Doppelmord von Linköping

Der Doppelmord von Linköping geschah am 19. Oktober 2004 kurz nach 7.50 Uhr im Stadtteil Kanberg mitten in Linköping, Schweden. Zwei Personen, der achtjährige Mohammed Ammouri und die 56-jährige Lehrerin Anna-Lena Svensson, die vermutlich zufällig die Attacke beobachtete und eingreifen wollte, wurden von dem 21-jährigen Daniel Nyqvist mit einem Schmetterlingsmesser getötet. Erst mit Hilfe der Genetischen Genealogie konnte der Täter 2020 gefunden werden.[1][2]

Fahndung

Die Polizei stellte die Mordwaffe und eine Mütze sicher, woran sich Täter-DNA befand. Daraus war zu entnehmen, dass der Täter aus Nordeuropa stammte und mittelblondes Haar hatte. Vermutet wurde, dass er psychisch gestört ist. 2010 wurde ein Phantombild veröffentlicht und über das schwedische Fernsehen nach ihm gefahndet. 2018 wurde erstmals in Schweden ein Phantombild aufgrund der DNA erstellt, nach einer neuen niederländischen Methode. Die Fahndung hatte den zweitgrößten Umfang in der schwedischen Kriminalgeschichte nach dem Mord an Olof Palme. 6500 DNA-Proben wurden untersucht, 9000 Zeugen vernommen und 40.000 Dokumente gesichtet.[3]

Am 9. Juni 2020 wurde Daniel Nyqvist festgenommen, nachdem er durch eine DNA-Suche in Ahnenforschungsdatenbanken in Kombination mit einer Familienuntersuchung ermittelt worden war. Der professionelle und in Schweden prominente Ahnenforscher Peter Sjölund unterstützte die Polizei dabei. Die Datenbank FTDNA wurde nach 28 relevanten Treffern (meistens Cousins und Cousinen bis zu fünften Grades, zehn mit Wohnsitz in den USA, achtzehn in Schweden) ausgewertet, wozu bis ins Jahr 1800 zurückgegangen werden musste und bis zu 700 Vorfahren ermittelt wurden. Am Ende blieben zwei Brüder übrig, von denen der Täter im Verhör am selben Tag gestand.[4] Im Oktober 2020 wurde im Prozess dem Täter eine psychische Störung attestiert, die ihn zum Mord getrieben hat. Er sei von der Idee eines Mordes fasziniert gewesen und habe zufällig den Jungen als Opfer ausgesucht. Er wurde in die Forensische Psychiatrie eingewiesen.

Die Forensische genetische Genealogie führte weltweit zur Verhaftung von Mördern und zur Identifikation von Opfern.

Literarische und filmische Verarbeitung

Im Jahr 2021 erschien der schwedische Kriminalroman Genombrottet: så löste släktforskaren dubbelmordet i Linköping von Anna Bodin und Peter Sjölund, der den Doppelmord und die Aufklärung zum Inhalt hat. Am 7. Januar 2025 erschien beim Streaminganbieter Netflix die Verfilmung des Buchs als vierteilige Miniserie unter dem Titel Genombrottet (englischer Titel The Breakthrough).[5]

Einzelbelege

  1. Linköping-Doppelmord – Ahnenforscher löst alten Kriminalfall. Abgerufen am 18. Februar 2021.
  2. deutschlandfunkkultur.de: DNA-Ahnenforschung – Der Mörder im Stammbaum. Abgerufen am 4. November 2022.
  3. Max Rauner: Eine verhängnisvolle Verwandtschaft. In: Andreas Sentker (Hrsg.): Die Zeit Wissen. Nr. 2, 2021, S. 55–61.
  4. Peter Sjölund: Så löste dna-experten dubbelmordet i Linköping. In: Släkt-Historia. 10. Dezember 2020, abgerufen am 26. Januar 2025 (schwedisch).
  5. „Genombrottet“: Was bedeutet der Titel der schwedischen Netflix-Serie? 7. Januar 2025, abgerufen am 13. Januar 2025.