Dieter von Levetzow

Dieter von Levetzow, eigentlich Wolf-Dietrich von Levetzow, (* 22. November 1925 in Gronau, Deutsches Reich) ist ein deutscher Maler, Bildhauer und Medailleur[1]. Er ist ein Urgroßneffe von Goethes später Liebe, Ulrike von Levetzow.[2][3]

Werdegang

Dieter, eigentlich Wolf-Dietrich, von Levetzow wurde 1925 in Gronau im Landkreis Hildesheim in Niedersachsen geboren.[2] Die Eltern waren der vormalige fst. waldeck. Kurinspektor Carl-Viktor von Levetzow und seine zweite Ehefrau Walli Hupfeld, die aus dem Saarland stammte. Wolf-Dieter hatte eine ältere Halbschwester Ruth, geboren 1907. Der Vater war Mitglied im Johanniterorden. Der Großvater Hans von Levetzow hatte mit Waldenau bei Pinneberg ein kleines Gut. Der gleichnamige Urgroßvater Hans Christoph Diederich Victor von Levetzow war kgl. dän. Kammerherr, Geheimer Rat, Stiftshauptmann, Administrator der Grafschaft Rantzau, mit dem Ehrentitel Exzellenz.

Er wuchs in den 1920er Jahren Bad Pyrmont auf, der Kurstadt und selbständigen Gemeinde im Landkreis Hameln-Pyrmont, in Niedersachsen.[4] In Bad Pyrmont entwickelte sich eine Spielfreundschaft mit Hubertus Mackensen von Astfeld,[5] dessen Vater Rudolf Mackensen von Astfeld ein höherer Offizier war.[6] Seine Kindheit war von der Weltwirtschaftskrise überschattet. Während seiner Jugend zeichnete sich schon ab, dass er später eine künstlerische Laufbahn einschlagen würde.[7] Es begann bereits mit dem Schneemann im Sandkasten sowie dem Modellieren von Tieren am Sandstrand von Kolberg.[2] Als kleiner Junge skizzierte er auch allerlei entblößte Damen. Als ihn seine Eltern fragten, wo er so etwas gesehen habe, antwortete er ihnen Folgendes:[7] Die Eltern lebten dann später, 1940, in dem sächsischen Gutsdorf Strauch bei Großenhain.

„An der Decke der Wandelhalle in Bad Pyrmont waren sie aufgemalt, da hatte nur niemand hochgeschaut.“

Während des Zweiten Weltkrieges bewarb er sich 1941 mit einem Elefanten aus Knetmasse bei der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar um einen Studienplatz. Aufgrund seines Werkes erhielt er eine Sondergenehmigung vom Kultusministerium aus Berlin mit einer Auflage. Er durfte keine Modellklasse besuchen, da er noch minderjährig war. Allerdings sagten ihm die Weimarer Professoren folgendes:[3]

„Wenn du Bildhauer werden willst, musst du schon hinschauen bei den Nackten!“

Kurz zuvor wurde er von einer Schule verwiesen, die er als „Schockkammer“ bezeichnete.[8] Dieter von Levetzow ist bis heute ein humorvoller Mensch, was in der Familie liegt. Kurz bevor er in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet, schrieb ihm seine Mutter in einem Brief Folgendes:[7]

„Dein größter Wunsch ist wahr geworden, man hat die Schule bombardiert.“

Dieter von Levetzow beendete erst nach der Militärzeit und der polnisch-sowjetischen Kriegsgefangenschaft sein Studium in Weimar.[2][8] Da er nach dem Krieg im Osten keine Perspektive für sich sah, flüchtete er in den Westen. Sein erstes Ziel war Hamburg. Dort bekam er aber nur Lebensmittelkarten.[7] Seine erste Anstellung trat er dann als Bühnenbildner-Assistent in der Stadt Heide an.[8] Später sagte er Folgendes darüber:[2]

„Es war herrlich, eine ungetrübte Zeit in der Theaterwelt nach dem Kriegsende erleben zu dürfen.“

Während seiner Arbeit in Heide schwärmte sein Kollege, der Maler Dieter Güllert, vom Niederrhein. Als dieser dann nach Paesmühle bei Straelen zog, folgte ihm Dieter von Levetzow kurz danach.[2][7] Dort funktionierten sie ein Treibhaus zu einem Atelier um und betrieben es in der Folgezeit zusammen.[2][8] Die erste Ausstellung Junge Kunst Paesmühle fand im Hotel Lomm statt. Sein bevorzugtes Material war damals der Kirchheimer Muschel-Kalkstein.[2]

Dieter von Levetzow unternahm 1951 eine Studienreise nach Italien, über Rom, Neapel und Capri.[2] Während seines Aufenthalts dort trat er eine Anstellung als Bildhauer für den Bischof von Sorrent in der Kirche von Anacapri an, die er mehrere Jahre lang innehatte. Während dieser Zeit verliebte er sich in eine Inderin, mit der er schließlich in den 1950er Jahren nach Bayern zog. Der Anfang war dort nicht leicht. Er lebte zu der Zeit als Protestant unverheiratet mit einer Inderin in Bayern zusammen. Erst ein Ereignis änderte dies, sagte Dieter von Levetzow:[7]

„Hochwürden hat uns auf dem Wochenmarkt gegrüßt, danach waren wir akzeptiert.“

Ende der 1950er Jahre begann er mit der cire perdue-Gießtechnik zu arbeiten.[8] In der Folgezeit nahm er an Ausstellungen in Köln-Düsseldorf, München, Duisburg und Kevelaer teil.[2]

Dieter von Levetzow wohnt heute auf dem mehr als 500 Jahre alten Hof „Klarenbeck“ in Kranenburg, wo er ein Atelier betreibt.[8] Er erwarb den Hof in den 1970er Jahren und renovierte ihn.[2] Eine niederländische Gießerei, zu deren Kundenkreis die ehemalige Königin Beatrix gehört, ist sein Partner.[8] Dieter von Levetzow ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst, er kommt trotz seines Alters zu den mehrtägigen Jahrestagungen. Er arbeitet aktiv auch als Medailleur.

Er hat keine Kinder.[3]

Werke (Auswahl)

Im Folgenden eine kleine Auswahl von den Werken von Dieter von Levetzow:

  • 1970: Cupido, Kleve
  • 1981: Butterwieger, Gelsenkirchen[9]
  • 1983: Relief mit Baum, Gelsenkirchen[10]
  • 1983: Relief aus Terracotta, Gelsenkirchen[11]
  • 1986: Janusbrunnen, Kleve
  • 1987: Rhinkieker, Rees[2][12]
  • 1989: Spanischer Offizier, Rees[12]
  • 1989: Ziege, Rees[12]
  • 1993: Froschkönig, Rees[12]
  • 1995: Geschichte des Berger Feld, Gelsenkirchen[13]
  • 2002: Eurojunge, Rees[12]
  • 2006: Dame mit Hut, Rees[12]
  • Der Steckenreiter[2]
  • Forellenbrunnen, Kranenburg
  • Golfspieler-Plastiken[2]
  • Kinderbrunnen[2]
  • Lautenspieler, Rees[12][14]
  • Poorte Jäntje, Goch[2][15]
  • Poortekerl, Emmerich am Rhein
  • Schwan als Wappentier, Worcester[2]

Die Erstausgabe der Karl-Leisner-Medaille, die Dieter von Levetzow gestaltete,[16] wurde Papst Benedikt XVI. überreicht.[8]

Er gestaltete auch einen Altar in Hüthum.[2]

  • Schrift: Sculpturen. Selbstverlag, Kraneburg 1999. ISBN 3-931246-06-X.

Einzelnachweise

  1. Künstler. Dieter von Levetzow. Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst e. V., abgerufen am 7. April 2024.
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r Der „Menschenfreund“ von Haus Klarenbeck wird 90 Jahre alt, RP Online, 21. November 2015
  3. a b c Dagmar Gaßdorf: Dieter von Levetzows lebhafte Gesten in Bronze. In: Thüringische Landeszeitung. 26. Dezember 2010, abgerufen am 7. April 2024.
  4. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Deutscher Uradel. 1929. Achtundzwanzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1928, S. 504. (Unvollständig) (FamilySearch).
  5. DNB 1158380917 Hubertus Mackensen von Astfeld: Genealogische Streifzüge. Lebensbilder der Mackensens und ihrer Frauen. 1995, S. 543.
  6. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser 1961. B (Briefadel), Band V, Band 26 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1961, ISSN 0435-2408, S. 215 f.
  7. a b c d e f Daams, Andreas: Die gute Erde (Memento vom 27. Januar 2017 im Internet Archive), Der Westen, 19. November 2015.
  8. a b c d e f g h Eindrucksvoller Blick in die Arbeit von Dieter von Levetzow, RP Online, 5. August 2015
  9. Wiki Gelsenkirchen: Wiki.
  10. Wiki Gelsenkirchen: Wiki.
  11. Wiki Gelsenkirchen: Wiki.
  12. a b c d e f g Skulpturenrundgang durch Rees (PDF), Stadt Rees, 2011.
  13. Wiki Gelsenkirchen: Wiki.
  14. Foto vom „Lautenspieler“ von Dieter von Levetzow.
  15. Dowe, Kristin: Das Schicksal eines Verräters, NRZ, 5. Januar 2016
  16. Bronze-Relief erinnert an Karl Leisner, RP Online, 2. April 2015.

Genealogie

  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil A (Uradel). 1941. Vierzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1940, S. 275–276.
  • Gottfried Graf Finck von Finckenstein: Gothaisches Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. Band 8 (2018). Selbstverlag des Deutschen Adelsarchivs, Marburg 2018. ISSN 2364-7132 ISBN 978-3-9817243-7-0.
Commons: Dieter von Levetzow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien