Henri-Léon Gréber
Henri-Léon Gréber (* 28. Mai 1854 in Beauvais; † 4. Juni 1941 in Paris) war ein französischer Bildhauer des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Er ist vor allem für seine realistisch-klassizistischen Skulpturen, Denkmäler und Porträtbüsten bekannt.[1]
Leben
Henri-Léon Gréber entstammte einer Künstler- und Handwerkerfamilie aus Beauvais. Er war der Sohn von Jean-Baptiste Gréber und Bruder des unter anderem als Keramiker tätigen Charles Gréber. Bereits ab 1868 stellte er im Umfeld der neu gegründeten Familienmanufaktur in Beauvais aus, in der er zunächst tätig war. Vor 1874 ließ er sich in Paris nieder. Dort erhielt er seine künstlerische Ausbildung bei Pierre Louis Rouillard und Emmanuel Fremiet, dessen Freund und zeitweiliger Mitarbeiter er wurde. Er absolvierte weitere Studien bei Antonin Mercié an der Académie Julian und wurde zeitweise auch von Jean-Léon Gérôme unterrichtet. Henri-Léon Gréber unterhielt nacheinander mehrere Ateliers in Paris. Daneben besaß er ein Landhaus in Cormeilles-en-Parisis im Département Val-d’Oise sowie ein Wohnhaus in Beauvais, wo er sich regelmäßig aufhielt und seinen Bruder Charles bei der Arbeit unterstützte.[1]
Bereits 1874 erregte Henri-Léon Gréber in Paris mit einer gemeinsam mit Fremiet ausgeführten Statue der Jeanne d’Arc für den Place des Pyramides Aufmerksamkeit. 1890 arbeitete er erneut mit Fremiet zusammen, unter anderem am Denkmal für Admiral Courbet. Ein längerer Aufenthalt führte ihn nach Kolumbien. Im Jahr 1904 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Henri-Léon Gréber war Mitglied der Jury der Société des Artistes Français. Von 1910 bis 1933 gehörte er der Kommission des Musée départemental de l’Oise an und schenkte dem Museum insgesamt siebzehn Werke. Er war zweimal verheiratet: 1875 heiratete er Marie Huard, die 1924 verstarb. Aus dieser Ehe gingen der spätere Architekt Jacques Gréber und die Tochter Suzanne hervor. 1929 heiratete er Berthe Gruel.[1]
Werk
Henri-Léon Grébers Werk steht in der Tradition seiner Lehrer Rouillard, Mercié und Fremiet und ist einer klassisch-realistischen Auffassung verpflichtet, wie sie der offiziellen Kunst der Dritten Französischen Republik entsprach. Wie für Bildhauer seiner Generation typisch, beteiligte er sich sowohl an der Errichtung zahlreicher Statuen im öffentlichen Raum in den 1890er Jahren als auch an der Gestaltung von Kriegerdenkmälern nach dem Ersten Weltkrieg.[1]
Henri-Léon Gréber schuf Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien, darunter Bronze, Marmor, Kalkstein sowie salzglasiertes Steinzeug. Neben Monumenten und Denkmälern fertigte er Porträtbüsten und -statuetten, häufig nach fotografischen Vorlagen, ferner Allegorien, Grabmäler, Brunnenanlagen und Modelle für die Porzellanmanufaktur in Sèvres. In Zusammenarbeit mit seinem Bruder Charles entstand 1911 das Hochrelief Potier tournant un vase für die Fassade des Manufakturgebäudes der Familie in Beauvais.[1]
Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen der Brunnen La Naissance de Vénus (1905), das Brunnenbecken mit zwei Gärtnern (1913), Le Bellovaque vainqueur (1910), Baiser à la victoire (nach 1918) sowie zahlreiche Porträts bedeutender Künstler und Persönlichkeiten seiner Zeit, darunter Emmanuel Fremiet und Jean-Léon Gérôme. Werke Grébers befinden sich unter anderem in Beauvais, Paris, Dijon, Bordeaux, Meudon, Kansas City und Bogotá. In den 1930er Jahren arbeitete Gréber erneut mit seinem Vater zusammen und schuf zahlreiche Skulpturen für Parkanlagen, die sein Vater für französische und nordamerikanische Städte entwarf.[1]
Literatur
- Ulrich Thieme, Felix Becker: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band 14, E. A. Seemann, Leipzig 1921.
- Emmanuel Bénézit: Dictionnaire critique et documentaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs, Band 2, Paris 1913.
- Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts, Band 2, E. A. Seemann, Leipzig 1955.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 6: Gémignani – Herring. Paris, 2006.