Dorfkirche Kerzlin

Dorfkirche Kerzlin

Nordansicht des Kirchengebäudes

Daten
Ort Kerzlin,
16845 Temnitztal, Dorfstr. 40
Bauherrin Kirchengemeinde von Kerzlin
Baustil Neoromanisch
Baujahr 1913
Bauzeit vor 1913
Grundfläche ca. 200 m²
Nutzfläche 52.886846 m²
Besonderheiten
drittes Kirchengebäude am Ort

Die denkmalgeschützte evangelische Dorfkirche Kerzlin ist eine neuromanische Backsteinkirche im Ortsteil Kerzlin der Gemeinde Temnitztal im brandenburgischen Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Die Kirchengemeinde bildet mit den Nachbargemeinden die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Temnitz im Evangelischen Kirchenkreis Wittstock-Ruppin und gehört zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Lage

Das Gotteshaus steht ebenerdig im Zentrum der Ansiedlung. Die von einer Backsteinmauer umgebene kircheneigene Fläche, der erste Friedhof, wird nördlich und östlich von der Dorfstraße begrenzt. Aus baustatischen Gründen befindet sich der Kirchturm auf der Ostseite des Kirchengebäudes.

Geschichte

14. bis 19. Jahrhundert

Eine Quelle gibt an, bereits im Jahr 1365 sei eine Kirche im Ort in einem Dokument erwähnt worden.[1] Die erhaltenen Kirchen aus so früher Zeit waren fast alle aus Feldsteinen gebaut, denn das Haus hatte meist auch Schutzfunktionen zu erfüllen.

Das nächste dokumentierte Gotteshaus war eine zwischen 1723 und 1728 erbaute Fachwerkkirche, die wegen starker Bauschäden Ende des 19. Jahrhunderts abgetragen werden musste. Das schlichte Bauwerk bestand lediglich aus mit Lehm ausgefachten Rechtecken, in vier Reihen übereinander angeordnet. Der eingezogene Kirchturm, nur aus Holz gefertigt und auf quadratischer Grundfläche, hatte die Form eines Knickhelms. Das Haupthaus und der Vorbau mit dem Seiteneingang waren mit Dachziegeln gedeckt. Altar- und Besucherbereich mit ihren kompakten Holzbänken waren nicht klar voneinander abgesetzt. Ein Kanzelaltar stand dem Pfarrer für seine Predigten zur Verfügung.[2]

20. Jahrhundert bis 1989

In den 1910er Jahren wurde ein neues steinernes Gotteshaus errichtet und am 26. November 1913 eingeweiht.

Aus dem vorherigen Kirchengebäude zogen der hölzerne Altar[3], die Orgel und die Glocken mit in das neue Gotteshaus.[4]

Seit 1990

Nach der deutschen Wiedervereinigung entstanden neue Bundesländer, neue Verwaltungsstrukturen auch in der evangelischen Kirche Deutschlands. Das Christentum bekam einen höheren Stellenwert. So war es möglich, dass noch in den 1990er Jahren Außen- und Innensanierungen an diesem Kirchengebäude vorgenommen werden konnten.

Zudem gründete sich in Brandenburg der eingetragene Verein Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. , der sich den Erhalt und die Nutzung der historischen Kirchen sowie die Einwerbung von Spendengeldern zum Ziel setzt. Auch für Kerzlin ist er bereits tätig geworden.

Als bei Bauwerkskontrollen in den 2010er Jahren ein starker Befall der hölzernen Teile der Kirche, insbesondere der Dach- und Turmkonstruktion, mit dem Holzbock festgestellt wurde, erfolgte im Jahr 2017 eine entsprechende Behandlung/Sanierung.[5][6]

Galerie

Beschreibung

Die einschiffige Kirche, nach der Bauweise auch Saalkirche, wurde in unverputzten Backsteinen errichtet. Das Hauptschiff, der schiffsbreite gedrungene Kirchturm und der zierliche achteckige Dachreiter sind mit roten Dachziegeln eingedeckt. Der Turm trägt auf drei Seiten (Nord, Ost, Süd) je ein quadratisches Zifferblatt einer Turmuhr. Über dem Uhrwerk im Turm befindet sich die Glockenstube, die nach allen vier Himmelsrichtungen offene Schallluken aufweist. Der Kirchturm befindet sich an der Ostseite des Kirchengebäudes.

Auf dem steilen spitzen Dachreiter sitzt eine Turmkugel, darüber weist ein metallenes Kreuz auf den christlichen Zweck des Bauwerks.

Dem Kirchenschiff ist an der Westseite ein schmaler rechteckiger Vorraum angebaut, der aber niedriger als das Schiff ist.

Im Vorbau befindet sich der westliche Eingang in Form eines Segmentbogens, zu dem drei steinerne Stufen hinaufführen. Die hölzerne Tür ist waagerecht mit schmiedeeisernen Ornamenten verziert. Beiderseits des Eingangs sind schmale Fenster eingebaut.

Im Inneren überspannt ein hölzernes Tonnengewölbe das Kirchenschiff.

Die wenigen schmalen hochrechteckigen Kirchenfenster wirken wie Schießscharten und lassen wohl wenig Tageslicht in den Gottesdienstraum. Der Altarraum erhält durch zwei farblich gestaltete Rundfenster in der Turmwand Licht.[3]

Der Haupteingang ist auf der östlichen Gebäudeseite eingebaut, dazu gehören zwei seitliche Eingänge. Somit betreten die Kirchenbesucher das Gotteshaus von der Altarseite aus. Auch hier sind drei Stufen zu erklimmen. Damit ist die Kirche nicht barrierefrei nutzbar.

Kirchengebäude und Gefallenendenkmal stehen unter Denkmalschutz.

Geläut

In der Glockenstube hängen zwei Bronzeglocken, die aus der alten Fachwerkkirche am Anfang der 1900 Jahre übernommen wurden.[3]

Ausstattung

Hier sind die historischen Stücke aus der Vorgängerkirche wie der Kanzelaltar, die Kirchenbänke oder das Taufbecken zu nennen.

Auf der großen Empore befindet sich die Orgel, die im Jahr 1885 vom Neuruppiner Orgelbauer Albert Hollenbach hergestellt und dann hier installiert worden ist.[3][3]

Seelsorge

Die Gesamtgemeinde Temnitz umfasst die evangelischen Christen aus den Ortschaften Dabergotz, Darritz, Frankendorf, Garz, Gottberg, Katerbow, Kerzlin, Kränzlin, Küdow, Lüchfeld, Manker, Netzeband, Pfalzheim, Rägelin, Rohrlack, Vichel, Walsleben, Werder und Wildberg. Sie gibt regelmäßig Gemeindebriefe für ihre Mitglieder heraus.[7]

In der Umgebung

Östlich der Kirche steht das Gefallenendenkmal von 1922 nach Entwurf des Bildhauers und Hochschullehrer Max Wiese. Es stellt einen knienden Soldaten dar und steht ebenfalls unter Denkmalschutz und wurde 1992 saniert.[8][9]

Commons: Dorfkirche Kerzlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Dr. Peter Brodde: Kirchen in Nordbrandenburg. 2014, abgerufen am 4. Oktober 2025.
  2. Ansichtskarte aus Kerzlin, Jahr um 1915. Abgerufen am 3. Oktober 2025 (Abbildung der Fachwerkkirche und des Altarraumes).
  3. a b c d e Pfarrer Rohrmoser hat auf Anfrage von Benutzerin:44Pinguine am 6. Oktober 2025 die Auskünfte übermittelt.
  4. Temnitztal – Amt Temnitz. Abgerufen am 24. September 2025.
  5. devbite: Kirche Kerzlin | Groli Schädlingsbekämpfung. 21. Juli 2017, abgerufen am 24. September 2025.
  6. Bastian Brandau: Schädlingsbekämpfung – In der Kirche ist der Wurm drin. In: Deutschlandfunk. 25. August 2017, abgerufen am 24. September 2025.
  7. Gemeindebrief September/Oktober/November/Dezember 2025. Abgerufen am 4. Oktober 2025.
  8. Kriegerdenkmal. In: Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, abgerufen am 24. September 2025.
  9. Kerzlin stellt sich vor. Abgerufen am 4. Oktober 2025.