Deutscher Platz (Leipzig)
| Deutscher Platz | |
|---|---|
| Platz in Leipzig | |
Straßenschild Deutscher Platz | |
| Basisdaten | |
| Ort | Leipzig |
| Ortsteil | Zentrum-Südost |
| Angelegt | zwischen 1909 und 1913 |
| Einmündende Straßen | Straße des 18. Oktober, Curiestraße |
| Bauwerke | Deutsche Bücherei, Verwaltungsgebäude der Alten Messe, Biocity, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie |
| Nutzung | |
| Nutzergruppen | Fußgänger, Radverkehr, Kraftfahrzeuge |
| Platzgestaltung | Grünfläche, Fahrbahnen, Fußwege |
| Technische Daten | |
| Platzfläche | 2,23 Hektar[1] |
Der Deutsche Platz ist ein Platz in Leipzig, Stadtbezirk Mitte, Ortsteil Zentrum-Südost. Er ist seit 1929[2] nach der Deutschen Bücherei benannt, jetzt Deutsche Nationalbibliothek, deren Haupteingang sich an diesem Platz befindet[3].
Lage und Beschreibung
Der Deutsche Platz ist Bestandteil des Straßenzugs der Straße des 18. Oktober, den er auf eine Länge von etwa 200 Metern unterbricht. Zusammen bilden sie die städtebauliche Hauptachse zwischen der Innenstadt und dem Völkerschlachtdenkmal. Der Platz hat eine ovale Form. Die Mitte ist eine Wiese von etwa 150 Meter Länge und 75 Meter Breite[4], die von einer doppelten Baumreihe umgeben ist. Die Fahrbahnen verlaufen außen. Die Richtungsfahrbahn in Richtung Stadt hat eine besondere Kennzeichnung als Fahrradstraße[5]. Die Bebauung folgt konkavförmig der ovalen Form des Platzes. Am südöstlichen Ende des Deutschen Platzes mündet von der Philipp-Rosenthal-Straße kommend die Curiestraße.
Geschichte
Die Straße des 18. Oktober und der später Deutsche Platz genannte Platz wurden, ebenso wie das Völkerschlachtdenkmal, im Vorfeld des 100-jährigen Jubiläums der Völkerschlacht (1913) geplant und angelegt. Die Planung des maßgeblich verantwortlichen Architekten und Leiters des Stadterweiterungsamts Hans Strobel (1881–1953) geschah zunächst mit dem Ziel, die Straße des 18. Oktober zur „Prachstraße“ auszubauen und den Deutschen Platz zu einem „riesenhaften Festsaal“ auszugestalten.[6] Die Pläne von Strobel wurden durch den Ersten Weltkrieg durchkreuzt. Deshalb blieb der Platz anschließend lange Zeit nur teilweise bebaut. Jahrzehntelang wurde die Anlage des Platzes im Zusammenhang mit der Straße des 18. Oktober neu- und umgeplant.[7]
Zu den „Kuriositäten der Baugeschichte“[8] gehört es, dass die Grundsteinlegung für die Deutsche Bücherei als erstes Gebäude, das am Deutschen Platz errichtet wurde, 1913 an anderer Stelle (in der Karl-Siegismund-Straße) stattfand. Als die Stadt Leipzig dann aber das Grundstück am Deutschen Platz zur Verfügung stellte, wurde der Bau entsprechend umgeplant. Der durch das Gebäude vorgeprägte Deutsche Platz behielt seine markante Form bei und war die einzige Konstante in den wechselnden Entwürfen[9] zur Gestaltung des 2,6 Kilometer langen Straßenzuges der Straße des 18. Oktober. Letzterer wurde im Wesentlichen erst in den 1970er Jahren bebaut. Am Deutschen Platz selbst wurde in der Zeit der DDR nur die Deutsche Bücherei erweitert, zum Bau eines Handelszentrums der Leipziger Messe kam es an diesem Standort indes nicht.[8][10] Um die Jahrtausendwende kamen die unten beschriebenen Wissenschaftseinrichtungen dazu.
Bebauung
Auf der Ostseite beginnend und dann im Uhrzeigersinn weitergehend, befinden sich am Deutschen Platz folgende Gebäude:
Deutsche Nationalbibliothek
Als Nationalbibliothek konzipiert, hat die Deutsche Bücherei (heute Deutsche Nationalbibliothek) seit 1913 die Aufgabe, das gesamte in- und ausländische deutschsprachige Schrifttum zu sammeln. Die Gebäude am Deutschen Platz stammen aus verschiedenen Epochen, da die Bibliothek mehrfach erweitert werden musste. Das Gebäude, das nach den Plänen von Oskar Pusch (1877–1970) von 1914 bis 1916 errichtet wurde, steht mit konkav geschwungener, 120 Meter langer Fassade[11] im Bogen des Deutschen Platzes. Die Erweiterung von 1934/35 steht auf der Rückseite, also zur Philipp-Rosenthal-Straße hin. Darin befindet sich der große Lesesaal. Am nördlichen Ende, also zur Semmelweisstraße hin, stehen die beiden 55 Meter hohen Büchertürme, die von 1977 bis 1982 errichtet wurden. Der vierte Erweiterungsbau (2007 bis 2011, Architektin: Gabriele Glöckler)[12], der an ein liegendes Buch erinnert, verbindet den historischen Bau aus der Kaiserzeit mit den Büchertürmen aus der DDR-Zeit. Für den fünften Erweiterungsbau, der am südlichen Ende errichtet werden soll, hat 2025 ein Architekturwettbewerb stattgefunden.[13]
Verwaltungsgebäude der Alten Messe
Mit dem 1981 fertiggestellten Viergeschosser, der ebenfalls die Adresse „Deutscher Platz“ hat, wurde der Westeingang des Messegeländes überbaut. Damit wurde die freie Sicht auf das Völkerschlachtdenkmal, die Voraussetzung aller Planungen war[9], unterbrochen. Die darin befindlichen Büroräume werden auch in den 2020er Jahren noch genutzt.
Bio City Leipzig
Auf der anderen Straßenseite wurde 2003 das Gebäude der Bio City Leipzig fertiggestellt (Enwurf: Spengler-Wiescholek Architekten)[11]. Damit – und mit dem Gebäude Max-Planck-Instituts – wurde dem Deutschen Platz, der bis dahin ein Torso geblieben war, weiter Gestalt gegeben.
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie
Das ebenfalls 2003 fertiggestellte Gebäude des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie ist das Gegenstück zum ältesten Gebäude der Nationalbibliothek auf der anderen Seite des Platzes. Es ist ebenfalls konkav geschwungen. Mit seinen sieben Geschossen erreicht es auch die an diesem Platz erforderliche Höhe (Architekten: Schmidt-Schicketanz und Partner)[11].
- Gebäude am Deutschen Platz
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Deutsche Nationalbibliothek (2016)
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Erweitungsbau und Büchertürme (2011)
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Links: Verwaltungsgebäude „Alte Messe“, Mitte: Bio City, vorn Curiestraße (2016)
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Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (2009)
ÖPNV-Anbindung
Die nächstgelegene Haltestelle heißt Deutsche Nationalbibliothek. Hier verkehrt die Stadtbahnlinie 16.
Sonstiges
Die nordwestlich angrenzenden Flächen zwischen Deutscher Platz, Semmelweisstraße und Zwickauer Straße sind unbebaut und wurden im Laufe der Jahre unterschiedlich genutzt. Gegenwärtig (2025) betreibt hier die private Firma Saxonia Catering eine Flüchtlingsnotunterkunft für bis zu 300 Personen in Leichtbauweise auf Zeltbasis.[14]
Siehe auch
Literatur
- Henry Fenzlein, Janine Hartleb, André Parniske, Caroline Purps: Architekturführer Leipzig. Transformation seit der Wiedervereinigung. DOM-Publishers, Berlin 2016, ISBN 978-3-86922-442-8, S. 167–173.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Stadtplan. In: Website der Stadt Leipzig. Abgerufen am 4. Dezember 2025 (Ebene Flurstücke aufrufen).
- ↑ Straßenverzeichnis mit Erläuterungen. Stadt Leipzig, 2018, S. 645, abgerufen am 4. Dezember 2025.
- ↑ Deutscher Platz. Erläuterung Straßenname. In: leipzig.de. Stadt Leipzig, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ gemessen mit Google Maps
- ↑ Thomas Kleine: Besondere Kennzeichnung für Leipzigs Fahrradstraßen. In: sachsen-fernsehen.de. 25. September 2020, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Josephine Rex, 2024, S. 130–131
- ↑ Josephine Rex, 2024, S. 132–139
- ↑ a b Hansdieter Hoyer: Platz da - für Bücher und Forschergeist! In: Leipziger Blätter. Band 42. Passage-Verlag, Leipzig 19. März 2003, S. 37–39.
- ↑ a b Josephine Rex: Der langlebige Traum von einer Prachtstraße zum Völkerschlachtdenkmal. In: Arnold Bartetzky (Hrsg.): Das ungebaute Leipzig. Projekte, Visionen, Luftschlösser. 2. Auflage. Lehmstedt-Verlag, Leipzig 2024, ISBN 978-3-95797-119-7, S. 128–139.
- ↑ Ambros G. Gross: Gestaltung des Stadtzentrums - Geplantes und Gebautes. In: Joachim Tesch (Hrsg.): Bauen in Leipzig 1945-1990. Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, Leipzig 2003, ISBN 3-89819-159-1, S. 224 f.
- ↑ a b c Wolfgang Hocquél: Architekturführer Leipzig. Von der Romanik bis zur Gegenwart. Passage-Verlag, Leipzig 2023, ISBN 978-3-95415-128-8, S. 305–308.
- ↑ Andrea Kien: Die Deutsche Nationalbibliothek Leipzig. In: tu-dresden.de. Abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Peter Leonhardt: Der Wettbewerb zum Fünften Erweiterungsbau der Nationalbibliothek Leipzig. In: Leipziger Blätter. Band 87. Passage-Verlag, Leipzig 2025, ISBN 978-3-95415-166-0, S. 16–19.
- ↑ Besuch im Camp in Leipzig: eine Tür, ein Dach und ein Kühlschrank. In: Website Sächsischer Flüchtlingsrat. Abgerufen am 4. Dezember 2025.
Koordinaten: 51° 19′ 17,7″ N, 12° 23′ 44,9″ O