Die Verteidigerin – Der Fall Nicola

Folge 2 der Reihe Die Verteidigerin
Titel Der Fall Nicola
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Länge 89 Minuten
Produktions­unternehmen Zum Goldenen Lamm Filmproduktion
für den SWR
Regie Lars-Gunnar Lotz
Drehbuch Magnus Vattrodt
Produktion Stefan Sporbert
Musik Sebastian Fillenberg
Kamera Moritz Schultheiß
Schnitt Philipp Thomas
Premiere 14. Jan. 2026 auf Das Erste
Besetzung
Episodenliste

Der Fall Nicola ist ein deutscher Kriminalfilm von Lars-Gunnar Lotz aus dem Jahr 2026. Es handelt sich um die zweite Folge der ARD-Reihe Die Verteidigerin mit Andrea Sawatzki als Freiburger Anwältin Lou Caspari in der Titelrolle. Die deutsche Fernseh-Erstausstrahlung erfolgte am 14. Januar 2026 auf dem ARD-Sendeplatz „FilmMittwoch im Ersten“.

Handlung

Die Freiburger Rechtsanwältin Lou Caspari wird von dem befreundeten Lehrer Benno Schmidtberger um Unterstützung bei der Suche nach seiner verschwundenen Ehefrau Nicola gebeten. Üblicherweise bricht die Projektmanagerin morgens mit ihrem Hund Anton zu einem Spaziergang im Wald auf und fährt anschließend weiter zum Betrieb ihrer Schwägerin Sabine. Da sie dort nicht angekommen ist, hat Benno Anzeige bei der Polizei erstattet. Doch die schleppende Bearbeitung des Vermisstenfalls durch den leitenden Kriminalkommissar Kröber stellt für den Familienvater und seine halbwüchsige Tochter Jasmin eine große seelische Belastung dar. Lou setzt Kröber daraufhin unter Druck und beginnt, eigene Ermittlungen anzustellen. Als das verlassene Fahrzeug nach einem Hinweis mit eingeschlagenen Scheiben am Waldsee aufgefunden wird, verdichten sich die Anzeichen für ein Verbrechen. Die eingeleiteten polizeilichen Fahndungsmaßnahmen, darunter ein Mantrailing im Wald, enden ergebnislos. Bilder einer Überwachungskamera liefern zwar den Beweis für ein Treffen Nicolas mit ihrem ehemaligen Ehemann und Jasmins leiblichem Vater Stefan Buchholz am Tag ihres Verschwindens, dessen Vernehmung führt aber zu keinen weiteren Erkenntnissen.

In ihrer Verzweiflung wenden sich Jasmin und ihre Freundin Selma mit einer Suchmeldung auf Sozialen Medien unter Angabe von Nicolas vollständigem Namen an die Öffentlichkeit. Die meisten der eingehenden Hinweise erweisen sich allerdings als unseriös. Übergriffige Kommentare von True-Crime-Influencern und anderen Hobby-Ermittlern sowie das wachsende Medieninteresse beunruhigen die Familie zusätzlich. Neben den äußeren Einflüssen zerren auch aufkommende persönliche Konflikte zunehmend an den Nerven. Um die Kontrolle über die Berichterstattung zurückzugewinnen, fassen Benno und Jasmin den zögerlichen Entschluss, mit einer Erklärung vor die Presse zu treten. Benno gerät jedoch unvermittelt selbst in Verdacht, nachdem eine lange zurückliegende Hooligan-Story im Netz entdeckt worden ist und die seinerzeit wegen Körperverletzung verhängte Jugendstrafe Anlass zu Spekulationen über sein tatsächliches Verhältnis zu Nicola gibt. Im Gespräch mit Lou beteuert er glaubhaft seine Unschuld.

Derweil geht die ungeduldige Jasmin einer falschen Spur nach, die sie schließlich zu einer unbeteiligten Asbestentsorgungsfirma führt. Auf der Flucht vor den misstrauischen Verfolgern wird sie von einem Auto angefahren und verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Reumütig liefert Selma, die aus Angst vor negativen Reaktionen zunächst geschwiegen hat, nun eine Erklärung für die Beschädigung des Fahrzeugs: Ein Mitschüler hat aus Wut über Bennos schlechte Zensuren die Scheiben zertrümmert. In Lous Gegenwart erinnert sich Jasmin an ein kürzlich erhaltenes Paket. Nicola hatte ein mit einem eingebauten Sender ausgestattetes Hundehalsband bestellt, um ihren streunenden Begleiter im Notfall orten zu können. Mithilfe des zweiten Empfangsgeräts spürt Lou den vorbestraften Günther Haslinger auf, der Brennholz im Wald geschlagen und das Halsband an sich genommen hat. Er schildert den wahren Ablauf des Geschehens: Da Anton einem Wildtier nachgejagt ist, brachte Haslinger Nicola mit seinem Wagen an die mehrere Kilometer entfernte Stelle. Dort kletterte sie einen Hang hoch und verunglückte an einer Klippe tödlich. Lou findet die Leiche am Abgrund, während der Hund unversehrt am Klippenrand verweilt. In Nicolas Gespräch mit Stefan sei es lediglich um eine mögliche Adoption ihrer Tochter durch Benno gegangen.

Dreharbeiten

Der Fernsehfilm wurde vom 12. März bis 10. April 2025 im Nordschwarzwald in Baden-Württemberg und Berlin gedreht.[1]

Rezeption

Die Fernsehzeitschrift TV Spielfilm beurteilt den Film positiv (Daumen hoch) und vergibt für Anspruch und Spannung zwei von drei möglichen Punkten: „Solides Krimifutter: erst gewöhnlich, dann überraschend. – Im Vergleich zum Vorgängerfilm schlägt der neue Fall der Anwältin, die eine Extraportion Miss Marple im Blut hat, zuerst konventionellere Bahnen ein. Das sorgt später auch für einige klassische Spannungsmomente, die allerdings zuweilen etwas ungeschickt inszeniert sind. Angenehm ist, dass die Auflösung […] dem eher klassischen Handlungsablauf entgegenläuft.“[2]

Die Website Tittelbach.tv vergibt fünf von sechs Sternen und resümiert: „Der Fall Nicola […] bietet mehr als klassische Krimispannung, denn das ausgezeichnete Drehbuch von Magnus Vattrodt handelt von den dramatischen Folgen für eine Familie, die in den Fokus einer Öffentlichkeit gerät, die vom True-Crime-Jagdfieber gepackt wird. Die Inszenierung von Lars-Gunnar Lotz prangert die Wirkungsmacht sozialer Medien an und erzählt gleichzeitig packend und wendungsreich von einer schwierigen Vermisstensuche. Starker Auftritt insbesondere von Andreas Döhler, der den Ehemann der vermissten Nicola spielt, aber auch von Andrea Sawatzki in der facettenreichen Titelrolle als Anwältin, Freundin, Beraterin – und als Ermittlerin, die der Polizei manchmal einen Schritt voraus ist.“[3]

Die Besprechung auf film-rezensionen.de urteilt mit insgesamt sechs von zehn Punkten und zieht ein gemischtes Fazit: „In Die Verteidigerin: Der Fall Nicola versucht die Anwältin einem Freund beizustehen, dessen Frau verschwunden ist. Als Drama ist das durchaus sehenswert, als Krimi eher weniger. So werden nicht nur bei der Auflösung Erwartungen nicht erfüllt, auch beim Weg dorthin setzt man andere Prioritäten.“[4]

Das Nachrichtenportal Stern.de greift die medienkritischen Aspekte ebenfalls auf: „Die Verteidigerin – Der Fall Nicola funktioniert nicht nur als spannender und auf realistische Art und Weise wendungsreicher Kriminalfall. Die mitreißend erzählte und inszenierte Story führt uns in die Abgründe moderner Social Media-Kampagnen und Influencer-Wichtigtuer, denen Netzruhm wichtiger ist als Empathie und Verantwortung.“[5]

Einzelnachweise

  1. Die Verteidigerin – Der Fall Nicola (Drehdaten) bei crew united, abgerufen am 12. Januar 2026.
  2. Die Verteidigerin – Der Fall Nicola. In: TV Spielfilm. Abgerufen am 12. Januar 2026.
  3. Thomas Gehringer: Die Verteidigerin – Der Fall Nicola. In: Tittelbach.tv. Abgerufen am 12. Januar 2026.
  4. Oliver Armknecht: Die Verteidigerin: Der Fall Nicola. In: film-rezensionen.de. 14. Januar 2026, abgerufen am 17. Januar 2026.
  5. Eric Leimann: Der Horror eines Vermisstenfalles. In: Stern.de. 11. Januar 2026, abgerufen am 12. Januar 2026.