Diogène Maillart
Diogène Ulysse Napoléon Maillart (* 28. Oktober 1840 in Lachaussée-du-Bois-d’Écu; † 3. August 1926 in Paris) war ein französischer Maler, Illustrator, Designer, Kunstlehrer und Kunstkritiker.[1]
Leben
Diogène Maillart erhielt seine erste künstlerische Ausbildung an der staatlich geförderten École impériale de dessin, einer auf Kunstgewerbe ausgerichteten Zeichenschule. Anschließend studierte er im Atelier von Léon Cogniet an der École des Beaux-Arts in Paris und spezialisierte sich auf historische Malerei. Im Jahr 1864 gewann der damals 23-jährige Maillart den Premier Grand Prix de Rome in der Kategorie Malerei. Dieser Preis ermöglichte ihm einen mehrjährigen Aufenthalt in der Villa Medici in Rom. Nach seiner Rückkehr nach Paris im Jahr 1869 wurde er zum Zeichenprofessor an der Manufacture des Gobelins ernannt, eine Stellung, die er etwa fünfzig Jahre lang innehatte.[1]
Zwischen 1873 und 1877 war Diogène Maillart zudem als Inspecteur des travaux d’art tätig. In dieser Funktion übernahm er die Aufsicht über staatliche Kunstaufträge und deren Ausführung. Über ein halbes Jahrhundert hinweg stellte er regelmäßig im Pariser Salon aus und blieb somit kontinuierlich im offiziellen französischen Kunstbetrieb präsent. Er pflegte enge Beziehungen zu kirchlichen Kreisen sowie zu kommunalen Auftraggebern in Paris und seiner Heimatregion Oise, was sich in zahlreichen Dekorations- und Ausstattungsaufträgen niederschlug. 1885 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt, was seine Anerkennung im offiziellen Kunst- und Kulturbetrieb der Dritten Republik unterstreicht. In seinen letzten Lebensjahren widmete sich Diogène Maillart verstärkt der kunsthistorischen und kunsttheoretischen Schriftstellerei und verfasste umfangreiche Werke zur allgemeinen Kunstgeschichte und zur byzantinischen Kunst. Er starb 1926 in Paris und wurde auf dem Cimetière du Montparnasse beigesetzt. Sein Grab ist mit einer Büste von Henri-Léon Gréber dekoriert.[1]
Werk
Diogène Maillart war als Historienmaler, Porträtist und Landschaftsmaler tätig. Zudem arbeitete er als Illustrator für große Pariser Verlage und als Entwerfer von Kartons für Tapisserien und Glasfenster. Stilistisch wird er der akademischen Tradition des 19. Jahrhunderts zugeordnet. Seine historisierenden, religiösen und allegorischen Themen entsprachen dem offiziellen Geschmack seiner Zeit. Im Bereich der Wand- und Monumentalmalerei beteiligte er sich an der Ausmalung öffentlicher Gebäude der Hauptstadt im Zuge der dekorativen Programme des Zweiten Kaiserreichs und der Dritten Republik. Für die Pariser Kirche Saint-Augustin schuf er die großformatigen Gemälde Le Baptême de saint Augustin (1874) und La Mort de sainte Monique (1877), die bis heute zum Bildprogramm der Kirche gehören. Für die Stadt Paris arbeitete Diogène Maillart an der Dekoration der Mairie des 3. Arrondissements, darunter Deckenmalereien und allegorische Darstellungen wie La Ville de Paris instruisant ses enfants, sowie an weiteren Entwürfen für Schul- und Verwaltungsgebäude. Darüber hinaus war er an der Ausstattung des Warenhauses Le Bon Marché beteiligt, dessen dekorative Malereien jedoch im Zuge späterer Umbauten verloren gingen.[1]
Diogène Maillart erhielt einen bedeutenden internationalen Dekorationsauftrag für Schloss Neudeck in Oberschlesien, das sich im Besitz von Fürst Guido Henckel von Donnersmarck und seiner Frau, der als La Païva bekannten Gräfin, befand. Das Schloss mit dem von Maillart gestalteten Deckengemälde wurde 1945 zerstört, sodass das Werk heute nur noch durch schriftliche und fotografische Zeugnisse überliefert ist.[1]
In seiner Heimatregion Oise erhielt Maillart mehrere Aufträge für historische Dekorationen, unter anderem für den Großen Saal des Rathauses von Beauvais. Er gestaltete dort Szenen aus der Stadtgeschichte, darunter den Tod des gallischen Anführers Corréus sowie Episoden um Jeanne Hachette und Louis XI. Diese wurden im Zweiten Weltkrieg durch Bombardements beschädigt oder zerstört. Diogène Maillart entwarf zudem zahlreiche Kartons für Kirchenfenster, etwa für den Südkreuzgang der Kathedrale von Senlis mit einer Prophetenfolge sowie für Kirchen in Pontpoint und Plailly. Für den Pariser Goldschmied und kirchlichen Ausstatter Poussielgue-Rusand fertigte er außerdem Vorlagen für Kreuzwegdarstellungen an, die im Chromolithografie-Verfahren vervielfältigt wurden.[1]
Diogène Maillart schuf als Staffeleimaler Porträts, Genreszenen, Figurenstudien und Ansichten aus seiner Umgebung. Zu den Motiven zählen unter anderem Szenen aus Rieux an der Oise, wo er ein Landhaus (Château vert) besaß. Werke wie Une rue de Rieux oder Kircheninterieurs und Lektüreszenen sind heute unter anderem im Musée Gallé-Juillet in Creil erhalten. Neben seiner Tätigkeit als Künstler verfasste Maillart kunsthistorische und ästhetische Schriften, darunter das zweibändige Werk Athéna, Histoire générale des Beaux-Arts sowie eine Monografie über den byzantinischen Kunststil mit dem Titel L’Art byzantin. Seine Doppelfunktion als praktizierender Künstler und Theoretiker verschaffte ihm eine besondere Stellung im französischen Kunstleben des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Einige seiner Gemälde und Entwürfe befinden sich in öffentlichen Sammlungen, beispielsweise im Petit Palais in Paris, wo unter anderem Skizzen für Dekorationswettbewerbe der Stadt Paris aufbewahrt werden.[1]
Literatur
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 9: Maele – Müller. Paris, 2006.
- Catherine Thieblin: Diogène Maillart. Sa vie (1840–1926), son œuvre, à Paris, en Ile-de-France et dans le Beauvaisis, Association pour la Promotion du Patrimoine local de l’Oise et du Beauvaisis, Beauvais, 2012.
Weblinks
- Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter, 2009.
- Diogène Ulysse Napoléon Maillart. In: artnet.fr.
- TITEL. In: millon.com / Millon, Paris. Ehemals im (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 12. Dezember 2025. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)