1301 Burg Hülshoff und Deckenbrock mit den Höfen Aldendorp und Horst, welche sie mit vielen anderen Besitztümern für 600 Mark Münsterscher Denarien der Äbtissin des Stifts Überwasser verpfändeten.

Nachfolge in der Grafschaft Steinfurt

Über die Erbtochter Mathilde von Steinfurt fiel die Herrschaft im Jahr 1421 an ihren Ehemann Everwin von Götterswyk († 1454) aus einem Adelsgeschlecht aus Götterswickerhamm. Dieser gewann im selben Jahr auch die Grafschaft Bentheim, beerbte seinen Onkel Bernhard von Bentheim († 1421) und nannte sich nun Eberwin I. Graf von Bentheim, Herr zu Steinfurt. Everwin hatte aus seiner ersten Ehe nur eine Tochter Liutgard († 1445); deshalb stammt das heutige Haus Bentheim-Steinfurt nicht von den Edelherren von Steinfurt, sondern aus der zweiten Ehe des Everwin von Götterswyk mit Gisberta von Bronkhorst-Borkulo ab.

Persönlichkeiten

Commons: Wappen der Edelherren von Steinfurt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Christoph Spannhoff: Von Fakten und Fiktionen: Die Ursprünge der Edelherren von Steinfurt in: Nordmünsterland - Forschungen und Funde, Hrsg. von der Forschungsgemeinschaft zur Geschichte des Nordmünsterlandes e. V., Band 3, 2016.
  2. Wilderich von Droste zu Hülshoff: 900 Jahre Droste zu Hülshoff. 2. erweiterte Auflage, Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2022, ISBN 978-3-936509-19-9, S. 29 ff.
  3. Wilhelm Kohl: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster. 4,1 Das Domstift Münster, Das Stift St. Mauritz (= Germania Sacra NF NF 37,2). de Gruyter, Berlin 2002,, S. 69
  4. Wilhelm Kohl: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster 7,2. Die Diözese (= Germania Sacra NF NF 37,2). de Gruyter, Berlin 2002, S. 364–379.
  5. Wilderich von Droste zu Hülshoff: 900 Jahre Droste zu Hülshoff. 2. erweiterte Auflage, Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2022, ISBN 978-3-936509-19-9
  6. Bernhard Gehling: Die Schwanenburg in der Bauernschaft Heine (online)
  7. Paul Nienhaus in Westfälische Nachrichten vom 8. Januar 2022: Geheimnis um den Schwan gelüftet