Dominikanerkloster in Służew

Das Dominikanerkloster in Służew (auch: St.-Josefs-Kloster; polnisch: Klasztor Dominikanów na Służewie bzw. Konwent św. Józefa) ist ein Gebäudekomplex in Warschau. Es ist eines von zwei Dominikanerklöstern in Warschau; das ältere (Dominikanerkloster Warschauer Neustadt) befindet sich in der in der Warschauer Neustadt gelegenen Ulica Freta. Teil des Klosteranlage ist die Kirche des Heiligen Dominikus (Patrozinium: Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz).

Lage

Das Kloster liegt im Wohngebiet (MSI) Służew des Warschauer Stadtdistrikts Mokotów; die Adresse lautet Ulica Dominikańska. Die Klosteranlage liegt auf einem Plateau oberhalb des Służew-Tals, an dessen Südseite in den 1970er Jahren die mehrspurige Ulica Dolina Służewiecka anstelle des vorher hier liegenden Dorfes Służew gebaut wurde. Das heutige Grundstück des Klosters ist etwa dreieckig und hat eine Größe von rund 2,5 Hektar.

Geschichte

Die Errichtung eines Klosters im Süden der Stadt ging auf die Initiative des Rektors der Katholischen Universität Lublin, Pater Jacek Woroniecki (1878–1949), zurück.[1] 1932 erwarb der Dominikanerorden im vor Warschau gelegenen Dorf Służew einen Teil eines parzellierten Gutshofs von der Familie Branicki (Besitzer des bis hierher reichenden Herrschaft Wilanów); dazu gehörten das Gutshaus und die Stallungen.[2] Hier sollte das neue Kloster mit einer Kirche entstehen. Der Entwurf zur Anlage stammte von Karol Iwanicki (1870–1941), er wurde im Mai 1935 von der Stadtverwaltung genehmigt. Die Arbeiten am Klosterbau begannen am 20. April 1936, die Grundsteinlegung für den Kirchenbau fand am 15. September 1936 unter Beteiligung des Erzbischofs von Warschau, Kardinal Aleksander Kakowski, und des Ordensgenerals, Pater Martin Stanislas Gillet (1875–1951), statt. Am 15. November 1937 weihte der Kardinal den ersten Bauabschnitt des Klosters in Anwesenheit von Erzbischof Stanisław Tomasz Gall (1865–1942), Bischof Antoni Szlagowski (1864–1956) sowie weiteren Geistlichen, Professoren theologischer Fakultäten in Polen und Politikern. Rund fünfzig Dominikaner begannen im neuen Kloster zu arbeiten.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verhinderte jedoch die Fertigstellung des Klosters in der ursprünglichen Konzeption,[1] es konnte nur ein Flügel der Anlage errichtet werden.

Zweiter Weltkrieg

Unmittelbar nach dem Ausbruch des Warschauer Aufstandes wurde das Kloster im August 1944 von deutschen Einheiten besetzt.[3] Die Kapellen und ein Teil des Klosters blieben den Mönchen überlassen. Trotz Überwachung konnten sich einige Priester als Kaplane der polnischen Heimatarmee betätigen. Auch Pater Michał Czartoryski (1897–1944), ein von den Nazis ermordeter Kaplan, war mit dem Kloster verbunden[1] – so war er einer der für die Bauaufsicht Verantwortlichen. Vom Klostergelände aus beschossen die deutschen Besatzer die Aufständischen in Sadyba und anderen Vororten im Süden Warschaus sowie die Ulica Puławska mit Artillerie. Ab Anfang September begannen die Deutschen, im Kloster eigene Verwundete zu versorgen, die mit Krankenwagen angeliefert wurden.

Sozialismus

Das im Krieg nicht zerstörte Kloster wurde in der Nachkriegszeit teilweise vom Außenministerium zur Unterbringung seiner Mitarbeiter genutzt. Im Jahr 1951 übertrug das Ministerium die von ihm verwendeten Räumlichkeiten an die städtische Gebäudeverwaltung, ohne dass es hierfür eine Rechtsgrundlage gab.

In den Notizen von Primas Stefan Wyszyński vom 27. Januar 1952 findet sich folgender Eintrag:

„Das Dominikanerkloster in Służewo ist bedroht. Beamte des Außenministeriums haben einen Teil des Gebäudes schon lange besetzt. Unser unersättlicher Staat, der, anstatt Häuser zu bauen, stiehlt, wo er kann, will den Rest. Diesmal rät er dazu, die Mönche in das Kloster des Heiligen Jacek in der Altstadt zu verlegen (...)“[4]

1952 übernahmen die Dominikaner die Leitung der örtlichen Pfarrei; die Pfarrgemeinde war nach dem Bau der Plattenbau-Wohnsiedlung Służew nad Dolinką stark gewachsen. Ihr erster Pfarrer war Pater Adam Studziński, vormals ein Geistlicher der polnischen Streitkräfte im Westen.[1] Dank des Einsatzes von Wyszyński, der Betreuung der Pfarrgemeinde und der Wahl eines polnischen Papstes 1978 blieb das Kloster dem Orden erhalten.

Im Jahr 1981 genehmigte die polnische Regierung den Bau einer Kirche. Der Bau wurde 1994 abgeschlossen. Am 30. Oktober desselben Jahres weihte der Metropolit von Warschau und polnische Primas Józef Glemp die Kirche feierlich ein. In der Kirche befindet sich ein Gemälde der Muttergottes von Żółkiew aus der ehemaligen Dominikanerkirche Mariä Himmelfahrt in Żółkiew, welches nach dem Zweiten Weltkrieg nach Warschau gebracht worden war.

Nach der Wende

Auf Initiative von Pater Jacek Woroniecki wurde Mitte der 1990er Jahre mit einer Zweigstelle der klösterlichen Hochschule für Philosophie und Theologie ein Studienzentrum für Dominikanermönche aus Osteuropa eingerichtet. Seit 2009 dient das Kloster auch als Noviziatshaus der polnischen Provinz der Dominikaner. Mitte August beginnen hier die jüngsten Dominikaner ihr Noviziat, ein Jahr später legen sie in Służewo ihre ersten Gelübde ab. Seit den 1960er Jahren befindet sich im Kloster auch ein auf Initiative von Wyszyński gegründetes Thomistisches Institut. Das Institut forscht zum theologischen und philosophischen Denken im Zusammenhang mit dem Werk des Thomas von Aquin und verfügt über eine umfangreiche Bibliothek.

In den 2020er Jahren zählt die zum Kloster gehörende Pfarrei rund 22.000 Gemeindemitglieder.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c d e Dominikanie: 60 lat parafii na Służewie, Życie Zakonne, 10. Oktober 2012 (polnisch, abgerufen am 20. September 2025)
  2. Tomasz Urzykowski, Spacerownik po Służewie. Nowy Cmentarz Służewski i kościół św. Dominika, 29. Mai 2015, Gazeta Wyborcza (polnisch, abgerufen am 25. September 2025)
  3. Służew - klasztor dominikanów, Warszawskie Mozaiki, 4. Juni 2017 (polnisch, abgerufen am 20. September 2025)
  4. im Original: "Klasztor dominikański na Służewie jest zagrożony, część gmachu zajęli od dawna urzędnicy MSZ na resztę ma chęć nienasycone nasze Państwo, które zamiast budować domy, kradnie gdzie może. Tym razem radzi aby zakonników przenieść do klasztoru św. Jacka na Starówce (...)"
Commons: Dominikanerkloster in Służew – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 10′ 32,9″ N, 21° 2′ 9,7″ O