Dorfkrug Kirchhuchting
Der Dorfkrug Kirchhuchting, Kirchhuchtinger Landstraße 30, in Bremen-Huchting, Ortsteil Kirchhuchting, wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut. Er wird aktuell (2026) nicht genutzt.
Das Gebäude steht seit 2021 unter bremischem Denkmalschutz.[1]
Geschichte
Huchting wurde als Dorf 1063 erstmals erwähnt als Huchtinghebroch (Brokhuchting), 1171 dann auch als „Huhtinge“ und 1288 als Kerchhoytiggen. Die ev. Kirche St. Georg wurde 1879 anstelle einer mittelalterlichen Kirche errichtet.
Zentral im historischen Dorfkern Kirchhuchtings an der Kirchhuchtinger Landstraße, neben der Kirche und der Kirchhuchtinger Schule befindet sich die ehemalige Gaststätte Dorfkrug. Das Gebäude geht ursprünglich auf einen Bauernhof, bestehend aus einem Wohn- und einem Wirtschaftsgebäude mit Scheune und Viehställen, zurück, das 1867 für das Ehepaar Frieda und Hermann Hinrich Mahlstedt errichtet wurde. Als Gasthaus Dorfkrug diente das Gebäude spätestens ab 1889. Nach einem Brand wurde es 1894 (Inschrift in der Giebelspitze) unter der Bauleitung des Bremer Zimmermeisters August Friedrich Adolf Aßmann auf dem stehengebliebenen Mauerwerk mit dem Wohnteil, der Schankstube, der Backstube, einer Räucherkammer, dem Laden sowie Ställen für Pferde und Rinder wiedererrichtet. Gegenüber dem Dorfkrug stand Osmer’s Café von 1882.
Danach befanden sich im Dorfkrug unterschiedliche, parallellaufende Nutzungen (Gasthaus und Restaurant, Feste, Versammlungen). Er hatte eine wichtige Rolle für das Dorfleben in Kirchhuchting. Frieda Mahlstedt ließ 1912 eine neue Doppel-Kegelbahn an die Süd-Ost-Ecke des Hauses anbauen. Ein Raum in dem eingeschossigen, traufseitigen Bauteil wurde ab 1912 als Amtszimmer des Gemeindevorstehers verwendet. Bis 1934 wurde dieses Zimmer außerdem als Standesamt und Wahllokal genutzt. 1928 mietete die Konsumgenossenschaft Vorwärts den westlichen Gebäudeteil an. Dazu wurde die Gastwirtschaft in dem giebelständigen Gebäudeteil betrieben und 1938 vergrößert. 1959 wurde ein Teil des westlichen Dachgeschosses nach Plänen des Architekten Wilhelm Klocke zu Wohnraum ausgebaut mit einer breiten Gaube in der südlichen Dachfläche. Das Lebensmittelgeschäft im westlichen Teil wurde 1964/65 um- und ausgebaut. Der Westgiebel wurde dem Zeitgeschmack angepasst.
Das historisierende Gebäude mit pfannengedeckten Satteldächern setzt sich zusammen aus:
- dem zweigeschossigen, giebelständigen Wohnteil. Von der spätklassizistischen Fassadengestaltung haben sich die Fensterumrahmungen und -verdachungen sowie die umlaufenden, profilierten Gesimse im 1. Obergeschoss an der Nord- und Ostseite des Wohnteils erhalten,
- dem langen, eingeschossigen, traufständigen (ehemaligen) Wirtschaftsteil. Dessen Dachfläche weist eine bemerkenswerte Größe auf.
Die Erdgeschosszone erlebte mehrere Umbauphasen. Das breite, aus der Fassade hervorspringende Fenster neben dem Eingang, wurde im Zeitgeschmack der 1950er Jahre gestaltet. Nach dem Leerstand (ab 2009), dem Verkauf des Areals und einem Brand (2014) hat das Gebäude eine ungewisse Zukunft.[2]
Literatur
- Andreas Fechtenhauer: Huchting 1860–1945, Bremen 2000
- Rainer Heuer: 950 Jahre Huchting. 1063–2013
Einzelnachweise
- ↑ Denkmaldatenbank des LfD
- ↑ Christa Neckermann: Huchtinger Dorfkrug: Jetzt soll der Bremer Senat sich äußern. In: Weser-Kurier vom 30. Juni 2025
Koordinaten: 53° 3′ 4,6″ N, 8° 44′ 26,2″ O