Die rote Blume (Garschin)
Die rote Blume (russisch Красный цветок, Krasny zwetok) ist eine Kurzgeschichte des russischen Schriftstellers Wsewolod Garschin von 1883. Sie gilt als sein literarisch bedeutendstes Werk.
Inhalt
Die Erzählung beschreibt Wahnvorstellungen eines Insassen eines Irrenhauses, der in einer roten Mohnblüte alles Böse dieser Welt sieht, und sie sich deshalb einverleiben will.
Monat Mai: Der Patient wird im Anstaltsgarten von den zwei grell leuchtenden hellroten Blüten dreier Mohnstauden magisch angezogen. Als er einen der beiden Blütenstängel abreißen will, verhindert das ein Wärter. Später am Abend in einem unbewachten Augenblick, reißt er eine der Blumen ab und verbirgt sie unterm Hemd direkt an der Brust.
Wie war das mit dem Opium? Es kommt aus dem Mohn. Also hat der Mohn alles Böse aufgesogen; enthält alles vergossene Blut der Unschuldigen. Das Böse dieser Welt soll nun nach dem Willen des Patienten über dessen Brust in sein Inneres diffundieren. Dort drinnen kann und muss es dann besiegt werden. Der Kranke kann nicht anders. Bevor der strenge Wärter eingreifen kann, reißt er auch noch die zweite Blüte ab, birgt sie wiederum an der Brust und versteckt sich im Haus. Als nun nach Überzeugung des Patienten alles Böse aus den Mohnblüten in ihn eingedrungen ist, verwelken die Blüten. Er verbrennt die Mohnblumenreste im Badeofen.
Danach, mit so viel Bösem intus, geht es dem Kranken sehr schlecht und er muss in die Zwangsjacke. Als er sieht, wie draußen im Beet eine dritte Mohnknospe aufbricht, befreit sich der rapide Abmagernde ohne fremde Hilfe aus der Zwangsjacke, überwindet listig das vergitterte Fenster zum Garten, reißt die dritte rote Blüte ab und zerdrückt sie in der Hand. Alles Böse dieser Welt hat der Kranke nun seiner Ansicht nach verinnerlicht und bricht unter der ungeheuren einverleibten Last zusammen. Am Morgen wird er mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht tot aufgefunden. Die dritte Blume gibt der Tote nicht her. Er wird mit ihr begraben.
Hintergründe
Wsewolod Garschin veröffentlichte Die rote Blume im Oktoberheft 1883 der Vaterländischen Annalen (Otetschestwennye Sapiski) in St. Petersburg, wo er bereits einige Erzählungen veröffentlicht hatte. Er beschrieb darin eigene Erfahrungen von Wahnvorstellungen, die er auf Grund seiner psychisch labilen Verfassung mehrere Male gemacht hatte, wahrscheinlich auch bei einem seiner beiden Aufenthalte in einem Irrenhaus.
Der deutsche Übersetzer Friedrich Fiedler konnte noch vor der Veröffentlichung ein Exemplar des Manuskriptes bei einem ersten Besuch beim Autor erhalten und stellte ihm danach seine Übersetzung vor, mit der dieser einverstanden war.[1] Sie erschien dann als erste deutsche Veröffentlichung Garschins in der Literaturzeitschrift Nordische Rundschau. Der deutsche Übersetzer und Experte für russische Literatur August Scholz war von ihr sehr beeindruckt und stellte deren literarische Qualität über die Schreckensgeschichten westlicher Autoren wie Edgar Allan Poe und Honoré de Balzac.[2] Die rote Blume wurde eine der meistverlegten Erzählungen von Wsewolod Garschin im deutschen Sprachraum.
Deutschsprachige Ausgaben
- Die rote Blume, in Nordische Rundschau, 1884, übersetzt von Friedrich Fiedler (Florian Alm)
- Die rote Blume, Jenni, Bern 1887, übersetzt von Eugenie Wieland, Dem Andenken Iwan Turgenieff gewidmet[3]
- Russische Novellen, Bibliographisches Institut, Leipzig 1889, übersetzt von A. Berger
- Die rote Blume, in Die rote Blume und andere Novellen, Reclams Universal-Bibliothek, Leipzig, 1907, Neuauflagen 1919, 1967, 1977, nach 1990, übersetzt von B. W. Loewenfeld
- Die rote Blume, Müller, München 1923
- Die rote Blume, Pflüger, München 1924
- Die rote Blume. Dem Andenken Iwan Turgenews gewidmet, in Wsewolod M. Garschin: Die Erzählungen. Übertragen und mit Nachwort von Valerian Tornius. Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1956 (Sammlung Dieterich, Bd. 177), S. 279–299
- Die rote Blume, Insel, Frankfurt 1988, übertragen von Valerian Tornius
Weblinks
- Красный цветок (Гаршин) Wikisource (russisch)
- online bei Lib.ru/Klassiker (russisch)
Bibliographische Angaben
- Einträge im WorldCat
- Eintrag im Labor der Fantastik (russisch)
Einzelnachweise
- ↑ Konstantin Asadowski (Hrsg.), Friedrich Fiedler. Aus der Literaturwelt. Tagebuch, Göttingen 1996, S. 49–51, mit Einzelheiten
- ↑ August Scholz, Wsewolod Garschin, in Das Magazin für die Litteratur des In- und Auslandes, 1886, S. 337–339 , hier S. 339; auch erwähnt bei Roswitha Loew, Wilhelm Henckel: Buchhändler – Übersetzer – Publizist, Lang 1995, S. 116f. (kurze Auszüge)
- ↑ Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel vom 15. Februar 1887, S. 876, erste feststellbare Übersetzung