Dominikanerkloster Warschauer Neustadt
Das Dominikanerkloster in der Warschauer Neustadt ist eines von zwei vom Dominikanerorden geführten Klöstern in Warschau; das zweite Kloster befindet sich in Warschau-Służew. Die sehr viel ältere Klosteranlage im Warschauer Innenstadt-Gebiet Nowe Miasto besteht aus der Hyazinthkirche und dem sich anschließenden Klostergebäude. Die Anlage ist seit 1965 in das Warschauer Denkmalschutzregister der Woiwodschaft Masowien eingetragen (149/624842).
Lage
Das Gesamtareal (Adresse: Ulica Freta 10) hat eine Größe von rund 7000 Quadratmetern; der darauf stehende Gebäudekomplex besteht aus der Kirche und dem sich anschließenden Kloster. Die beiden miteinander verbundenen Gebäude erstrecken sich über eine Länge von knapp 130 Metern von der westlich verlaufenden Ulica Freta bis zur ostwärts liegenden Ulica Stara. Das Klostergebäude, welches an der Ulica Stara in T-Form endet, ist 56 Meter lang, die beiden Seitenflügel am Gebäudeende sind je rund 15 Meter lang. Die Hauptfassade liegt zur Ulica Stara. Der bekannte Barbakan liegt etwa 120 Meter und der Neustadtmarkt (Rynek Nowego Miasta) rund 150 Meter vom Klosterzugang entfernt. Schräg gegenüber an der Ulica Freta befindet sich die Heilig-Geist-Kirche mit einem angeschlossenen Kloster des Paulinerordens.
Geschichte
1598 kamen Dominikanermönche nach Warschau. Im Jahr 1603 erteilte ihnen Bischof Wawrzyniec Goślicki, Kanoniker des Domkapitels von Płock, die Erlaubnis, in Warschau ein Kloster zu gründen. Im selben Jahr begründete der Dominikanerpater Abraham Bzowski mit elf Mönchen die Ordensgemeinschaft. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Schiff der Heilig-Geist-Kirche errichtet. Das angrenzende Kloster wurde zwischen 1639 und 1650 erbaut. Im Anschluss erhielt die Kirche ihren Glockenturm.[2]
Kurz nach Fertigstellung des Klosters fielen die Schweden im Rahmen des Zweiten Nordischen Kriegs in Polen ein. Nach Einmarsch in Warschau besetzten sie Kirche und Kloster. Im 1647 entstandenen Klosterrefektorium unterzeichnete die Warschauer Bürgerschaft die Kapitulationserklärung.[3] In Folge wurden Kirche und Kloster teilweise zerstört. 1661 erhielten die wiederaufgebauten Gebäude eine erneute Weihe.
Bereits seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde im Kloster gelehrt. Ein klösterliches Studienhaus (später bekannt als Baryczkowski-Schule) wurde von Jacek Baryczka gegründet und 1647 vom Płocker Domkapitel anerkannt. Im angebotenen „Studium Formale“ wurden knapp 800 Personen ausgebildet, u. a. zu Ärzten und Lehrern. Über dem Refektorium war ein Bibliotheksraum angelegt worden, in den später die umfangreiche Büchersammlung der Familie Baryczka überführt wurde.[2]
18. und 19. Jahrhundert
Das 18. Jahrhundert war eine Blütezeit für Kirche und Kloster. Beim Einmarsch französischer Truppen im Rahmen der Koalitionskriege wurden 1806 in Kirche und Kloster zunächst ein Lazarett und ein Militärdepot eingerichtet. Nach Errichtung des Herzogtums Warschau befand sich seit dem Jahr 1811 im Kloster eine der achtzehn Departementschulen (städtische höhere Schulen), die es damals in Warschau gab. Nach Verwüstung der Anlage durch französische Truppen wurden in den Jahren 1824 bis 1830 Schäden behoben und das Gebäude umgebaut. Diese Funktion erfüllte das Klostergebäude rund 100 Jahre.[2]
Im Zuge der Repressionen nach dem Januaraufstand wurde der Warschauer Dominikanerorden von den zaristischen Behörden 1864 aufgelöst und das Kloster beschlagnahmt. Die Ordensbrüder wurden nach Gidle verbracht. Später wurde im Kloster ein Waisenhaus und Internat für Jungen eingerichtet, die bis 1944 in Betrieb waren.[3] Die Kirche wurde Filialkirche der Pfarrei der Mariä-Empfängnis-Kirche.[2]
Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit
Während des Warschauer Aufstands wurden im Kloster und in der Kirche ein Krankenhaus der Aufständischen eingerichtet. Es handelte sich um eine Zweigstelle des Zentralen Chirurgischen Aufständischen-Krankenhauseses Nr. 1 im Gebäude des Justizministeriums in der Ulica Długa 7. Darüber hinaus war das Kloster das Hauptquartier des Kommandanten der Nordgruppe der Heimatarmee, Oberst Karol Ziemski „Wachnowski“, der von hier aus die Verteidigung der Altstadt befehligte.[4]
Nachdem Einheiten des SS-Gruppenführers Heinz Reinefahrt und des SS-Oberführers Oskar Dirlewanger in den Bezirk eingedrungen waren, beschloss Reinefahrt, das Personal und die Patienten aller sechs Feldlazarette in der Altstadt zu ermorden. Soldaten der SS begannen am 2. September 1944 mit dem Massaker. Zunächst wurden 38 Krankenhausmitarbeiter – Ärzte, Krankenschwestern und Nonnen – im Klostergarten erschossen; heute markiert ein vom Putz freigelegtes Fragment einer Gebäudemauer den Hinrichtungsort. Im Anschluss sprengten Pioniere den Keller und die Überreste der bereits schwer beschädigten Kirche.[5] Rund eintausend Menschen fielen hier den vorausgegangenen Bomben- und Artillerieangriffen sowie der Sprengung der Kirche zum Opfer.[4]
Das Kloster befand sich nach dem Krieg in einem besseren Zustand als die Kirche; das Dach war abgebrannt und die Fenster zerstört. 1947 gaben die kommunistischen Behörden die Klostergebäude an den Dominikanerorden zurück.[2] Das Kloster wurde zwischen 1947 und 1965 nach einem Entwurf von Bruno Zborowski wieder aufgebaut.[3] Den schnelleren Wiederaufbau der Kirche verantwortete Halina Kosmólska.[6]
Das Kloster betreibt heute in Zusammenarbeit mit Studierenden der Warschauer Universitäten eine studentische Seelsorgeeinrichtung (Duszpasterstwo Akademickie „Freta 10”). Dort werden das gemeinsame Gebet, die sonntägliche Eucharistiefeier, Beteiligung an Hilfeleistung für Bedürftige oder Ausflüge angeboten.[7]
Einzelnachweise
- ↑ Übersetzt: Hier erschossen die Deutschen die Ärzte und Krankenschwestern des Aufstandskrankenhauses in der St. Jacek-Kirche des Dominikanerklosters
- ↑ a b c d e Lech Królikowski, Dominikanie w Warszawie, 1. Juni 2016, Passa, (polnisch, abgerufen am 29. September 2025)
- ↑ a b c Bartłomiej Modrzewski, Klasztor, 19. Oktober 2017
- ↑ a b Powstańczy szpital na Freta. Schronienie, które zmieniło się w piekło, 3. Oktober 2018, polskieradio.pl (polnisch, abgerufen am 3. Oktober 2025)
- ↑ Czy ktoś po nich płacze, Gazeta Polska, Nr. 36, 9. September 2015, bei: Wspomnienie 2 września 1944, Website des Warschauer Dominikanerordens (polnisch, abgerufen am 3. Oktober 2025)
- ↑ Kościół pw. św. Jacka, klasztor Dominikanów i galeria dominikańska Freta 8/10, Fundacja „Warsawaw1939.pl“ (polnisch, abgerufen am 26. September 2025)
- ↑ Website der Duszpasterstwo Akademickie "Freta 10" (polnisch)
Weblinks
- Historia Klasztoru, Website der Freta-Dominikaner (polnisch)
Koordinaten: 52° 15′ 7″ N, 21° 0′ 36,2″ O