Donaukalk
Donaukalk ist die regional verwendete Bezeichnung für ein Produkt, das bei der erforderlichen Aufbereitung des aus der Donau entnommenen Kühlwassers für die Kühltürme des Kernkraftwerks Gundremmingen entstand und in der Landwirtschaft als Düngemittel verwendet wurde.
Entstehung
Das Wasser, das in den Kühltürmen des Kernkraftwerks Gundremmingen zirkulierte und dabei verdunstete, wurde aus der nahe gelegenen Donau entnommen. Bevor es verwendet werden konnte, war zur Vorbeugung vor Schädigungen der Rohrleitungssysteme eine Aufbereitung des Wassers erforderlich. Die Entcarbonisierung erfolgte durch den Zusatz von Kalkmilch.[1] Bei diesem Prozess der Wasserenthärtung wurden bis Ende 2021 jährlich ca. 50.000 Tonnen Rückstandskalk aus dem Donauwasser ausgefällt, der in der Region um Gundremmingen als Donaukalk bekannt war.[2]
Nach dem Ende des Leistungsbetriebs (Block B wurde Ende 2017 abgeschaltet, Block C Ende 2021) wurden die Komponenten der Kühlwasserversorgung sukzessive außer Betrieb gesetzt und rückgebaut, sodass in der Folge die Menge des anfallenden Donaukalks zurückging. Am 25. Oktober 2025 wurden die Kühltürme gesprengt.[3]
Verwendung
Über viele Jahrzehnte wurde der Donaukalk kostenlos an landwirtschaftliche Maschinen- und Betriebshilfsringe im Umkreis des Kernkraftwerks abgegeben. Diese verteilten den Kalk gegen einen geringen Transportkostenbeitrag an ihre Mitglieder, insbesondere an Landwirte in den Landkreisen Günzburg, Neu-Ulm und Dillingen, die das Produkt als hochwertiges Düngemittel zur Verbesserung ihrer landwirtschaftlich genutzten Flächen verwendeten (siehe: Kalkung).[2] Der Kalkdünger wurde lastwagenweise angeliefert und am Rand der Ackerflächen abgekippt. Besonders im Frühjahr prägten die farblich auffälligen Haufen das Landschaftsbild.
Aufgrund seiner Zusammensetzung war Donaukalk grundsätzlich auch zur Wiederverfüllung von Baggerseen oder zur Entsorgung auf einer Deponie geeignet.[2]
Aussehen und Konsistenz
Der Donaukalk hat eine helle ockergelbe Färbung und eine feinkörnige, bindige Konsistenz.
Chemische Zusammensetzung
Das werkseigene Labor analysierte regelmäßig den Donaukalk. Laut Betreibergesellschaft Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH (KGG) setzte sich der Kalk wie folgt zusammen:[2]
- 60–65 Prozent Calciumcarbonat
- 30–35 Prozent Restfeuchte
- 5–10 Prozent Feinsand und Schwebstoffe aus der Donau
- 1 Prozent Magnesium
Stickstoff, Phosphor und Kalium machten zusammen einen Anteil von weniger als 0,3 Prozent aus.[4]
Gefährlichkeit und Grenzwerte
Der Donaukalk war gesundheitlich unbedenklich und nicht radioaktiv kontaminiert.[5] Das Produkt hielt die Anforderungen der Düngemittelverordnung ein.[5]
Siehe auch
Nach dem gleichen Prinzip fallen auch in anderen Kühlwasserreaktoren mit Kühltürmen solche Kalke als Wertstoffe an, etwa im Kernkraftwerk Leibstadt. Eine allfällige Bezeichnung wäre demnach analog Rheinkalk.
Weblinks
- Bärbel Schoen: Kostenloser Dünger aus dem Atomkraftwerk, Augsburger Allgemeine Zeitung, 12. Juni 2012.
Einzelnachweise
- ↑ Artikel in: mehr Wissen über Strom und Kernenergie, Zeitschrift des Kernkraftwerks Gundremmingen, Ausgabe: September 2009/Nr. 111, S. 4–5.
- ↑ a b c d Bärbel Schoen: Kostenloser Dünger aus dem Atomkraftwerk. In: Augsburger Allgemeine Zeitung, 12. Juni 2012.
- ↑ Kühltürme des bayerischen Atomkraftwerks Gundremmingen gesprengt. In: tagesschau.de. 25. Oktober 2025, abgerufen am 26. Oktober 2025.
- ↑ Verweis auf diese Werte in einer Untersuchung von DIEZ/1991 in: Kombination landwirtschaftlicher und gewerblicher Tätigkeit – Formen, Chancen, Hemmnisse, Landwirtschaftliche Rentenbank, Schriftenreihe, Band 12, S. 77.
- ↑ a b Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Christine Kamm BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 28. September 2010 an den Bayerischen Landtag: Drucksache 16/6297 vom 8. Dezember 2010.