Dietmar Schütz

Dietmar Schütz (* 21. Oktober 1943 in Oldenburg)[1] ist ein deutscher Verwaltungsjurist und Politiker (SPD). Er war von 1987 bis 2001 Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 2001 bis 2006 übte Dietmar Schütz das Amt des Oberbürgermeisters seiner Heimatstadt Oldenburg aus.[1] Danach war er von 2008 bis 2013 Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE).

Leben

Dietmar Schütz legte das Abitur an der Graf-Anton-Günther-Schule in Oldenburg ab. Er studierte an der Universität Göttingen die Fächer Geschichts-, Politik- und Rechtswissenschaften. Dietmar Schütz wurde im Jahr 1965 Mitglied der SPD,[2] zugleich war er Mitglied des Sozialdemokratischen Hochschulbundes. Er absolvierte im Jahr 1970 das erste und 1973 das zweite juristische Staatsexamen.[2] Es folgte eine Tätigkeit als Dezernent beim Regierungsbezirk Osnabrück.[3] Er war von 1974 bis 1976 persönlicher Referent des Niedersächsischen Wissenschaftsministers Joist Grolle[4] und nach dessen Ausscheiden im Februar 1976 durch die Wahl Ernst Albrechts zum Ministerpräsidenten als Dezernent bis 1986[3] bei der Bezirksregierung Weser-Ems in Oldenburg.

Zwischen 1981 und 1987 gehörte er dem Rat der Stadt Oldenburg an und war in den Jahren 1985 bis 2001 Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Oldenburg-Stadt.

Mitglied des Bundestages

Von 1987 bis 2001 war er in der 11. Wahlperiode, in der 12., in der 13. und zeitweise in der 14. Wahlperiode Mitglied des Deutschen Bundestages.[2] Dort war er unter anderem auch Landesgruppensprecher der niedersächsischen SPD-Abgeordneten im Bundestag und stellvertretender energiepolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Er gehörte zunächst dem Rechtsausschuss und später dem Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie dem Haushaltsausschuss an. Zudem war er Mitglied im Vertrauensgremium des Bundestages.

Schütz wird neben Michaele Hustedt, Hans-Josef Fell (beide Bündnis 90/Die Grünen) und Hermann Scheer (SPD) zu den Müttern und Vätern des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gezählt, das für 47 Staaten der Welt zum Vorbild wurde.[5][6][7] Es gilt als Verdienst von Schütz, dass EEG gegen Skeptiker innerhalb der eigenen Fraktion durchgesetzt und die nötigen Mehrheiten organisiert zu haben.[8]

Oberbürgermeister

In den Jahren 2001 bis 2006 war er Oberbürgermeister Oldenburgs. Er hatte im ersten Wahlgang bei der Kommunalwahl in Niedersachsen 2001 am 9. September 2001 gegen den bisherigen Oberbürgermeister, Jürgen Poeschel, 48,73 % der Stimmen erreicht und gewann die Stichwahl am 23. September 2001 mit 65,39 %.

Während der Amtszeit als Oberbürgermeister schloss Schütz für die Stadt Oldenburg mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg erstmals im Jahr 2002 einen Kooperationsvertrag.[9] Schütz realisierte und eröffnete 2003 das Technologie- und Gründerzentrum Oldenburg (TGO),[10] das zunächst als Einrichtung der Stadt Oldenburg betrieben wurde, bis Einnahmen generiert werden konnten. Die Stadt Oldenburg errichtete in mehrjähriger Planungs- und Bauzeit das OLantis Huntebad,[11] im Jahr 2006 konnte Schütz es in Betrieb nehmen.[10] Die EWE Arena wurde während Schütz‘ Amtszeit errichtet. Die Landesausstellung 2005 knüpfte an die einhundert Jahre vorher stattgefundene Landesausstellung an. Sie sollte „einen Spannungsbogen von 1905 zur Zukunft der wirtschaftlichen und kulturellen Innovationskraft der Region ziehen“.[10] Das Oldenburger Energiecluster (OLEC) entstand 2005 als ein „ein regionales Netzwerk mit internationaler Ausrichtung, dem mittlerweile 55 Unternehmen, wissenschaftlich arbeitende Institutionen, Gebietskörperschaften sowie Bildungseinrichtungen im Energiebereich angehören“. Einer der Schwerpunkte sind Erneuerbare Energien.[12]

Bei den Oberbürgermeisterwahlen am 10. September 2006 kandidierte Schütz erneut für dieses Amt, erreichte im 1. Wahlgang nicht die absolute Mehrheit der Stimmen und unterlag bei der Stichwahl vierzehn Tage später mit 49,13 % der Stimmen knapp seinem Herausforderer Gerd Schwandner.[13]

Weitere Tätigkeiten

Ab Februar 2008 bis Oktober 2013 war er Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie[14] und verlegt den Sitz der Geschäftsstelle nach Berlin. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag wurde Schütz Mitglied der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlamentes e. V. und gehörte in den Jahren 2012 bis 2018 dessen Vorstand an.[15]

Dietmar Schütz ist seit 2014[3] Vorsitzender der Oldenburger Bürgerstiftung.[16] In Oldenburg gedenkt seit 2021 die organisatorisch federführende Bürgerstiftung im Einvernehmen mit der Stadt Oldenburg aus Rücksicht auch auf Argumente der jüdischen Gemeinde Oldenburg der jüdischen NS-Opfer nicht mit Stolpersteinen, sondern mit Tafeln und Stelen.[17] Auch andere NS-Opfer, die „ihr Leben aufgrund rassistischer, politischer und religiöser Verfolgung, wegen ihrer sexuellen Orientierung, ihrer tatsächlichen oder angeblichen Krankheiten oder ihres unangepassten Verhaltens“ verloren, werden durch Stelen und Tafeln gewürdigt. Hierfür können Bürger durch Spenden beitragen. Tafeln und Stelen werden an den Häusern, in denen die NS-Opfer früher wohnten, angebracht.[18]

Schütz ist Vorsitzender des Fördervereins von Werkstattfilm e. V. in Oldenburg.[19]

Dietmar Schütz ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt in Oldenburg.[1]

Veröffentlichungen

  • Herausgeber gemeinsam mit Björn Klusmann: Die Zukunft des Strommarktes. Anregungen für den Weg zu 100 Prozent erneuerbare Energien. Ponte Press, Bochum 2011, ISBN 978-3-920328-59-1 (Inhaltsverzeichnis)
  • Herausgeber gemeinsam mit Jürgen Lüthje: 50 Jahre Universität in Oldenburg. Ein Glücksfall für Stadt und Region. Isensee, Oldenburg 2024, ISBN 978-3-7308-2097-1 (Inhaltsverzeichnis)
Commons: Dietmar Schütz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Webseite der Stadt Oldenburg, Abruf am 14. September 2019
  2. a b c Bericht auf der Website des Deutschen Bundestages, Abruf am 23. Oktober 2025
  3. a b c Jürgen Lüthje und Dietmar Schütz: 50 Jahre Universität in Oldenburg. Ein Glücksfall für Stadt und Region. Isensee, Oldenburg 2024, ISBN 978-3-7308-2097-1, S. 516 (Abschnitt 9–Autorinnen und Autoren)
  4. NWZ-Online vom 19. Oktober 2013, Abruf am 15. April 2019
  5. Benjamin von Brackel: Auf in die letzte Schlacht. EEG: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist nichts weniger als die Zukunftsvision der Umweltbewegung. Nun soll es gekippt werden. Was seine Erfinder dazu sagen. Der Freitag, 12. Oktober 2012, abgerufen am 14. Oktober 2017.
  6. Michaele Hustedt – Die Mutter des EEG. (PDF; 0,5 MB) Interview über die Entstehung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Deutschen Bundestag von 1994 bis 2005. www.sonnenenergie.de, 19. August 2017, abgerufen am 14. Oktober 2017.
  7. Christiane Grefe: Nachruf: Hermann Scheer, praktischer Visionär und Urdemokrat. Als Energieexperte war er ein weltweit gefragter Mann – das politische Berlin hingegen wurde ihm fremd. Eine persönliche Erinnerung an Hermann Scheer von Christiane Grefe. www.zeit.de, 15. Oktober 2010, abgerufen am 22. Februar 2019.
  8. Dietmar Schütz, die Viererbande und das EEG. Abgerufen am 24. April 2021.
  9. Bericht vom 23. April 2024 über eine neue Kooperationsvereinbarung auf der Website Oldenburg.de, Abruf am 26. Oktober 2025
  10. a b c Bericht auf der Website Oldenburg.de, Abruf am 26. Oktober 2025
  11. Lioba Meyer und Frank Hinrichs: Das neue Flussbad am OLantis Huntebad (Memento vom 25. Juni 2016 im Internet Archive). In: A.B. Archiv des Badewesens 08/08, S. 404–414, abgerufen am 15. August 2016, auf polyplan-gmbh.de
  12. Beschreibung auf der Website Energiecluster.de, Abruf am 26. Oktober 2025
    Beschreibung auf Oldenburg.de, Abruf am 26. Oktober 2025
  13. Website der Stadt Oldenburg: Tabelle der Wahlergebnisse der Oberbürgermeisterwahlen 2006 (Memento vom 28. Februar 2020 im Internet Archive), (PDF; 88 kB), Abruf am 28. Februar 2020
  14. Bericht vom 24. August 2020 auf der Website Energiewinde.orsted.de über Dietmar Schütz, Abruf am 25. Oktober 2025
    Bericht vom 3. März 2008 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Abruf am 25. Oktober 2025
  15. Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlamentes e. V.: Liste früherer Vorstandsmitglieder (Memento vom 30. April 2019 im Internet Archive), (PDF; 31 kB), Abruf am 30. April 2019
  16. Website der Bürgerstiftung, Abruf am 23. Oktober 2025
  17. Stifungsvorsitzender über Gedenken: „Plaketten auf Augenhöhe“. Oldenburg gedenkt jüdischer NS-Opfer nicht mit Stolpersteinen, sondern mit Tafeln und Stelen. Warum das so ist, erklärt Dietmar Schütz. Das Interview führte Harff-Peter Schönherr. In: taz, 15. November 2021, abgerufen am 23. Oktober 2025.
  18. Erinnerungszeichen erinnern auf Augenhöhe. Bericht auf Oldenburger-Buergerstiftung.de, Abruf am 23. Oktober 2025
    „Erinnerungszeichen in Oldenburg. Stelen und Tafeln statt Stolpersteine – Projekt der Bürgerstiftung Oldenburg. Opfer der NS-Verbrechen: Erinnerungszeichen auf Augenhöhe“ auf der Website Oldenburg.de, Abruf am 23. Oktober 2025
  19. Website von Werkstattfilm.de, Abruf am 23. Oktober 2026