August Scholz (Übersetzer)

August Scholz (* 27. September 1857 in Imielin, Provinz Schlesien, Königreich Preußen; † 8. Oktober 1923 in Berlin) war ein deutscher Übersetzer, Schriftsteller, Publizist und Lehrer. Er zählt zu den wichtigsten Vermittlern russischer Literatur im deutschsprachigen Raum um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Leben

August Scholz wurde 1857 im oberschlesischen Imielin geboren, das damals zur preußischen Provinz Schlesien gehörte. Bereits während seiner Schulzeit kam er durch Mitschüler mit der russischen Sprache in Kontakt. Diese frühen Sprachkenntnisse bildeten die Grundlage für seine spätere Tätigkeit als Übersetzer. Nach dem Abitur begann Scholz ein Jurastudium in Berlin, das er jedoch nicht abschloss. Stattdessen wandte er sich literarischen und journalistischen Arbeiten zu. Ab den frühen 1880er-Jahren veröffentlichte er Essays, Rezensionen und erste Übersetzungen aus dem Russischen in Zeitungen und literarischen Zeitschriften. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit war Scholz bis 1913 als Lehrer an einer Berliner Mittelschule tätig. Diese berufliche Absicherung ermöglichte ihm eine kontinuierliche Übersetzungstätigkeit, die er ab den 1890er-Jahren zunehmend professionalisierte. Im Jahr 1901 reiste Scholz nach Russland, wo er unter anderem Maxim Gorki persönlich kennenlernte. In der Folge setzte er sich intensiv für die Verbreitung von Gorkis Werk im deutschsprachigen Raum ein. Darüber hinaus war Scholz organisatorisch tätig, etwa bei der Vorbereitung von Gastspielen des Moskauer Künstlertheaters in Deutschland. August Scholz starb am 8. Oktober 1923. Als Sterbeort wird in der Literatur überwiegend Berlin genannt; vereinzelt finden sich auch Angaben zu Strausberg. Seine Grabstätte war zeitweise als Ehrengrab der Stadt Berlin ausgewiesen.

Wirken als Übersetzer

Scholz’ zentrale Bedeutung liegt in seiner umfangreichen Übersetzungsarbeit russischer Literatur. Er übertrug Werke zahlreicher bedeutender Autoren ins Deutsche, darunter:

Viele dieser Übersetzungen erschienen erstmals in deutscher Sprache und prägten nachhaltig die Rezeption russischer Literatur im Deutschen. Scholz’ Übersetzungen wurden sowohl im literarischen Feuilleton als auch im Theaterkontext rezipiert. Besonders seine Übertragungen dramatischer Werke Tolstois und Gorkis fanden breite Verwendung auf deutschen Bühnen.

Charakteristisch für Scholz’ Arbeit war eine vergleichsweise freie, an Lesbarkeit und Bühnenwirksamkeit orientierte Übersetzungsweise, wie sie für das ausgehende 19. Jahrhundert typisch war.

Teilweise veröffentlichte Scholz unter dem Pseudonym „Thomas Schäfer“, insbesondere journalistische Texte.

Rezeption und Wirkung

Zeitgenössisch galt August Scholz als einer der wichtigsten deutschen Kenner russischer Literatur. Literaturhistorische Darstellungen heben seine Rolle bei der Einführung und Popularisierung russischer Autoren im deutschen Sprachraum hervor, insbesondere vor dem Ersten Weltkrieg.

Seine Übersetzungen wurden vielfach neu aufgelegt und dienten über Jahrzehnte hinweg als Grundlage für Lektüre, Theateraufführungen und literaturkritische Auseinandersetzungen. Auch wenn sie später teilweise durch neuere, philologisch strengere Übersetzungen ersetzt wurden, behalten sie literatur- und rezeptionsgeschichtliche Bedeutung.

Nachlass und Quellenlage

Der literarische Nachlass von August Scholz ist nur fragmentarisch überliefert. Teile seiner Korrespondenz sowie Arbeitsmaterialien befinden sich in deutschen Archiven; weitere Bestände galten zeitweise als verschollen. In der Forschung wurde insbesondere auf Schwierigkeiten bei der Sicherung und Erschließung seines Nachlasses hingewiesen, unter anderem im Zusammenhang mit Archivierungsbemühungen in der DDR Ende der 1960er-Jahre.

Publikationen (Auswahl)

Übersetzungen aus dem Russischen

August Scholz übersetzte zahlreiche Romane, Erzählungen und Theaterstücke aus dem Russischen, darunter Hauptwerke von Tolstoi, Dostojewski, Gogol und Tschechow, sowie viele kleinere Werke von Gorki und weiteren Autoren. Diese erschienen bei S. Fischer (1886–1889, 1912–), Hugo Steinitz (1890–), John Edelheim (1902), Bruno Cassirer (1902‐–), Ladyschnikow (1906–), alle in Berlin, und weiteren Verlagen. Einige Werke wurde bei verschiedenen Verlagen herausgegeben. Die Qualität seiner Übersetzungen wurde von Lesern, Verlegern und Rezensenten sehr geschätzt. [1][2]

Leo Tolstoi[3]
  • Bäcker Petrus, Erzählung, 1885, wahrscheinlich in einer Zeitschrift
  • Die Macht der Finsternis, Theaterstück, S. Fischer, Berlin, 1886 (Digitalisat)
  • Zwei Erzählungen. Albert. Eine Winterfahrt, S. Fischer, 1888
  • Was sollen wir also thun? Steinitz, 1891
Fjodor Dostojewski
Maxim Gorki[4]
  • Verlorene Leute, Cassirer, 1902
  • Nachtasyl, Marchlewski, München 1903, deutsche Erstausgabe, über 500 Aufführungen in zwei Jahren
  • Sommergäste, Drama
  • Wassa Schelesnowa, Drama
  • Der Sohn der Nonne, Roman
  • Eine Beichte, Roman
  • Matwej Koshemjakin, Roman
  • Ein Sommer, Roman
  • Das Ehepaar Orlow, (Erzählung), Cassirer Berlin, 1901, deutsche Ersrausgabe
  • Kinder der Sonne, Theaterstück
  • Unter fremden Menschen, Erzählung
  • Meine Kindheit
  • Drei Menschen, (Roman), Cassirer Berlin, 1902, deutsche Erstausgabe
  • Meine Universitäten
  • Das Mitleid, Neue Novellen
  • Die Menschen haben gesiegt, Erzählungen
  • Wie ein Mensch geboren ward, Novellen, 1914
Anton Tschechow
Iwan Turgenjew
  • Drei Gedichte, in Aus fremden Zungen, 1882, S. 679
  • Die Kleinbürgerin
  • Ein Monat auf dem Lande
Nikolai Gogol
Wladimir Korolenko
  • Sibirische Geschichten, S. Fischer 1888
Iwan A. Gontscharow
Leonid Andrejew
  • Der Gedanke, Drama
  • Das rote Lachen
  • Jekaterina Ivanowna, Drama
  • Das Leben des Menschen. Ein Spiel in fünf Bildern
  • Die sieben Gehenkten
Russische Behörden
  • Die Juden in Russland. Urkunden und Zeugnisse russischer Behörden und Autoritäten, Concordia, Berlin 1900
Salomon Poljakow
  • Warwara

Übersetzungen aus dem Norwegischen

Es ist ein Band mit Erzählungen bekannt, der von August Scholz aus dem Norwegischen übersetzt wurde

Eigene Artikel

Theateraufführungen

Noch heute werden Stücke in der Übersetzung von August Scholz an deutschen Bühnen aufgeführt

Literatur

  • Aleksey Tashinskyi: August Scholz in der DDR oder die verflochtene Geschichte eines Übersetzernachlasses, in Chronotopos, 2023/2, S. 129–152 (PDF), mit biographischen Informationen
  • Christine Schultze, August Scholz, in Ernst Eichler (Hrsg.): Slawistik in Deutschland von den Anfängen bis 1945: Ein biographisches Lexikon, Domowina, Bautzen 1993, S. 153f. (kurze Auszüge), mit einigen biographischen Informationen
  • Jürgen Lehmann Russische Literatur in Deutschland. München 2015.
  • UeLEX – Lexikon der Übersetzerinnen und Übersetzer.
  • Chronotopos: Studien zur Übersetzer- und Nachlassgeschichte.
Commons: August Scholz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: August Scholz – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Jürgen Lehmann: Russische Literatur in Deutschland: Ihre Rezeption durch deutschsprachige Schriftsteller und Kritiker vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Springer, 2015, ISBN 978-3-476-05373-2. S. 145, über die allgemeine Wertschätzung für August Scholz
  2. Peter de Mendelssohn, S. Fischer und sein Verlag, Frankfurt 1970, S. 68, Samuel Fischer schätzte die Übersetzungen von August Scholz
  3. Hilmar Schmuck, Willy Gorzny (Bearb.), Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums 1700–1910, Band 146, München 1985, S. 195–205, mit vielen deutschen Ausgaben von Tolstoi (unvollständig)
  4. E. Czikovsky et al. (Bearb.), Maxim Gorki in Deutschland. Bibliographie 1899–1965, Berlin 1968, Neudruck 2023; mit allen feststellbaren deutschen Ausgaben von Gorki bis 1965