Diplom-Kriminologe

Diplom-Kriminologe (Abk. Dipl.-Krim.) ist ein akademischer Grad, der in Deutschland an Hochschulabsolventen des an der Universität Hamburg von 1984 bis 2005 angebotenen Studiengangs Aufbaustudium Kriminologie verliehen wurde.

Bereits in den Fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts hatte es am Institut für Kriminologie der Universität des Saarlandes einen zweijährigen Studiengang der Kriminologie gegeben, das ebenfalls mit einem Diplom in Kriminologie abgeschlossen werden konnte. Adressaten dieses nur wenige Jahre lang bestehenden Studienangebotes waren sowohl Juristen als auch Polizeibeamte.[1]

Beim Aufbaustudium Kriminologie handelte es sich um das bundesweit erste autonome kriminologische Hochschulstudium.[2] Es war von seinen Studieninhalten her von Beginn an sozialwissenschaftlich ausgerichtet und (seit dem Jahr 2000) auch institutionell an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften verankert. Das Diplomstudium hatte eine Regelstudienzeit von vier Semestern und baute auf ein vorheriges abgeschlossenes Hochschulstudium der Soziologie, Psychologie, Pädagogik, Humanmedizin, Rechtswissenschaft oder verwandter Fächer auf.[3] Es knüpfte an die Perspektiven der Kritischen Kriminologie an und war um die Themenschwerpunkte Policing und Gewalt herum konzipiert. Abgeschlossen wurde es mit einer sechsmonatigen Diplomarbeit sowie einer sich an diese anschließenden mündlichen Prüfung (Disputation). Im Anschluss an die Disputation wurde im Falle des Bestehens sodann der akademische Grad eines Diplom-Kriminologen bzw. einer Diplom-Kriminologin vergeben.

Seit dem Jahr 2000 war für die Absolventen des Aufbaustudiums auch eine sich anschließende Promotion zum Dr. phil. im Fach Kriminologie möglich.[4]

Das Aufbaustudium Kriminologie war von 1984 bis 2000 zunächst am damaligen Fachbereich Rechtswissenschaften II der Universität Hamburg ansässig, bevor es im Jahr 2000 mit dem neu gegründeten Institut für Kriminologische Sozialforschung der Universität Hamburg an den Fachbereich Sozialwissenschaften umzog.[5] Zum Wintersemester 2005/2006 wurde das Aufbaustudium im Zuge der Bolognareformen durch den Masterstudiengang Internationale Kriminologie mit dem Abschluss Master of Arts (120 ECTS) ersetzt.[6] Die letzten Prüfungsverfahren im Diplomstudiengang mussten laut Amtlicher Bekanntmachung der Universität Hamburg vom 20. September 2013 bis zum 31. März 2015 abgeschlossen sein.[7] Auch der Nachfolgestudiengang M.A. Internationale Kriminologie wurde zum Wintersemester 2022/23 eingestellt.[8]

Parallel zum Aufbaustudium Kriminologie wurde ein Kontaktstudium Kriminologie für Berufstätige angeboten. Für dessen Abschluss wurde jedoch kein akademischer Grad verliehen, Absolventen erhielten vielmehr einen Kontaktstudienbrief.[9] Aus diesem Kontaktstudium wurde sodann das nach wie vor angebotene weiterbildende Masterstudium Kriminologie (60 ECTS).

Literatur

  • Gabi Löschper: Das Aufbau- und Kontaktstudium Kriminologie. In: Jörg-Martin Jehle (Hrsg.), Kriminologie als Lehrgebiet. Kriminologische Aus-, Fort- und Weiterbildung in verschiedenen Studienfächern und Berufsfeldern, Wiesbaden 1992, S. 173–198.
  • Christian Wickert, Christina Schlepper, Simon Egbert, Katrin Bliemeister: Kriminologie studieren in Hamburg. In: Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 96 (2013), S. 270–275.

Einzelnachweise

  1. Heike Jung: Kriminologische Ausbildung in Deutschland - ein Überblick. In: Jörg-Martin Jehle (Hrsg.), Kriminologie als Lehrgebiet. Kriminologische Aus-, Fort- und Weiterbildung in verschiedenen Studienfächern und Berufsfeldern, Wiesbaden 1992, S. 13–34, S. 16.
  2. Wolfgang Deichsel, Kriminologie als selbständiges interdisziplinäres Hochschulstudium. Ein Tagungsbericht. In: Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 69 (1986), S. 361-372, S. 361.
  3. Mitteilungen, Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 87 (2004), S. 406.
  4. Aufbaustudium Kriminologie. Programm und Studieninformation. Stand: Oktober 2004, S. 1 und S. 13.
  5. Erst ab dem Jahr 2005 wurde die Universität Hamburg wieder in Fakultäten gegliedert und wurde der Fachbereich Sozialwissenschaften in die Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften integriert.
  6. Christian Wickert, Christina Schlepper, Simon Egbert und Katrin Bliemeister: Kriminologie studieren in Hamburg. In: Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 96 (2013), S. 270–275, S. 271.
  7. Aufhebung PO Kriminologie vom 1. Februar 2012 und 5. Juni 2013, veröffentlicht am 20. September 2013.
  8. Informationen zum eingestellten Studiengang M.A. Internationale Kriminologie auf der Internetpräsenz der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg.
  9. Informationen zum ehemaligen Kontaktstudium Kriminologie auf der archivierten Internetpräsenz des Aufbau- und Kontaktstudiums Kriminologie.