Dieter Scharf (Kunstsammler)

Dieter Scharf (* 15. Juni 1926 in Berlin-Dahlem; † 2001) war ein deutscher Kunstsammler und Stifter.

Leben

Er war Enkel des Berliner Kunstsammlers Otto Gerstenberg und übernahm dessen umfangreiche private Kunstsammlung zusammen mit seinem Bruder Walther ab 1961 und ergänzte sie später mit weiteren selbsterworbenen Werken.[1] Nach dem Abitur 1944 wurde Scharf zur Wehrmacht eingezogen und geriet in englische Kriegsgefangenschaft.[2] Ab 1948 studierte er Naturwissenschaften in Passau, Zürich und Hamburg und schloss 1956 als Diplom-Chemiker ab.[2]

1953 heiratete er die Grafikerin Hilde Martens (1926–2012). Aus der Ehe ging eine Tochter hervor, Julietta Scharf.[2] Gemeinsam mit seiner Familie verwaltete er das Erbe seines Vaters und die Sammlung seiner Mutter, die auf Otto Gerstenberg zurückging.[2]

Sammlungen und Stiftung

Kurz vor seinem Tod gründete Scharf die „Stiftung Sammlung Dieter Scharf zur Erinnerung an Otto Gerstenberg“, um seine Sammlung dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.[3] Seit 2008 ist sie im östlichen Stülerbau in Berlin-Charlottenburg als Teil der Nationalgalerie untergebracht.[1] Die Sammlung umfasst Werke von der französischen Romantik, darunter Giovanni Battista Piranesi, Francisco de Goya und Victor Hugo, über Vertreter des Symbolismus, wie Odilon Redon, Max Klinger oder Alfred Kubin, bis zu Werken des Surrealismus, mit Salvador Dalí, Max Ernst und René Magritte.[3]

Neben der umfangreichen Sammlung surrealistischer und symbolistischer Werke widmete sich Dieter Scharf auch der afrikanischen Kunst. Seine Sammlung umfasste ausgewählte Skulpturen und Masken aus verschiedenen Regionen Afrikas, insbesondere aus West- und Zentralafrika, die durch ihre expressive Formensprache und spirituelle Bedeutung in Dialog mit den europäischen Kunstwerken der Sammlung treten.[1] Der Titel Sehen lernen geht auf einen Ausspruch des Sammlers Udo Horstmann (Kunstsammler) zurück, der Scharf beim Aufbau seiner Sammlung beriet.[4]

Teile der afrikanischen Sammlung wurden 2025 für einen Millionenbetrag versteigert.[5]

Einzelnachweise

  1. a b c Sammlung Scharf-Gerstenberg. In: Nationalgalerie Berlin.
  2. a b c d Stiftung Sammlung Dieter Scharf, Biografie.
  3. a b Eröffnung der Sammlung Scharf-Gerstenberg. In: Stiftung Preußischer Kulturbesitz, 10. Juli 2008.
  4. Dieter Scharf (Hrsg.): Sehen Lernen - Eine Sammlung afrikanischer Figuren. Dumont 1999. ISBN 978-3770150885
  5. Ingo Barlovic: Überzeugender Auftritt. In: Handelsblatt, 19. Juni 2025.